Auch Ersatzneubauten können nachhaltig wirken Die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum wächst. Gleichzeitig gilt es, die bestehenden Freiflächen zu bewahren. Ersatzneubauten ermöglichen qualitativ hochwertigen Wohnraum für rund 90% mehr Menschen auf derselben, bereits bebauten Fläche. Donnerstag, 31.7.2025 | 06:00 ... Schweizerischer Baumeisterverband Politik & Medien Agenda 125.0 Modernisierung Auch Ersatzneubauten können nachhaltig wirken Die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum wächst. Gleichzeitig gilt es, die bestehenden Freiflächen zu bewahren. Ersatzneubauten ermöglichen qualitativ hochwertigen Wohnraum für rund 90% mehr Menschen auf derselben, bereits bebauten Fläche – ohne neuen Grünraum zu beanspruchen.Seit 2014 fordert das Raumplanungsgesetz von Städten und Gemeinden, Siedlungen innerhalb der bestehenden Bauzonen zu verdichten, statt ungenutzte Flächen in der Natur zu bebauen. Dies kann durch Aufstockungen, Ersatzneubauten, Anbauten oder das Bauen in Zwischenräumen geschehen. Besonders an gut erschlossenen Lagen ist die Verdichtung ökologisch sinnvoll, da sie eine weitere Zersiedelung verhindert.Ersatz von schlechter BausubstanzSeit den 2000er-Jahren haben Ersatzneubauten wesentlich zur Innenverdichtung in den Städten und Gemeinden beigetragen. Gerade Wohnbaugenossenschaften setzen oft auf Ersatzneubauten, da zahlreiche ihrer Gebäude im Bestand alt und energieintensiv sind. Der Ersatz dieser Gebäude durch moderne Neubauten ermöglicht nicht nur die Erneuerung des gemeinnützigen Wohnungsbestandes und eine Verbesserung der Energieeffizienz, sondern auch die Schaffung zusätzlicher Wohnungen. In Zürich werden durchschnittlich 100 bestehende durch 161 neue Wohnungen ersetzt, in denen 87% mehr Menschen leben.Anpassung an heutige Bedürfnisse ermöglichenDiese haben neue Ansprüche an ihren Wohnraum, z.B. offene Küchen, andere Grundrisse etc., Zudem passt der Wohnungsmix in Altbauten häufig nicht mehr zu den heutigen Lebensrealitäten. Besonders grössere Wohnungen für Familien und kleine Wohnungen für die wachsende Zahl an alleinstehenden älteren Menschen fehlen. Neubauten bieten die Möglichkeit, den neuen Bedarf besser zu decken. Durch flexiblere Grundrisse bieten sie mehr Spielraum für unterschiedliche Lebensformen und tragen so zur besser sozialen Durchmischung bei.Verdichtung und attraktive GrünräumeWollen wir die raren Grünräume in bereits bebauten Gebieten erhalten oder gar verbessern und trotzdem verdichten, so sind Ersatzneubauten eine gute Lösung. Durch die Positionierung von Gebäuden am Parzellenrand entstehen beispielsweise auf benachbarten Grundstücken ruhige Innenhöfe. Diese dienen den Bewohnenden als Erholungsräume. Statt dem Abstandsgrün aus den 1970er Jahren entstehen grosszügige Spielplätze mit freigelegten Quartierbächen – und damit lebenswerte, attraktive Freiräume für alle Generationen.Energieeffizienz als VorteilModerne Neubauten sind deutlich energieeffizienter als ihre Vorgänger. Ihr Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser ist vier- bis fünfmal geringer als in Gebäuden aus den 1970er Jahren. Das senkt nicht nur Kosten (auch für die Mieter), sondern reduziert auch den CO2-Ausstoss erheblich. Wenn wir weiterhin in zwei- bis dreigeschossigen Häusern leben wollen, können wir den dringend benötigen zusätzlichen Wohnraum in den Städten nicht schaffen – egal ob die Häuser saniert sind oder nicht. Genügend Wohnraum in den Städten bedeutet zudem kürzere Pendlerwege – zur Arbeit oder an den Ausbildungsort. Auch das ist nachhaltig.Abwägungen im EinzelfallBei jedem Bauprojekt muss eine individuelle Prüfung betr. Nachhaltigkeit stattfinden. Aufstockungen können die graue Energie im bestehenden Gebäude zwar erhalten und günstigeren Wohnraum bewahren. Dennoch sind sie gegenüber dem Ersatzneubau nicht immer im Vorteil. Im Gegenteil; der zusätzliche Wohnraum, der geschaffen werden kann, ist viel geringer. Bei der Entscheidung zwischen Sanierung, Sanierung plus Aufstockung oder Neubau müssen diverse Faktoren wie die Bausubstanz, gesetzliche Vorgaben, energetische Anforderungen, der Verdichtungseffekt, der Gebäudegrundriss, das Ortsbild, Kosten und der zeitliche Aufwand berücksichtigt werden. Nur eine gründliche Analyse der verschiedenen Optionen führt zur besten Lösung für jedes Projekt. Auch Ersatzneubauten können weiterhin eine gute Lösung sein! Dieser Beitrag erschien erstmals im Jahrbuch Nachhaltiges Bauen. Über den Autor Romana Heuberger romana.heuberger@baumeister.ch Artikel teilen
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