Der Strassenbau braucht Mut, Flexibilität und starke Führung Roman Stalder ist CEO der Stämpfli AG Bauunternehmung und seit kurzem Präsident der Prüfungsleitung der Strassenbau-Polierprüfungen. Im Interview spricht er über seinen persönlichen Werdegang und die Verantwortung in seiner neuen Rolle. Freitag, 9.1.2026 | 06:00 ... Schweizerischer Baumeisterverband Baupraxis Der Strassenbau braucht Mut, Flexibilität und starke Führung Roman Stalder ist CEO der Stämpfli AG Bauunternehmung und seit kurzem Präsident der Prüfungsleitung der Strassenbau-Polierprüfungen. Im Interview spricht er über seinen persönlichen Werdegang, die Verantwortung in seiner neuen Rolle, die Herausforderungen im Fachkräftemarkt und die Bedeutung von Weiterbildung. Zudem erklärt er, warum Poliere/innen heute mehr leisten müssen als je zuvor und weshalb der Beruf für die Zukunft des Bauens entscheidend ist.Wer bist du, was machst du und welche Rolle übernimmst du im Rahmen der Strassenbau-Polierprüfungen?Ich bin gelernter Hochbauzeichner und Maurer und habe eine Weiterbildung als Bauführer im Hochbau gemacht. Durch einen Zufall bin ich in den Tief- und Strassenbau gerutscht, wo ich als Bauführer sehr viel von meinem damaligen Spartenleiter lernen durfte. Bald übernahm ich auch die Verantwortung für Belagsbauarbeiten. Da ich bereits 15 Jahre Erfahrung in diesem Bereich hatte und mir der Verkehrswegbau immer besser gefiel als der Hochbau, entschloss ich mich, die Baumeisterschule in Richtung Verkehrswegbau zu absolvieren. Besonders spannend finde ich die vielen Herausforderungen, die beim Planen noch nicht ersichtlich sind und auf der Baustelle gelöst werden müssen. In meiner Laufbahn konnte ich verschiedene Funktionen übernehmen – als Spartenleiter, Abteilungsleiter im Tiefbau, Spezialtiefbau und Strassenbau – und so meine Erfahrung immer weiter ausbauen, bis ich schliesslich in die Geschäftsleitung einer Baufirma gekommen bin.Bei den Strassenbau-Polierprüfungen startete ich als Experte. Auf Empfehlung des letzten Präsidenten erhielt ich das Angebot, den Posten des Präsidenten zu übernehmen. Ich trage gerne Verantwortung und Weiterbildung ist für mich wichtig, denn dadurch eröffnen sich immer wieder neue Wege. Dies war der Grund, weswegen ich dieses Angebot angenommen habe.Du bist neu Präsident der Prüfungsleitung der Strassenpolierprüfung. Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten bringt diese Rolle für dich mit?In meiner neuen Funktion bin ich an der Mitentwicklung der Prüfungen beteiligt. Ich bin verantwortlich für den korrekten Ablauf an den Prüfungstagen, teile im Vorfeld die Kandidaten und Experten ein und bestimme mit, welche Experten/innen und Kandidaten/innen die Eignungskriterien erfüllen. Ich arbeite die Prüfungen im Voraus durch, prüfe den Bezug zur Realität, kontrolliere die Notengebung und achte darauf, dass alle Kandidaten/innen ihre Aufgaben lösen. Zudem führe ich die Experten/innen, überwache den Ablauf und gebe bei Einsprachen als Vertreter der Experten/innen Auskunft.Was motiviert dich persönlich, dich so stark für die Strassenpolierprüfung zu engagieren?Mich motiviert besonders, am Abschluss der eidgenössischen Polierausbildung mitzuwirken und Rückmeldungen für Verbesserungen geben zu können. Diese Ausbildung ist absolut zentral, denn die Absolvent/innen sind unsere Zukunft auf der Baustelle.Heute müssen eidgenössische Poliere/innen viel mehr Aufgaben übernehmen als früher. Sie entlasten den/ die Bauführer/in in Teilaufgaben, da der administrative Anteil an dessen Aufgaben stark gewachsen ist und die Bauführung einen mit einer Vielzahl an Aufgaben beschäftigt ist. Deshalb ist es wichtig, dass diese Kaderleute ihre Verantwortlichkeiten kennen und beherrschen, denn sie führen die Baustelle vor Ort wie ein kleines KMU. Es müssen