Die Maurerin, die hoch hinaus möchte

Jasmin Meier hat den Sprung über den Geschlechtergraben geschafft. Bei der Karl Gisi AG absolvierte sie erfolgreich eine Maurerlehre. Ihre Zukunft sieht sie weiterhin auf dem Bau, denn da gefällt es ihr. Darum hat sie als nächsten Schritt eine Weiterbildung zur Kranführerin absolviert.

 

Es ist eisig kalt, als die Berichterstatterin Jasmin Meier auf der Baustelle in Hägglingen besucht. Der abgemachte Termin war gleich nach der Kaffeepause. Obwohl die noch nicht ganz um ist, steht die junge Frau gutgelaunt wieder draussen, weil zwei Kollegen ihre Unterstützung benötigen. Damit beweist sie, was sie später feststellen wird: Sie sei eine, die anpackt. Und die gerne draussen sei, auch bei Kälte. Temperaturen im Minusbereich seien für sie kein Problem.

«Maurerin? Das passt zu dir», habe ihr der Lehrer gesagt, als sie ihm von der neuen Lehre erzählte. «Ich bin ein Papi-Chind, daher habe ich viele Jahre meinem Vater jeweils am Mittwochnachmittag oder in den Ferien auf der Baustelle geholfen», berichtet sie. «Das hat mir immer super gefallen.» Trotzdem hat sie in den verschiedensten Berufen geschnuppert, etwa als Kleinkinderzieherin oder als Coiffeuse, bevor sie sich definitiv für den Bau entschied. Ihr Umfeld habe das sehr gut aufgenommen, die Familie sei stolz gewesen. Ihr Vater empfahl ihr, die Lehre bei der Karl Gisi zu absolvieren, weil dieser Betrieb eine sehr gute Lehrlingsausbildung habe «Ein sehr guter Rat», weiss Meier, «mein Lehrbetrieb hat mich auch in schwierigen Situationen optimal unterstützt.»

Etwa zu Beginn ihrer Lehre, als sie mit Pfeifferschem Drüsenfieber und den Folgen eines Hitzschlages zu kämpfen hatte. Einen Monat konnte sie überhaupt nicht arbeiten, einen zweiten nur morgens, bevor es richtig warm wurde. «Ich stiess auf grosses Verständnis und einen ausgezeichneten Rückhalt», berichtet sie. Noch wichtiger war die Unterstützung, als Meier den grössten Schicksalsschlag ihres noch jungen Lebens verkraften musste. Ihr Vater verstarb erst 49-jährig völlig überraschend an einem Herzschlag. Das war ein riesiger und sehr schmerzhafter Schock für die junge Frau, die sich damals noch in der Lehre befand. «Nicht nur mein Chef Timo Gisi stand damals hinter mir, sondern das ganze Team. Ich erfuhr einen riesigen Rückhalt, eine grosse Solidarität», erzählt sie, «das hat mir sehr geholfen.»

 

Wichtige Funktion

Die Tätigkeit auf der Baustelle ist für Meier weiterhin ein Traumberuf. Sie mag es, zu sehen, was sie erstellt hat. Allerdings, das räumt sie ein, wisse sie, dass sie den körperlichen Anstrengungen wohl nicht ein Berufsleben lang gewachsen sein wird. Darum hat sie eine Weiterbildung als Kranführerin absolviert. Ihre Augen blitzen vergnügt, als sie davon berichtet. Als Kranführerin sei sie die wichtigste Person auf der Baustelle, erläutert sie. Der Polier sei nicht immer da, sie schon, zudem habe sie den Überblick. Die Verantwortung dafür, dass keine Unfälle passieren, trägt sie gerne. «Ich lasse mich auch bei einem grossen Arbeitsanfall nicht stressen. Denn sonst kann schnell etwas passieren», weiss sie. Ihr Chef Timo Gisi lobt, sie sei eine sehr gute Kranführerin. «Frauen können das allerdings eh besser als wir Männer», meint er. Meier arbeitet als Kranführerin sowohl von unten als auch von oben. Höhenangst, meint sie, habe sie keine.

 

Sie gibt zurück

Ihre Klasse während der Lehre, meint Meier, habe davon profitiert, dass da auch ein Mädchen in den Schulbänken sass. «Das haben die Lehrer immer bestätigt.» Sie sei mit Brüdern aufgewachsen, daher war es für sie kein Problem, in einer Männerdomäne tätig zu sein. «Eine Maurerlehre ist mega spannend, abwechslungsreich und bietet Frauen Chancen. Sie ist aber dennoch wohl nicht für alle Frauen geeignet», meint sie. Man müsse schon robust sein, arbeiten können. Und man müsse bereit sein, Sprüche einzustecken. «Meine Taktik ist, dass ich im Falle eines Falles auch austeile», gesteht sie schmunzelnd. Sie empfiehlt Mädchen, die sich für eine Lehre als Maurerin interessieren, eine Woche lang zu schnuppern. So könne man besser einordnen, ob der Beruf zu einem passe oder nicht.

In ihrer Freizeit ist Meier ebenfalls sehr aktiv, ob in der Natur, etwa beim Snowboarden oder Wandern, bei der  oder in einer Guggenmusik. Sie trifft auch gerne Freundinnen und Freunde. «Ich mag Menschen. Das ist etwas, das mir auf dem Bau auch gefällt. Man arbeitet im Team. Teamarbeit draussen – das ist ganz nach meinem Geschmack.»

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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