Bevölkerung bestellt beim SBV Wachstum in den Zentren

Aus der im Tour d’horizon an der Swissbau in Basel durchgeführten Umfrage geht hervor, dass eine grosse Mehrheit der Befragten sich mehr Verdichtung in Städten und Agglomerationen wünscht. 
 
Das Bauland wird knapper, vor allem in Städten und Agglomerationen. Deshalb werden verdichtetes Bauen beziehungsweise Siedlungsentwicklungen nach innen immer wichtiger, hört man immer wieder. Doch wie sieht das die Bevölkerung? Der SBV ist dazu in einem Dialog mit der Bevölkerung – siehe Kästchen. Im Januar wurden in Basel die ersten Daten erhoben. Nun sind sie ausgewertet. Aus ihnen geht hervor, dass eine grosse Mehrheit der Personen, die sich an der Umfrage des SBV beteiligt haben, sich mehr Verdichtung in Städten und Agglomerationen wünscht. Es soll mit anderen Worten enger und höher gebaut werden, um die in Zukunft weiter anwachsenden Bevölkerungszahlen in Städten und Agglomerationen aufnehmen zu können und ein sinnvolles Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten und Sich-Bewegen zu ermöglichen. Es benötigt mehr Wohn- und Arbeitsraum und auch die damit verbundene Verkehrsinfrastruktur, die für die steigende Mobilität auf gleichzeitig engerem Raum gefordert wird.  
 
Konsequente Urbanisierung  
Die Basler gehen sogar noch weiter: rund ein Viertel der Befragten fordert eine konsequente Urbanisierung von Städten und Agglomerationen, wogegen ein Status Quo oder sogar eine Verlagerung von Wohn- und Arbeitsraum aufs Land oder in die Berge kein Thema sind. Aufgrund der Tatsache, dass bereits heute 85 Prozent der Schweizer im städtischen Raum beziehungsweise dessen Agglomeration leben und allein fast 40 Prozent der Bevölkerung in den fünf grössten Agglomerationen Zürich, Genf, Basel, Bern und Lausanne wohnen, erstaunt diese Forderung nicht. Dass eine solche Urbanisierung nicht auf Kosten der Lebensqualität gehen soll, liegt auf der Hand. Dies bedeutet, dass die quantitativen Kriterien mit qualitativen einhergehen müssen und dass neben Raum und Funktionalität auch die Attraktivität von Gebäuden, Zusammenlebensformen und öffentlichem Raum stimmen müssen.   
 
Konsequenzen für die Bauwirtschaft  
Die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Player bei der Umsetzung der Wünsche nach verdichteten Städten und Agglomerationen sowie konsequenter Urbanisierung. Sie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Ausgestaltung zukünftiger Lebensformen und zur Steigerung unserer Lebensqualität. Die Rahmenbedingungen für eine zielgerichtete Entfaltung sind jedoch heute nicht optimal. Die Raumentwicklung in der Schweiz ist durch Fehlanreize und unnötige Überregulierungen geprägt. Statt mit einem konservativen, einseitigen Schutzansatz sinnvolle Weiterentwicklungen zu verhindern, muss sich die Raumpolitik vermehrt auf die effiziente und zielgerichtete Nutzung des vorhandenen Raumes im Dienste der Gesellschaft und der Wirtschaft konzentrieren.   
Um die fortschreitende Konzentration in grösseren, aber auch mittleren und kleineren Zentren bewältigen zu können, müssen unbedingt die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Es braucht Vereinfachungen und Standardisierungen bei Bewilligungsverfahren, eine bewusste Forcierung der Verdichtung im städtischen Raum sowie einen Abbau unnötiger Überregulierung, um diesen Prozess zu beschleunigen. Nationale Initiativen, welche die Raumnutzung durch Bauprojekte verhindern oder Bauzonen reduzieren wollen, sind zu verhindern. Gefragt sind schlanke und effiziente Verfahren, unterstützt durch die Digitalisierung.  
Eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Zentren spielen auch der Ersatzneubau und die Umnutzung nicht mehr benötigter Gewerbeliegenschaften. Heute werden bei Ersatzneubauten für jede abgebrochene Wohnung zwei neue gebaut, während die Wohnfläche sogar verdreifacht wird. Entscheidend ist, dass die Zonenpläne und die Ausnützungsziffern der Gemeinden eine verdichtete Bauweise auch zulassen.   
 