Mitarbeitende motiviert und geführt und gleichzeitig die Kosten im Griff behalten werden. Das gesamte Paket wird in der Ausbildung vermittelt. Damit wir in Zukunft auf gute Berufsleute zurückgreifen können, braucht es eine angemessene Prüfung. Meine Motivation ist es, unsere Zukunft zu gestalten, junge Leute auszubilden, ihnen den Arbeitsalltag zu erleichtern und sie zu unterstützen. Wir brauchen gute Poliere/innen, um das ganze System zu entlasten.Du kommst von der Unternehmensseite: Wie beurteilst du die aktuelle Fachkräftesituation im Verkehrswegbau?Das viel zitierte «Unwort» Fachkräftemangel habe ich schon so oft gehört. Für mich ist es nur noch ein Schlagwort, welches verwendet wird, um zu polarisieren. Natürlich haben wir einen Mangel an Fachkräften, aber nicht nur in der Baubranche – das betrifft viele Berufe, auch handwerkliche. Unsere Gesellschaft ist so ausgerichtet, dass möglichst alle einen akademischen Weg einschlagen sollen, wodurch der Weg über eine Lehre und somit auch das Handwerk nicht mehr geschätzt wird. Oft heisst es, Strassenbauer sei ein Beruf für schulisch schwächere Leute. Das stimmt absolut nicht.Es braucht Leute mit Beobachtungsgabe, Flexibilität und mathematischem Verständnis, denn wir rechnen sehr viel. Sprachliche Fähigkeiten sind in unseren Berufen zwar eher untergeordnet, aber nicht unwichtig. Die Baubranche hat insgesamt sehr viel zu bieten. Wir müssen jungen Leuten wieder zeigen, dass ein handwerklicher Beruf genauso wertvoll ist wie beispielsweise der eines Bankers. Hierzu muss ein Umdenken in der Gesellschaft geschehen. Ich bin der Meinung, wir müssen unseren Nachwuchs selber ausbilden und dann behalten und weiterentwickeln. Zudem muss man heute auch ein bisschen mutig sein – Quereinsteiger/innen ausprobieren, sie ausbilden und fördern.Welche Rolle spielen die Karrieremöglichkeiten und die Weiterbildung im Allgemeinen?In unserer Branche finde ich es sehr wichtig, dass sich jeder weiterbilden kann. In welchem Berufsfeld sonst kann man als Schulabgänger vom Strassenbauer/in EFZ über den/die Vorarbeiter/in und Polier/in bis hin zum Bauführer/in und schliesslich zum Baumeister/in aufsteigen? Mit Wille und Geduld kann man in der Baubranche sehr viel erreichen.Was ist aus Sicht der Unternehmen besonders wichtig bei der Ausbildung und Prüfung von Strassenpolieren/innen?Für mich sind dabei insbesondere der Praxisbezug, die Mitarbeitendenführung, die Kommunikation mit Bauherren und ein gutes wirtschaftliches Denken entscheidend. Wichtig wäre zudem, die Eintrittsschwelle zum/r Polier/in zu erhöhen, sodass man mindestens ein Jahr Erfahrung als Vorarbeiter/in sammelt, bevor man zur Prüfung zugelassen wird.Welches sind die zentralen Kompetenzen («Must-haves»), die ein/e Strassenpolier/in unbedingt mitbringen sollte?Ein/e Strassenbaupolier/in muss wirtschaftlich denken können – also Kosten und Erträge im Blick haben. Dazu gehören Kenntnisse im Offertwesen, im Ausmass, in der Regie, im Nachtragsmanagement sowie die Fähigkeit, lösungsorientiert zu handeln. Kommunikation mit Bauherren, Mitarbeitenden und Bauleitern/innen ist ebenfalls zentral.Was hat sich geändert, seit du deine Weiterbildung abgeschlossen hast? Seit meiner eigenen Weiterbildung hat sich einiges verändert. Heute läuft alles schneller, Flexibilität ist wichtiger denn je und der/die Polier/in muss deutlich mehr leisten als früher. Er/sie ist die rechte Hand des Bauführers/in, da die Zeit immer knapper wird. Kommunikation und Mitarbeiterführung sind zu Schlüsselfaktoren geworden. Gleichzeitig hat der Zeit und Preisdruck stark zugenommen, während die Qualität der Bauleiter/innen eher abgenommen hat.Welche Entwicklungen im Infrastrukturbau beeinflussen die Anforderungen an die Poliere/innen am meisten? Wie fliesst dies in die Prüfungen ein?Im Infrastrukturbau