«Die Branche steht am Anfang eines Wandels» Andreas Zindel leitet als Vertreter der achten Generation das Bündner Bauunternehmen Zindel United. Im Interview führt er aus, weshalb die Kreislaufwirtschaft für ihn wichtig ist. Mittwoch, 10.12.2025 | 06:00 ... Schweizerischer Baumeisterverband Baumeister 5.0 Umwelt & Nachhaltigkeit «Die Branche steht am Anfang eines Wandels» Bei Zindel United ist die Nachhaltigkeit strategisch verankert. Weshalb?Wir sind ein Familienunternehmen in der achten Generation. Ein langfristiges Denken und Handeln ist bei uns tief verankert. Uns geht es darum, Zindel United so weiterzugeben, dass die nächste Generation Freude daran hat, Verantwortung zu übernehmen. Nachhaltigkeit ist für uns deshalb kein Trend und nicht nur Kommunikation, sondern Ausdruck dieses Verständnisses. Wir bauen Infrastruktur und Gebäude, die Jahrzehnte bestehen. Dabei übernehmen wir Verantwortung für Ressourcen, Klimawirkung und die Regionen, in denen wir tätig sind.Wie hat Zindel United seine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt?Wir haben zuerst über uns selbst nachgedacht: Wo entsteht unser Fussabdruck und wie können wir ihn verringern, ohne Kompromisse bei Qualität und Leistungsfähigkeit einzugehen. Daraus entstand ein strategischer Rahmen, der sich auf Materialien, Energie und Mobilität, Bauprozesse und Innovation konzentriert. Wir haben keine einmalige Nachhaltigkeitskampagne gestartet, sondern Schritt für Schritt konkrete Massnahmen in unser Kerngeschäft integriert.Häufig hört man: Nachhaltigkeit kostet und rechnet sich nicht. Stimmt das?Nachhaltigkeit braucht in der Anfangsphase Investitionen. Langfristig stärkt sie die Wettbewerbsfähigkeit. Wer Ressourcen effizient einsetzt, Energieabhängigkeiten reduziert und CO₂-Kosten minimiert, hat wirtschaftliche Vorteile. Nachhaltigkeit wird nur dann teuer, wenn sie ausserhalb des Geschäftsmodells steht. Wenn sie Teil der Unternehmensstrategie ist, führt sie zu Innovation, besserer Positionierung und höherer Zukunftsfähigkeit.Um die Zukunft gestalten zu können, hat Zindel United einen eigenen Think Tank ins Leben gerufen. Was war die Idee dahinter?Innovation passiert nicht zwischen Tür und Angel. Wir wollten einen Raum schaffen, in dem neue Materialien, Verfahren und Geschäftsmodelle unabhängig vom Tagesgeschäft entwickelt und erprobt werden können. Unser Think Tank verbindet Forschung, industrielle Skalierung und Unternehmertum. Wichtig ist nicht nur eine Idee zu haben, sondern sie bis zur Marktreife zu bringen.Ihr Unternehmen entwickelte den CO2-neutralen Beton Klark. Dass Beton CO2-neutral ist, ist ziemlich spektakulär Wie ist Zindel United die Erfindung gelungen?Wir beschäftigen uns schon seit längerer Zeit mit der Herstellung von Pflanzenkohle und ihren Eigenschaften. Wir haben früh erkannt, dass Pflanzenkohle nicht nur ein Produkt aus der Holzverwertung ist, sondern ein Material mit grossem Potenzial. Über mehrere Jahre haben wir ihre Anwendung in verschiedenen Bereichen getestet und weiterentwickelt. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, das Potenzial der Pflanzenkohle mit dem Betonbau zu verbinden. Entscheidend war, dass die Lösung in der Praxis funktionieren muss, ohne die bekannten Eigenschaften von Beton einzuschränken. KLARK ist das Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit: ein Beton, der technisch gleichwertig bleibt und gleichzeitig CO2 dauerhaft speichern kann..Wie schafft es Klark, den CO2-Fussabdruck von Gebäuden zu reduzieren?Bei KLARK verändern wir die Betonrezeptur nicht grundlegend. Wir fügen dem Beton gezielt Pflanzenkohle hinzu. Diese Pflanzenkohle stammt aus regionalem Holz und bindet CO₂ langfristig. Durch die Einbettung in die Betonmatrix bleibt dieses CO₂ dauerhaft stabil gespeichert. Wir nutzen damit das grosse Betonvolumen als sicheren Speicher für CO₂. Pro Kubikmeter Beton können wir mit der zugefügten Pflanzenkohle ungefähr 200 – 300 Kilogramm CO₂ über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes binden. Dadurch senkt KLARK den CO₂-Fussabdruck eines Gebäudes unmittelbar beim Bau – ohne Einschränkungen in der Anwendung, Festigkeit oder Verarbeitung.Ist er rezyklierbar?Ja. KLARK lässt sich wie herkömmlicher Beton wiederverwenden. Die gebundene Pflanzenkohle bleibt dabei im Material