Der Umgang mit Naturgefahren im Kanton Graubünden

Extreme Unwetter wie 2024 im Misox zeigen: Ein umfassender Schutz vor Naturgefahren ist in den Bergen unmöglich. Graubünden setzt seit vielen Jahren auf ein integrales Risikomanagement, welches seit 2021 auch gesetzlich verankert ist.

Extreme Unwetter wie 2024 im Misox zeigen: Ein umfassender Schutz vor Naturgefahren ist in den Bergen unmöglich. Graubünden setzt seit vielen Jahren auf ein integrales Risikomanagement, welches seit 2021 auch gesetzlich verankert ist.

Im Juni 2024 führten heftige Starkniederschläge im Misox zu verheerenden Murgängen, grossen Schäden und tragischen Todesfällen. Nur eine Woche später trafen ähnliche Unwetter auch das Tessin und das Wallis. Solche Ereignisse verdeutlichen, dass technische Schutzbauten nicht ausreichen, um uns vor den Folgen extremer Naturereignisse zu schützen.

Der Kanton Graubünden setzt deshalb seit vielen Jahren auf ein integrales Risikomanagement, das verschiedene Akteure verbindet, Schutzmassnahmen kombiniert und seit 2021 mit der Verordnung zum integralen Management bei Naturgefahren auch gesetzlich verankert ist. Raumplanung, Schutzbauten und organisatorische Vorkehrungen greifen dabei ineinander: Gefährdete Gebiete werden durch Gefahrenzonen definiert und soweit möglich von Neubauten freigehalten, während bestehende Gebäude und Infrastrukturen durch gezielte bauliche Massnahmen geschützt werden. Gleichzeitig sorgt ein umfassendes Schutzbautenmanagement dafür, dass die rund 2’000 Verbauungsgebiete mit 40’000 einzelnen Schutzbauwerken im Kanton regelmässig überprüft, instandgehalten und an die rasch ändernden Klimabedingungen angepasst werden können.

Ebenso wichtig sind jedoch gut vorbereitete Abläufe im Ereignisfall. Speziell ausgebildete lokale Naturgefahrenberaterinnen und -berater unterstützen die Gemeinden bei der Beurteilung von Gefahrenlagen und der Umsetzung von Massnahmen. So besteht ein System, das vorbeugende und reaktive Schritte kombiniert und flexibel auf neue Herausforderungen reagieren kann.

Trotz all dieser Anstrengungen bleibt ein Restrisiko bestehen. Gerade deshalb sind die Sensibilisierung der Bevölkerung und ein offener Risikodialog zentrale Bestandteile des integralen Risikomanagements. Nur wenn sich alle Beteiligten der Gefahren bewusst sind und Verantwortung übernehmen, lässt sich in Zeiten des Klimawandels ein akzeptables Sicherheitsniveau für Menschen, Infrastruktur und Umwelt gewährleisten.

 

Autor: Andreas Huwiler, Bereichsleiter Naturgefahren und Schutzbauten, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin der Bündner Baumeister, Nr. 1 /  2025. Lesen Sie hier den Artikel in voller Länge.

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