Zum Beispiel Pfäffikon 
Ein gutes Beispiel für eine Verdichtung im Zentrum einer Gemeinde ist das Zentrum Staldenbach in Pfäffikon SZ. Es handelt sich um eine dicht bebaute Wohnsiedlung mit Gewerbeanteil an zentraler Lage, die den Bahnhof mit dem Dorfzentrum verbindet. Das ehemals undurchlässige Industrieareal der Verwo AG wurde von der Versicherungsgruppe Helvetia Schweiz gekauft und ab dem Jahr 2010 zu einem urbanen Ort im Dorf entwickelt. Die Überbauung beherbergt 94 Wohnungen und bietet publikumsorientierte Nutzungen in den Erdgeschossen. Die vielfältig gestalteten öffentlichen Räume, die zentrale Lage und der vielfältige Nutzungsmix zeigen die sorgfältige Planung und leisten einen Beitrag zu einem erweiterten funktionierenden Ortskern. 
Wichtige Herausforderungen von grossen Städten sind bereits heute die hohen Immobilienpreise, ein hohes Verkehrsaufkommen, zunehmend heisse Sommer sowie subjektiv empfundener Dichtestress. Gerade zu diesen Herausforderungen kann die Baubranche überzeugende Lösungen bieten. In Bezug auf die Gewinnung von Raum gehört beispielsweise die Nutzung des Untergrundes, insbesondere für Verkehrs- und Gütertransportinfrastrukturen vermehrt in die Überlegungen. Hier ist zum Beispiel das Projekt Cargo Sous Terrain zu nennen. Mehr zu diesem Projekt erfahren Sie in der nächsten SBW-Ausgabe. 
Der konkrete Wunsch der Basler nach mehr Verdichtung und konsequenter Urbanisierung von Städten und Agglomerationen ist also ernst zu nehmen und es sind die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen! Die breite Akzeptanz zur verdichteten Bauweise ist für eine sinnvolle Bauplanung von Morgen zu nutzen und muss sich gegenüber Widerständen von Einzelinteressen durchsetzen. Es muss einfacher werden, in Städten zu verdichten und grössere, an der konkreten Nachfrage orientierte Projekte bauen zu können. Die Schweizer Bauwirtschaft ist bereit!  

Der SBV im Dialog mit der Bevölkerung  
Mit Baue deine Schweiz der Zukunft lädt der Schweizerische Baumeisterverband die Bevölkerung dazu ein, ihre persönlichen Wünsche an die Bauwirtschaft mitzuteilen. Anlässlich der Schweizer Tournee machte der Tour d’horizon im Rahmen der gleichnamigen Kampagne im Januar erstmals an der Swissbau in Basel Halt und befragte dort die Bevölkerung. Lesen Sie im Beitrag auf dieser Seite, wie sich die Basler die Schweiz der Zukunft wünschen und was dies für die Bauwirtschaft bedeutet.  
Machen auch Sie mit und verraten Sie uns, wie Sie sich die Schweiz der Zukunft vorstellen.   
Es lohnt sich: Unter allen Teilnehmenden werden 5 brandneue iPhones 11 Pro verlost.  
Mitmachen unter: www.tour-d-horizon.ch  
Oder besuchen Sie denTour d’horizon im Verkehrshaus Luzern. Während des Sommers können Sie dort bei der Studie mitmachen, Informationen zu Bauberufen sammeln, mit ihren Kindern im Turm spielen und im obersten Stock bei einer Erfrischung den Rundblick übers Verkehrshausgelände geniessen.  

Über den Autor

pic

Schweizerischer Baumeisterverband

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