sind es vor allem die zunehmende Komplexität der Projekte, das zusammenhängende Denken und Planen sowie neue Technologien wie BIM, die die Anforderungen an die Poliere/innen beeinflussen. BIM wird derzeit allerdings noch sehr zurückhaltend behandelt in der Ausbildung. Darauf sollte mehr Wert gelegt werden.Die Ausbildung zum/r Strassenbaupolier/in findet am Campus Sursee statt, die Prüfungen führt dann Infra Suisse im Auftrag des Bundes durch. Wie erlebst du das Zusammenspiel zwischen ausbildender und prüfender Instanz – wo siehst du Chancen, wo mögliche Spannungsfelder?Ich erlebe dieses Zusammenspiel als gut, wertschätzend und lösungsorientiert. Wir sitzen alle im gleichen Boot und wollen in Zukunft gute Führungskräfte auf der Baustelle haben. Eine gemeinsame Ausbildungsstätte für Bauberufe ganz zentral, wo alle Informationen Zusammenfliessen und alle voneinander profitieren können ist sehr wertvoll. Negativ finde ich, dass die Infra Suisse immer weniger Platz erhält und die Preise am Campus – auch für Wasser und Kaffee – im oberen Segment liegen.Wo siehst du die grössten Herausforderungen für die Weiterbildung in den nächsten Jahren?Die grössten Herausforderungen für die Weiterbildung sehe ich in der Entwicklung neuer Prüfungen, die an die Veränderungen in unserer Branche angepasst sind, sowie in der Qualität der Auszubildenden.Welche Punkte möchtest du in deiner neuen Funktion anpacken oder optimieren – und was läuft deiner Meinung nach bereits heute sehr gut?Ein Ziel von mir ist es, die Eintrittsschwelle zur eidgenössischen Polierprüfung zu erhöhen. Ich halte es für wichtig, dass Kandidaten mindestens ein, zwei Jahre als Vorarbeiter/in gearbeitet haben, bevor sie zur Prüfung antreten. Das bringt Erfahrung und Sicherheit. Sehr gut läuft heute bereits die Organisation der Polierprüfung und die Zusammenarbeit mit Infra Suisse.Gibt es ein Erlebnis oder eine Erfahrung aus deiner eigenen Laufbahn, die dich besonders geprägt hat?Besonders geprägt hat mich mein eigener Ausbildungsweg – vom Realschüler bis zum Baumeister. Mit Wille, Unterstützung und den richtigen Möglichkeiten konnte ich in der Baubranche so weit kommen. Was mir allerdings noch fehlt, ist die Anerkennung des/der Baumeisters/in als Master Ausbildung. Das wäre ein Ziel, das man verfolgen sollte, um unsere Berufsgruppe wieder attraktiver für junge Leute zu machen. Der/die Bauführer/in könnte dann als Bachelor und der/die Baumeister/in als Master positioniert werden.Was möchtest du den zukünftigen Strassenpolieren/innen mit auf den Weg geben?Seid mutig, macht Fehler – aber nie zweimal den gleichen. Seid offen für Neues, bleibt ehrlich, und vergesst niemals: IHR SEID WICHTIG! Dieser Beitrag erschien erstmals im Bulletin Nr.68 10/25 von Infra Suisse. Über den Autor Schweizerischer Baumeisterverband kommunikation@baumeister.ch Artikel teilen
Mittwoch, 14.1.2026 Bauberufe | Bildung | Formation professionnelle supérieure | News Umfrage zu einem neuen Berufsabschluss auf Stufe der Höheren Berufsbildung im Bauhauptgewerbe Bis 20. Februar läuft die Branchenvernehmlassung zum neuen Berufsabschluss. Eingeladen sind alle Mitgliedfirmen. Die Teilnahme an der Umfrage ermöglicht...
Dienstag, 6.1.2026 News | Politik & Medien | Umwelt & Nachhaltigkeit Kreislaufwirtschaft in Kantonsverfassung verankert Am 28. September 2025 hat das Waadtländer Volk die Initiative «Sauvons le Mormont» mit fast 55 Prozent abgelehnt und den direkten Gegenvorschlag mit...
Dienstag, 23.12.2025 Beschaffungsrecht | Environnement et développement durable | Environnement et développement durable | News | Umwelt & Nachhaltigkeit Öffentliche Bauaufträgen immer nachhaltiger Nachhaltigkeit rückt zunehmend ins Zentrum öffentlicher Bauvergaben. Das zeigt jüngste Ausgabe des Vergabemonitor der Schweizer Bauwirtschaft. Doch...