Excel ist nicht Digitalisierung: Wie Cedric den Rösti¬graben zwischen Baustelle und Baufinanzen überbrückt Excel raus, KI rein: Wie OpsFintech das Bauchweh der Bauführer beendet – und Millionenbaustellen neu steuert. Mittwoch, 13.5.2026 | 05:58 ... Schweizerischer Baumeisterverband Baumeister 5.0 Digitalisierung Excel ist nicht Digitalisierung: Wie Cedric den Rösti¬graben zwischen Baustelle und Baufinanzen überbrückt Bern, irgendwann vor ein paar Jahren. Ein junger Bauingenieur steht das erste Mal auf einer Arge-Baustelle, Instandsetzung Autobahn. Sein erster Tag. Ein erfahrener Kollege drückt ihm ein A4-Blatt in die Hand, zwei Spalten, Kosten und Umsatz, dazu einen Bleistift und einen Ordner mit Lieferscheinen. «Schreib mal da 150.» Millionen sollen abgegrenzt werden. Auf einem Bleistiftpapier. Willkommen in der Schweizer Baufinanzwelt.Der junge Bauingenieur hiess Cedric Schot. Heute ist er Gründer von OpsFintech und Gast in Folge 30 von BauTechTalk. Moritz und ich haben ihn nach Zürich geholt, den ersten Gast aus der Westschweiz, und was er mitbringt, ist nichts weniger als eine Kampfansage an die grösste Excel-Tabelle der Schweizer Baubranche. Denn was auf unseren Baustellen als Finanzcontrolling durchgeht, verwaltet in vielen Firmen Millionen. Auf Tabellen. Mit Formeln, die jeder Bauführer für sich selbst gebastelt hat. Jeder mit seinem eigenen System, jeder mit seiner eigenen Logik, jeder mit seinem eigenen blinden Fleck.Cedric hat ETH Lausanne studiert, dann zehn Jahre bei Implenia im Tiefbau gebaut, zuerst als Bauführer in Zürich und Bern, später als Projektleiter auf einer 12-Millionen-Baustelle. Mit 27 Jahren. Allein. Und er erinnert sich präzise an das Gefühl, wenn er die Zahlen ablieferte und der Chef nicht zufrieden war. Bauchweh, nennt er das. Wer schon einmal mit einer selbstgebauten Excel-Tabelle eine Abgrenzung an den Bereichsleiter geschickt hat, kennt dieses Gefühl. Du schreibst etwas, um den Chef froh zu machen. Und am Ende der Baustelle gibt es Überraschungen. Die machen dann weniger Spass. Der Graben, den keiner zuschüttet Cedric beschreibt ein Problem, das in seiner Schlichtheit fast zu schön ist, um wahr zu sein, und deshalb genau deswegen so brisant. Es gibt ERP-Systeme. Viele. Gute sogar. Nur sind die alle für Buchhalter gebaut. Für den Bauführer gibt es faktisch nichts. Der Bauführer ist aber der Mensch, der das Geld auf der Baustelle eintreibt, der zwischen Betonbestellungen und Klopapierbestellungen, Personalkonflikten und Bauprogramm noch das Controlling stemmen soll. Ohne Finanzausbildung. Das Bauingenieurstudium bringt ihm dazu kein einziges Modul bei. Er lernt es beim Tun. Oder eben nicht.Genau hier klafft ein Graben, auf der einen Seite die Baustelle, wo gebaut wird und Zahlen zusammengeklaubt werden. Auf der anderen Seite das Management, das in Finanzen firm ist, aber die Logik einer Abgrenzung auf einer Autobahnbaustelle nie selbst erlebt hat. Dazwischen: Excel. Und ein Bauchweh, das Woche für Woche stärker wird.«Ich kann mir schlecht vorstellen, dass eine Bank unser Bankkonto auf Excel verwalten würde.»Dieser Satz von Cedric sitzt. Er entlarvt nicht nur eine Branchengewohnheit, er stellt sie in einen historischen Kontext. Jede andere Industrie, die mit vergleichbaren Summen hantiert, hat ihre Kernprozesse längst aus der Tabellenkalkulation gelöst. Banken, Versicherungen, Logistik, Detailhandel. Nur das Bauhauptgewerbe, das pro Baustelle oft mehr bewegt als ein KMU im ganzen Jahr umsetzt, hält an einem Werkzeug fest, das für völlig andere Zwecke entwickelt wurde. Makros lassen sich aus Sicherheitsgründen kaum noch aktivieren. Die Kompatibilität über Betriebssysteme hinweg bröckelt. Excel ist ein gutes Werkzeug, aber als Fundament für eine seriöse Digitalisierung im Baubetrieb ist es nicht mehr