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Für Bauarbeiter

Uns Baumeistern ist es ein Anliegen, Sie als Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter direkt zu informieren und mit Ihnen im Austausch zu sein.
Im Jahr 2022 mit all seinen Herausforderungen sowie den laufenden Verhandlungen über den neuen Landesmantelvertrag ist dieser direkte Kontakt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden wichtiger denn je. Automatisierung und Digitalisierung sowie stets steigende Kundenansprüche verändern auch die Arbeitswelt auf dem Bau.
Wir setzen uns dafür ein, dass Ihr Arbeitsplatz sicher und zeitgemäss bleibt.

«Uns Baumeistern ist es ein Anliegen, Sie als Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter direkt zu informieren und mit Ihnen im Austausch zu sein.»

Liebe Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter.

Ich hoffe, Sie sind erfolgreich und gesund ins neue Baujahr gestartet. Die Bautätigkeit nimmt mit dem Erwachen des Frühlings Fahrt auf. Als Baumeisterinnen und Baumeister nehmen wir dies zum Anlass, uns mit dieser Zeitung «Baunews» persönlich an Sie zu wenden. Uns ist es ein Anliegen, Sie als Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter direkt zu informieren und mit Ihnen im Austausch zu sein. Im Jahr 2022 mit all seinen Herausforderungen sowie den laufenden Verhandlungen über den neuen Landesmantelvertrag ist dieser direkte Kontakt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden wichtiger denn je. Automatisierung und Digitalisierung sowie stets steigende Kundenansprüche verändern auch die Arbeitswelt auf dem Bau. Hinzu kommt die Corona-Pandemie, die ein Unsicherheitsfaktor bleibt und viel Flexibilität verlangt.
Gerne möchten wir in den «Baunews» aufzeigen, wie wir den Wandel gemeinsam bewältigen können: Wir setzen uns dafür ein, dass Ihr Arbeitsplatz sicher und zeitgemäss bleibt. Dabei orientieren wir uns auch an Ihren Bedürfnissen als Arbeitnehmenden. Zum Beispiel dient uns eine landesweite Umfrage bei 600 Polieren als wichtige Informationsquelle. Die «Baunews» gewährt Ihnen einen ersten Einblick in die Verhandlungen über den neuen Landesmantelvertrag. Ich bin kein Prophet und weiss nicht, mit welchem Ergebnis die Gespräche zwischen Gewerkschaften und SBV enden werden. Versprechen kann ich Ihnen: Wir engagieren uns unabhängig von Verhandlungsergebnissen weiter für möglichst gute Arbeits- und Lohnbedingungen auf dem Bau.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und viel Erfolg im Arbeitsalltag.

Gian-Luca Lardi
Zentralpräsident SBV

Auf Schweizer Baustellen werden rekordhohe Löhne gezahlt. Ihre Arbeit soll weiter auf hohem Niveau leistungsgerecht entlöhnt werden.

Das Schweizer Bauhauptgewerbe zahlt mit Abstand die höchsten Handwerkerlöhne. Die Löhne gehören europaweit zu den höchsten. Sie halten auch mit dem Lohnniveau akademischer Berufe mit, die für Stellen nach einem Studium an der Uni bezahlt werden. Selbst ein Hilfsarbeiter ohne Berufsabschluss erhält mindestens 4’573 Franken im Monat, 13-mal im Jahr. Beim Vorarbeiter liegt der Mindestlohn bei 6’240 Franken. Es sind gute Löhne für gute persönliche Leistungen. Motivierte und engagierte Mitarbeitende können mit individuellen Lohnanreizen und Weiterbildungsmöglichkeiten in die Branche geholt und hier langfristig gehalten und weiterentwickelt werden. Das ist wichtiger als generelle Lohnrunden mit der Giesskanne.

Mehr Flexibilität im Berufsalltag und bessere Vorarbeit und Planung von Bauherren und Planern sind wichtige Bedürfnisse auf dem Bau. 

Auf der Baustelle weniger Planungsfehler ausbaden müssen. 

Vom 22. September bis 7. November 2021 haben 563 Poliere an der Umfrage teilgenommen. Die Ergebnisse überraschen: 92 Prozent beklagen den Zeitdruck wegen unrealistischen Zeitvorgaben bei öffentlichen Ausschreibungen. Sie wünschen sich höhere Qualität bei den Planerarbeiten und mehr Professionalität der Bauherrschaft. Mangelhafte Pläne müssten der Polier und das Baustellenpersonal spontan vor Ort ausgleichen. Eine bessere gemeinsame Planung vor Baubeginn wäre wichtig. Kritisiert wird auch der intensive Preiswettbewerb bei öffentlichen Projekten. Gut hat sich der SBV bei der Revision des öffentlichen Beschaffungswesens erfolgreich für den Paradigmenwechsel weg vom Preis- hin zum Qualitätswettbewerb eingesetzt. 

