Einladender und näher am Leben: Eine Stadt wird neu gedacht

Im seit jeher kompakten Vevey überdenkt man heute die Strassenstrukturen. Das Ziel: komfortablerer Lebensraum für die Bevölkerung. Ausserdem soll der Zugang zu lokalen Dienstleistungen und damit die Lebensqualität verbessert werden.

Im seit jeher kompakten Vevey überdenkt man heute die Strassenstrukturen. Das Ziel: komfortablerer Lebensraum für die Bevölkerung. Ausserdem soll der Zugang zu lokalen Dienstleistungen und damit die Lebensqualität verbessert werden. Überblick über ein Gesamtprojekt, das bis 2040 umgesetzt werden soll.

 

«Wissen Sie, die Stadt ist so konzipiert, dass man vom Zentrum aus in 10 Minuten zu Fuss oder in 15 Minuten mit dem Velo überall hinkommt», erläutert Alessia Daouk, als wir sie in ihrem Büro treffen. Die Urbanistin und Leiterin des Projekts in Vevey ist beim Service de l’urbanisme et de la mobilité tätig. «Das geht, weil Vevey so kompakt ist.»

Mehr Quartier-Flair

Anstatt die Stadt der Bevölkerung künstlich näher zu bringen, setzen die Gemeinde und der Service de l’urbanisme et de la mobilité auf eine globale Herangehensweise im kommunalen Richtplan, aus der verschiedene raumplanerische Ziele, Grundsätze und Massnahmen hervorgehen. Der 2024 verabschiedete Richtplan sieht die Neugestaltung der Strassen vor mit dem Ziel, sie für die Bevölkerung attraktiver zu machen. Ausserdem zielt das Projekt auf einen vielfältigeren Dienstleistungsmix ab und durch bessere Wege sowie hochwertige öffentliche Räume soll das Zusammenleben zusätzlich Aufschwung erhalten. Weniger Belästigungen sind ebenfalls Ziel dieses Quartier-Ambientes. Aus diesem Grund werden alle betroffenen Fahrstrecken in eine Rangordnung eingeteilt, um die beste Verteilung der Verkehrsmittel zu ermitteln. Die Veränderung der Stadt ist Teil einer langfristigen Strategie, die bis 2040 umgesetzt werden soll. Sie ähnelt Konzepten wie etwa der «Stadt der Viertelstunde» des französisch-kolumbianischen Urbanisten Carlos Moreno oder der «10-Minuten-Nachbarschaft» von Resilientsy, einem Aargauer Büro für Raumentwicklung.

Bahnhofareal mit neuem Konzept

Es ist eine strategisch zentrale Baustelle im Programm «Vevey Demain»: das Bahnhofareal. Die Umgestaltung dieser Schnittstelle zwischen Bahn- und Strassenverkehr, Fussgängern und VelofahrerInnen berücksichtigt künftige Bedürfnisse und ermöglicht ein Ineinandergreifen von Fortbewegung und städtischen Aktivitäten. Sie gehört zu den Kernelementen des Agglomerationsprojektes Rivelac und ist Gegenstand eines Subventionsantrags beim Bund. Aus diesem Grund hat die Stadt 2023 und 2024 Voruntersuchungen durchgeführt, um den Bedarf und die Einschränkungen im Umfeld des Bahnhofs zu ermitteln. Entstanden sind zwei Zukunftsvisionen, die beide optimierte Haltestellen für Stadt- und Regionalbusse sowie einen erleichterten Zugang zu anderen Diensten vorsehen. An diesem Schritt konnte sich die Bevölkerung im Rahmen eines partizipativen Prozesses beteiligen. 2025 und 2026 werden Studienaufträge durchgeführt, um das beste Projekt zu ermitteln. Baustart soll im Jahr 2032 sein.

Neben der stark erleichterten Mobilität rund um den Bahnhof hat die Neugestaltung ein weiteres, nicht weniger wichtiges Ziel: den Drogenhandel auf der Strasse zu bekämpfen. Mit hochwertigen öffentlichen Räumen hofft die Stadt auf eine Stärkung des sozialen Zusammenhalts – auch in benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Dank einer verbesserten Beleuchtung und neuer Geländegestaltung wird die Sichtbarkeit und damit auch die Sicherheit verbessert, denn hell erleuchtete Areale sind sowohl für Dealer als auch für deren Kundschaft weniger attraktiv.

Vevey wird sich in den nächsten zehn Jahren geradezu verwandeln – nördlich der Gleise rundet eine multimodale Tiefgarage die Neugestaltung der Bahnhoffläche ab und verbindet die nördliche und südliche Stadt. Zudem wird ein Langsamverkehr-Lift installiert, um die Zugänglichkeit von hinten zu verbessern, indem der Höhenunterschied verringert wird.

Eine massvolle, progressive Verdichtung nach innen

Schon heute ist Vevey die am dichtesten besiedelte Gemeinde des Kantons Waadt. Bis 2040 sollen im nordöstlichen Stadtteil – ebenfalls in Bahnhofsnähe – noch einmal rund 2200 Einwohner und Berufstätige dazukommen. Koordiniert wird das Wachstum durch den kommunalen Richtplan zur Entwicklung der öffentlichen Räume und Infrastrukturen, die für die zusätzliche Bevölkerung nötig sind. Konkreter werden dies die neuen Nutzungspläne zeigen, die derzeit ausgearbeitet werden.

Über den Autor

pic

Artikel teilen