tragfähig. Das Cockpit für den Bauführer OpsFintech setzt genau dort an. Keine weitere ERP-Lösung, kein Buchhaltungsprogramm, sondern ein Cockpit. Tagesrapport in fünf Minuten, auch per Mikrofon eingesprochen. Lieferscheine fotografiert oder gescannt, die KI zieht die Daten und trägt sie in den Tagesrapport ein. Soweit der Unterbau, den OpsFintech gratis abgibt. Der eigentliche Wert entsteht dahinter. Ressourcen werden mit finanziellen Werten verknüpft, Lohn, Material, Inventar, Fremdleistung. Die Abgrenzung entsteht automatisch. Der Bauführer kontrolliert nur noch, statt stundenlang zu sammeln.Das klingt banal, ist es aber nicht. Wer je in einer grossen Bauunternehmung gearbeitet hat, weiss: Wenn auf fünfzig Baustellen gleichzeitig jeder Bauführer seine Abgrenzung auf seiner eigenen Excel-Tabelle zusammenfrickelt, summieren sich die kleinen Ungenauigkeiten zu einem Betrag, bei dem einem schwindlig wird. Geld, das nicht da ist, wo es sein sollte. Oder Geld, das man längst hätte haben können. Cedric macht keinen Hehl daraus, dass er als Anfänger ohne jede Ausbildung abgrenzen musste. Und dass das System darauf baut, dass junge Bauführer irgendwann schon lernen werden, was Buchhalter ihnen nicht beibringen können, weil Buchhalter selbst oft nicht wissen, wie auf einer Baustelle tatsächlich abgegrenzt wird.Spannend ist Cedrics Go-to-Market-Logik. Er verkauft nicht top-down ans Management, sondern direkt an den Bauführer. Demo anfragen, klicken, loslegen. Kein Genehmigungsmarathon, keine IT-Abnahme vorab. Der Bauführer hat schlicht keine Zeit dafür. Eine Strategie, die ehrlich gesagt, radikal ist in einer Branche, in der sich Softwareentscheide traditionell über Monate in Steuerungsausschüssen kristallisieren. Was als Nächstes kommt Cedric und seine drei Mitgründer, alle selbstfinanziert, haben drei Jahre am Produkt gefeilt. Jedes Detail mit Polieren getestet, die nicht Digital Natives sind. Der Product-Market-Fit ist erreicht, der Fokus liegt nun auf dem Schweizer Tiefbau.Die nächste Ausbaustufe wird richtig spannend. Regiearbeiten sollen automatisch abgerechnet werden können. Wer auf der Baustelle steht, weiss: Die Stunde hier, die Stunde da, die zwischen Bauprogrammdruck und Materialbestellung vergessen geht, ist oft exakt die Marge, die am Ende fehlt. Sechs Prozent mehr Umsatz durch sauber abgerechnete Regie, das ist keine Theorie, das sind Erfahrungswerte. Wenn OpsFintech diesen Prozess automatisiert, wird aus dem Cockpit ein echter Margenhebel. Fazit: Aufhören, den Bauführer alleine zu lassen Die eigentliche Geschichte dieser Folge ist nicht die Software. Die eigentliche Geschichte ist ein historisches Missverhältnis zwischen dem, was wir von unseren Bauführern verlangen, und dem, womit wir sie ausstatten. Wir schicken junge Bauingenieure mit einem Bleistift auf Millionenbaustellen, nennen das Tradition und wundern uns, wenn am Schluss der Baustelle die Zahlen nicht stimmen. Cedric hat diesen Widerspruch erkannt, weil er ihn am eigenen Leib erfahren hat, und baut nun die Brücke, die eigentlich schon vor zwanzig Jahren hätte gebaut werden müssen.Wie genau Cedric vom Bleistift zur KI-gestützten Abgrenzung gekommen ist, warum er den Röstigraben mit einem Cockpit zuschüttet und weshalb er Polieren mehr zutraut als manchem Steuerungsausschuss, erzählt er in Folge 30 von BauTechTalk selbst. Und zwar so, wie man es nur erzählen kann, wenn man zehn Jahre lang selbst das Bauchweh auf der Baustelle hatte. Wer das Cockpit selbst ausprobieren will: opsfintech.com Jetzt reinhören auf Spotify, YouTube oder überall dort, wo es Podcasts gibt. Geil, spannend, heftig ehrlich. Moritz und ich freuen uns, wenn du dabei bist. Über den Autor Mario Sülz mario.suelz@baumeister.ch Artikel teilen
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