Flexiblere Arbeitszeiten für mehr Freiheiten privat und im Beruf. 

Drei von fünf Polieren möchten ihren Berufsalltag und ihre Freizeit zeitlich flexibler gestalten. Das zeigt eine im Oktober 2021 durchgeführte Umfrage. Vier von fünf bemängeln, dass dies bei ihrem Arbeitgeber noch kaum möglich ist. Hier sollten Baufirmen ansetzen, um für ihre Mitarbeiter attraktiver zu werden. Abhilfe könnte ein Jahresarbeitszeitkonto schaffen. Wer im Sommer mehr arbeitet, kann im Winter die Zeit kompensieren und auf eine Reise oder die Skipiste gehen. Flexibilität wäre auch hilfreich, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Allerdings: Zwei Drittel wollen an ihrem 100-Prozent-Pensum festhalten. Ein Drittel wünscht sich einen 80-Prozent-Job, Vereinzelte weniger als 80 Prozent. 

Leistung soll sich lohnendoch ist Lohn nicht Sorge Nummer 1 

Die Rückmeldungen widerlegen die Vermutung, dass vermeintlich zu tiefe Löhne Auslöser für den Fachkräftemangel ist. Obwohl explizit nach der Lohnzufriedenheit gefragt worden ist, stehen andere Problemfelder im Vordergrund. 68 Prozent sind mit ihrem Lohn zufrieden bis sehr zufrieden. Nur 32 Prozent finden, dass ihr Lohn gemessen an ihrer eigenen Leistung eher nicht fair ist. Denn Berufserfahrung, gute Leistung und Weiterbildung sorgen auf dem Bau rasch für individuelle Lohnerhöhungen. Mit jedem Arbeitsjahr zahlt sich Bildung stärker aus: Während ein 30-jähriger Polier 90000 Franken pro Jahr verdient ein gleichartiger Hilfsarbeiter erhält 70000 Franken steigt der Polierlohn bis 60 auf 105000 Franken. 

Mehr Flexibilität im Berufsalltag und bessere Vorarbeit und Planung von Bauherren und Planern sind wichtige Bedürfnisse auf dem Bau. 

Angestrebt wird ein neuer moderner Vertrag. Klappt das nicht, kommen Schutzmechanismen zur Anwendung, die auch für Bauarbeiter greifen.

2022 verhandeln die Gewerkschaften und der Schweizerische Baumeisterverband einen neue Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe. Die Baumeister wollen per Ende Jahr einen neuen Vertrag abschliessen. Doch das Beispiel der Schreiner zeigt, dass sich Sozialpartner nicht immer auf Anhieb auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag einigen können. Der SBV hat deshalb untersucht, welche diversen Schutzmechanismen bestehen, damit die Baustelle auch bei einem allfälligen vertragslosen Zustand ein arbeitnehmerfreundlicher Arbeitsplatz bleibt mit guten Arbeits- und Lohnbedingungen sowie vielfältigen Karrierechancen. So zeigt eine Studie des Wirtschaftsprofessors George Sheldon, dass dank den Gesetzen von Bund und Kantonen ein vertragloser Zustand die Umsätze, die Margen und das Lohnniveau kaum tangieren würde. Wichtig sind zudem praxistaugliche Branchenlösungen.

Löhne würden auch ohne LMV stabil bleiben – Lohnerhöhungen sind möglich.

Normalarbeitsverträge auf Bundes- und Kantonseben sorgen bei einem vertragslosen Zustand dafür, dass die Mindestlöhne stabil bleiben. Professor Sheldon rechnet mit einem flexibleren Lohnsystem, dank dem die individuellen Löhne der Leistungsträger und Fachkräfte steigen.

Weiterbildung lohnt sich mehr denn je

Sich weiterzubilden lohnt sich bei einem vertragslosen Zustand noch mehr. Dank Wegfall der jährlichen Verhandlungen der Sozialpartner über Mindestlöhne haben die Firmen mehr Freiheiten beim Verteilen der Lohnsumme im Betrieb. Davon profitieren Vorarbeiter oder Polier, die dank ihrer Weiterbildung auf dem Arbeitsmarkt sehr gesucht sind.

Gute Rahmenbedingungen, um Arbeitsplätze zu erhalten

Die Rahmenbedingungen für Bauunternehmen und deren Arbeitsplätze sind auch bei einem vertragslosen Zustand gut. Ein engmaschiges gesetzliches Regelwerk bietet Schutz vor ausländischer Billigkonkurrenz. Dies ist wichtig, um die im internationalen Vergleich sehr gut bezahlten Arbeitsplätze zu erhalten.

Angestrebt wird ein neuer moderner Vertrag. Klappt das nicht, kommen Schutzmechanismen zur Anwendung, die auch für Bauarbeiter greifen.

BauNews

BauNews 1/22

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