«BIM bedeutet eine Transformation»

Die digitale Bauweise ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Alle Akteure müssen dafür bereit sein.

Die digitale Bauweise ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Alle Akteure müssen dafür bereit sein. Das ist die Erkenntnis aus den Vorträgen des dritten VDCsuisse Leadership Forums der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, das am 4. Dezember 2025 am Flughafen Zürich unter der Leitung von Peter Scherer, Leiter MAS Digitales Bauen, stattfand. Drei Referenten beleuchteten das Thema  mehrheitlich aus Bauherrensicht, wobei auch thematisiert wurde, was dies für ausführende Unternehmen bedeutet.

Wie verändert die Digitalisierung die Baubranche? Darüber sprach Roman Wildenauer, Head of Digital Real Estate Flughafen Zürich AG. Er sieht BIM nicht als Hype, sondern als ein Instrument, das innerhalb eines Unternehmens und unter den verschiedenen Akteuren beim Bauen für bessere Prozesse sorgt. Allerdings, meinte er, nütze die schönste Strategie ohne ein solides Fundament nichts. Bei der Flughafen Zürich AG verfolgten die Verantwortlichen bisher das Datenmanagemtent nicht systematisch. Gearbeitet wurde in verschiedenen nicht kompatiblen Systemen. Das soll sich nun ändern. «BIM steht nicht nur für den Umgang mit Daten, sondern auch für eine gelebte Kultur», rief Wildenauer in Erinnerung. Um mit BIM erfolgreich zu sein, solle man nicht sofort alles wollen, sondern sich zuerst auf kleinere Pilotprojekte konzentrieren. Dabei solle man die Use Cases bewusst wählen. «Wir haben den Fehler begangen, mit zu vielen gestartet zu haben. Es ist besser, sich auf wenige zu beschränken, doch diese gut und nachhaltig zu realisieren und zu analysieren. BIM ist nicht einfach eine Methode, BIM bedeutet eine Transformation.» Die Flughafen Zürich AG wolle als Bauherrin klare Verantwortlichkeiten schaffen und einfache, aber gelebte Prozesse, auch für ausführende Unternehmen. Wichtig sei der Erfahrungsaustausch unter den Akteuren, betonte Wildenauer. Sein Fazit: BIM sei kein Sprint, sondern ein Marathon.

Verplante Projektleiter

BIM bedeute für jeden etwas anderes, diese Erkenntnis erläuterte Christine Simon beim Thema BIM@FZAG. Die Flughafen Zürich AG hat zwar 2022 eine BIM@FZAG-Strategie erarbeitet, allerdings ist diese zu wenig unternehmensintern bekannt. Die FZAG führt deshalb Workshops zum Thema und will eine Roadmap einführen, die allerdings immer wieder angepasst werden muss. Weitere Probleme ortet Simon im Umstand, dass sehr viele Systeme heute in Anwendung sind, dass Informationen, die während der Bauausführung nachgeführt werden müssten, um Folgearbeiten anzustossen, zu spät oder gar nicht geliefert werden, dass zum Projektabschluss diverse Informationen vom GU oder TU noch nicht final zur Verfügung stehen, der Projektleiter aber bereits für das nächste Projekt verplant ist. So kann er die finale Bauwerksdokumentation nicht oder nicht genügend prüfen. Simon hat festgestellt, dass die Akteure zwar das Datenmanagement als zentral erachten, die Datenqualität und die Datenübergabe aber als durchschnittlich wahrnehmen. Hürden bei BIM sei das Mindset, sei der fehlende Standard, die vielen Systeme, die zu vielen Schnittstellen führen würden und eine unzureichende Hardware. Vielfach würde bei der Planung nur an den Bau gedacht und nicht auch schon an den Betrieb, was falsch sei. Nächstes Jahr wird die Flughafen Zürich AG die Strategie BIM@FZAG sowie die Bestellgrundlage überarbeiten und ein Lebenszyklusmodell definieren.

Neues Terminal

Die Flughafen Zürich AG arbeitet intensiv an der BIM-Kultur, weil ein grosses, komplexes Bauprojekt ansteht. Vor das bestehende Terminal mit Tower soll ein neues Terminal mit Tower hingestellt werden. Dies weil ein Neubau notwendig ist, das Terminal aber in Betrieb bleiben muss. «Ohne ein sauberes BIM@FZAG schaffen wir das nicht», ist Simon überzeugt. Wildenauer betont, in Sachen BIM stehe die Flughafen Zürich AG in einem regen Austausch mit dem Flughafen Wien.

Julie Picarel, Senior Project Leader Airport Planning, verfügt über eine langjährige Berufserfahrung mit BIM. Sie veranschaulichte die Komplexität des Projektes mit einem Beispiel: Der Polier muss die Flugbewegungen kennen und wissen, bis zu welcher Grenze gearbeitet werden darf, um die Sicherheit des Baustellen-Teams gewährleisten zu können. Ihre Erkenntnis: Am besten arbeitet der Planende, indem er sich überlegt, was er dem Bauherr und was dem Unternehmer liefern muss und was zu einer Effizienzsteigerung führen würde. Erst dann solle er modellieren. «Das ist nicht gemäss SIA», bemerkte sie. Weniger Daten seien häufig mehr, weil viele Modelle gar nicht benötigt würden. Das gelte gerade für das ausführende Unternehmen. Aber: Die Verantwortlichen müssten klar definieren, was sie benötigten. Vielen sei das nicht klar. Und BIM würde den Stress der rollenden Planung nicht ausmerzen, wenn viele Änderungswünsche erst im letzten Moment kämen. «Dann ist es so wie bei einer konventionellen Planung», so Picarel. Sie betonte weiter, Modelle würden keine Kommunikation ersetzen und es sei wichtig, nach dem Prinzip «Keep it simple» zu verfahren. Im Mittelpunkt würden die Menschen stehen. Man könne nicht einfach «Einmal BIM, bitte» bestellen, sondern müsse klar wissen, was man wolle, sonst würde man zu viele auch nicht benötigte Modelle erhalten. Ihre Erkenntnis: Obwohl Bauherrin, Planer und ausführendes Unternehmen sich gewiss waren, genug BIM-Erfahrung für das Projekt mitzubringen, war das nicht der Fall. «Alle waren nicht ready», meinte Picarel. Auch sie schlussfolgerte: «Der Wandel hin zu einer vollständig integrierten digitalen Bauweise ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der Jahrzehnte dauert.» Aber, so betonte sie, der sich allen Anstrengungen zum Trotz lohne, weil er die erfolgreiche Realisation sehr komplexer Projekte ermögliche.

Aus der Sicht von ausführenden Bauunternehmen

  • Die Aussage, dass auch ausführende Unternehmen genau bestellen müssen, was sie brauchen, setzt klare BIM-Bestellgrundlagen, realistische Anforderungen und saubere Verantwortlichkeiten voraus. Ohne diese Rahmenbedingungen besteht die Gefahr, dass Verantwortung einseitig bei der Ausführung landet. 
  • Umsetzbarkeit in der Praxis: Die Umsetzungstiefe und -geschwindigkeit hängen stark vom Projektkontext, vom Bauherrn und von den Standards ab. Und nicht primär vom Willen oder Können der Bauunternehmen. 

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