Auch im Coronajahr das richtige Mass zwischen Nähe und Distanz gefunden

An der Delegiertenversammlung zeigte sich Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes SBV, überzeugt, dass die Branche in der Coronapandemie das Glück der Tüchtigen gehabt habe. Der SBV sei nahe an seinen Mitgliedern gewesen und habe zusammen mit anderen Verbänden rasch und effektiv Einfluss auf Entscheide nehmen können. 

 

Dem SBV ist es während der Coronakrise gelungen, die Bedeutung der Baubranche für die Gesamtwirtschaft aufzuzeigen. Im Verbund mit den Dachverbänden konnte der SBV darlegen, dass ein Weiterführen der Arbeiten auf dem Bau im überwiegenden volkswirtschaftlichen Interesse ist und ein Shutdown der Baustellen zu einem ausserordentlich grossen Schaden geführt hätte. Zentralpräsident Lardi: “Die Bauwirtschaft ist mit einem Anteil von 10% systemrelevant, vor allem in den Randregionen.”

Weil die Baustellen mit wenigen Ausnahmen offenblieben, ist die Baubranche deutlich besser durch die Coronakrise gekommen als andere Wirtschaftsbereiche. Das Bauhauptgewerbe musste letztes Jahr gesamtschweizerisch einen nur leichten Umsatzrückgang gegenüber dem Rekordjahr 2019 verkraften. Die Zahlen für 2020 belegen, dass überall dort, wo Baustellen geschlossen wurden, die Bautätigkeit massiver zurückgegangen ist.

Einen speziellen Dank richtete Zentralpräsident Lardi deshalb an die Suva. In der Pandemie habe die Suva ihre Kontrolltätigkeiten auf Verbesserungen im Weiterbetrieb der Baustellen und nicht auf deren Schliessung ausgerichtet. Schweizweit wurden die Schutzmassnahmen in mehr als 99 Prozent als korrekt umgesetzt befunden. “Diese bemerkenswerte Leistung haben die Bauunternehmer ermöglicht. Mit dieser Geschlossenheit verschaffen wir uns Respekt und den Ruf eines zuverlässigen Partners, auch und gerade in der Krise.”

Bauherren reagieren positiv auf 5-Punkte-Plan des SBV 

In der Pandemie forderte der SBV, keine Subventionen oder ausserordentlichen Unterstützungen, sondern das Weiterführen oder Beschleunigen von Projekten, Bewilligungen und Investitionen. Dokumentiert wird der Erfolg des 5-Punkte-Plans durch die Zahlen der ersten Quartalserhebung 2021. Öffentliche und private Bauherren vergaben gegenüber dem Vergleichsquartal 2020 14 Prozent mehr Aufträge. Hervorgetan hat sich insbesondere die öffentliche Hand mit einem Plus von einem Drittel. Dennoch bleibt Zentralpräsident Lardi verhalten optimistisch, insbesondere die weltweite Knappheit bei einigen Baumaterialien könnte sich umsatzhemmend auswirken.

Mit Blick auf den Herbst und die anstehenden Verhandlungen zum LMV 2023+ rief Zentralpräsident Lardi die Delegierten auf, die gezeigte Stärke in langfristige, kollektive Resilienz überzuführen. “Wir haben in der Pandemie gezeigt, wozu wir mit Einigkeit in der Lage sind, wenn wir geschlossen auftreten. Wir werden hart für faire Bedingungen, einen einfacheren LMV und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeitregelungen kämpfen.”

Zentralpräsident Lardi rief die Delegierten auf, sich konsequent auf die langfristigen Interessen der Branche zu fokussieren und in jedem Fall das richtige Mass zwischen Nähe und Distanz zu finden. “Das heisst für uns in erster Linie, Fokus auf das Wesentliche. Mit den richtigen unternehmerischen Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie einerseits sowie Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Digitalisierung anderseits schaffen wir die Grundlagen für den Erfolg von übermorgen!”

 

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Thomas Staffelbach

Chefredaktor

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