gebunden. So bleibt der Speichereffekt über den gesamten Lebenszyklus erhalten. Kreislauffähigkeit war für uns eine Grundvoraussetzung.Wie ist dessen Akzeptanz bei Planern und Bauherren?Die Akzeptanz wächst deutlich. Viele Bauherren müssen heute Nachhaltigkeitsnachweise und ESG-Kriterien erfüllen. Planer schätzen, dass sich KLARK ohne Systemwechsel und ohne Einschränkungen in der Gestaltung einsetzen lässt. Der entscheidende Moment ist die frühe Einbindung in die Projektentwicklung. Dann können wir gemeinsam einen Mehrwert schaffen.Ihr Unternehmen hat anderen Bauunternehmen die Chance gegeben, als Lizenzpartner an der Erfolgsgschichte des CO2-neutralen Betons mitzuschreiben. Was war die Überlegung dahinter?KLARK soll überall in der Schweiz verbaut werden können. Das gelingt nur mit Partnern, die mit uns am gleichen Strang ziehen. Darum haben wir sie früh und bewusst auf Augenhöhe eingebunden. Nicht als Lizenznehmer, sondern als Mitentwickler der Idee.Ihr Unternehmen macht sehr viel für die Nachhaltigkeit. Wird das von der Öffentlichkeit genug wahrgenommen?Noch nicht in dem Ausmass, das möglich wäre. Vieles, was wir im Bau verändern, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Die Wirkung ist jedoch gross. Wir wollen noch stärker zeigen, dass das Bauhauptgewerbe aktiv an Lösungen arbeitet und Verantwortung übernimmt. Die Branche darf selbstbewusster auftreten.In der Regel gelten Holzbauunternehmen als umweltfreundlich. Hat in Ihren Augen das Bauhauptgewerbe ein Imageproblem?Zum Teil ja. Holz wird als natürlich wahrgenommen, Beton eher als schwer und wenig nachhaltig. In Wirklichkeit brauchen wir beide Baustoffe, heute und in Zukunft. Jeder hat seine Stärken und in der Kombination entstehen oft besonders nachhaltige Lösungen. Das Bauhauptgewerbe arbeitet hier bereits sehr verantwortungsvoll, doch das wird nicht immer so gesehen.Gibt es da einen Handlungsbedarf?Ja. Wir müssen zeigen, was wir leisten. Das betrifft sowohl die Nachhaltigkeit in Materialien und Bauprozessen als auch die Rolle der Unternehmen als Arbeitgeber, Ausbildner und Teil des regionalen Lebens. Die Branche hat Fortschritte gemacht, aber sie kommuniziert diese zu zurückhaltend. Eine stärkere positive Sichtbarkeit ist wichtig, um Vertrauen aufzubauen und junge Menschen für unsere Berufe zu gewinnen.Emissionsarme Baumaschinen, neue Baustoffe und neue Bautechnologien wie der 3D-Druck – Ihr Unternehmen hat beim Bau von Tor Alva, des gedruckten weissen Turmes von Mulegns, mitgewirkt: Um wie viel umweltfreundlicher kann das Bauhauptgewerbe noch werden?Sehr viel. Emissionsarme Maschinen entwickeln sich weiter. Digitale Planung führt zu präziserem und materialeffizientem Bauen. Innovative Materialien wie KLARK verändern die Grundlagen des Bauens. Und Projekte wie Tor Alva zeigen, dass neue Fertigungstechnologien Materialeinsatz deutlich reduzieren können. Die Branche steht erst am Anfang dieses Wandels.Wagen Sie einen Blick in die Kristallkugel: Wie wird in zehn Jahren gebaut werden?Gebäude werden ressourcenschonender, leichter und stärker rückbaubar geplant. Holz und Beton werden selbstverständlich kombiniert. Materialien werden so eingesetzt, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus wiederverwendbar bleiben. Planung, Bau und Betrieb fliessen digital ineinander. Und CO₂-speichernde Baustoffe wie KLARK werden zur Norm gehören. Über den Autor Susanna Vanek susanna.vanek@baumeister.ch Artikel teilen
Mittwoch, 14.1.2026 Bauberufe | Bildung | Formation professionnelle supérieure | News Umfrage zu einem neuen Berufsabschluss auf Stufe der Höheren Berufsbildung im Bauhauptgewerbe Bis 20. Februar läuft die Branchenvernehmlassung zum neuen Berufsabschluss. Eingeladen sind alle Mitgliedfirmen. Die Teilnahme an der Umfrage ermöglicht...
Freitag, 9.1.2026 Baupraxis | News Der Strassenbau braucht Mut, Flexibilität und starke Führung Roman Stalder ist CEO der Stämpfli AG Bauunternehmung und seit kurzem Präsident der Prüfungsleitung der Strassenbau-Polierprüfungen. Im Interview spricht...
Dienstag, 6.1.2026 News | Politik & Medien | Umwelt & Nachhaltigkeit Kreislaufwirtschaft in Kantonsverfassung verankert Am 28. September 2025 hat das Waadtländer Volk die Initiative «Sauvons le Mormont» mit fast 55 Prozent abgelehnt und den direkten Gegenvorschlag mit...