Fachkräftemangel gezielt bekämpfen

Mit dem Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» setzt der Schweizerische Baumeisterverband SBV auf eine zeitgemässe Ausbildung, verbesserte Weiterbildung und stärkere Branchentreue, um den wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachleuten zu decken.

Mit dem Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» setzt der Schweizerische Baumeisterverband SBV auf eine zeitgemässe Ausbildung, verbesserte Weiterbildung und stärkere Branchentreue, um den wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachleuten zu decken.

Eine innovative und zeitgemässe Ausbildung ist entscheidend, um die Branche mit qualifizierten Fachkräften zu versorgen. Der Masterplan setzt auf ein flexibles, bedarfsgerechtes und nachhaltig finanziertes Berufsbildungssystem, das einerseits den Berufsleuten attraktive Karriere- und Entwicklungsperspektiven bietet und andererseits als wichtiger Rekrutierungsfaktor fungiert. Der Plan wurde auf Basis der 2017 verabschiedeten Verbandsziele für die Berufsbildung entwickelt. Er orientiert sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts und der Unternehmen.

Handlungsbedarf in der Branche

Die Baubranche muss handeln: Die Anzahl an gut ausgebildeten Fachkräften ist nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken. Die sinkenden Quoten bei den Qualifikationsverfahren und die rückläufige Zahl an Lernenden in der beruflichen Grundbildung verschärfen die Lage. Die demografische Entwicklung führt zudem zu einem grösseren Bedarf an jüngeren Fachkräften. Zusätzlich wird die Situation durch die hohen Drop-Out-Quoten, also die Tatsache, dass viele Auszubildende oder bereits ausgebildete Fachkräfte den Beruf wieder aufgeben, verschärft.

Im Interview gibt Marc-Aurel Hunziker, Leiter Bereich Bildung und Vizedirektor des Schweizerischen Baumeisterverbands, Auskunft, wie der Masterplan den Fachkräftemangel entschärfen soll. Er ist Mitglied der Steuergruppe, welche für die strategische Führung des Masterplans zuständig ist.

Was sind die Hauptziele des Masterplans «SBV-Berufsbildung 2030»?

Die Berufsbildung durchläuft eine Modernisierung. Die Digitalisierung wie auch das nachhaltige Bauen sind aus dem Baualltag nicht mehr wegzudenken. Der Umgang mit neuen Tools und technischen Entwicklungen gewinnt in der neuen Grund- und höheren Berufsbildung an Bedeutung. Mit dem Masterplan «SBV- Berufsbildung 2023» wurde deshalb die gesamte Aus- und Weiterbildung zukunftsfähig gestaltet. Nach einer intensiven Bedarfsabklärung konnten 2024 die Umsetzungen lanciert werden, die im laufenden Jahr voll zum Tragen kommen. Der Masterplan sichert dem Bauhauptgewerbe langfristig ausreichend gut ausgebildete Fachkräfte und bietet attraktive Karriereperspektiven – ein entscheidender Vorteil bei der Rekrutierung und Bindung der Fachkräfte.

Wie wird der Masterplan dazu beitragen, den Rückgang der Lernendenzahlen in der beruflichen Grundbildung zu stoppen?

Im Sommer 2025 starten die ersten Lernenden ihre Ausbildung zum Maurer/in EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) oder EBA (Eidgenössisches Berufsattest). Die zweijährige Lehre wird aufgewertet, was den Einstieg ins Bauhauptgewerbe attraktiver macht. Zudem wird die Durchlässigkeit zwischen der zweijährigen und dreijährigen Lehre optimiert. Unternehmen sind gefordert, ihre Nachwuchskräfte intensiver zu begleiten und konsequent im Betrieb auszubilden. Firmeninternen Berufsbildnern wird empfohlen, pro Auszubildenden fünf Prozent ihrer Arbeitszeit einzuplanen. Das Bauhauptgewerbe bietet den Lernenden zudem hervorragende Weiterentwicklungsmöglichkeiten – sowohl auf im erlernten Beruf als auch auf Kaderstufe. Die Karriereperspektiven sind vielfältig und attraktiv.

Welche Massnahmen sind geplant, um die Weiterbildung und die Karriereperspektiven für Berufsleute im Baugewerbe zu fördern?

Im Januar 2025 schlossen die ersten Baupoliere/innen ihre Ausbildung nach neuem Reglement ab, im Herbst 2025 folgen die Bauvorarbeiter/innen, die Baumeister/innen, 2026 die neuen Bauführer/innen. Die Ausbildungsinhalte sind individueller gestaltet und legen den Fokus auf Sozial-, Selbst- und Führungskompetenzen. Praxisnahe Prüfungen und ein flexibler Zugang erleichtern zudem die Rekrutierung von Nachwuchstalenten- auch ausserhalb des Bauhauptgewerbes. Darüber hinaus ist ein innovativer Abschluss für die höhere Berufsbildung in Planung. Im Mittelpunkt stehen zwei Schlüsselkompetenzen: Das Beherrschen neuer Technologien sowie das Prozessorientierte Denken. Die ersten Ausbildungsgänge sind für 2027 vorgesehen. Zudem will der Masterplan auch den Gedanken des lebenslangen Lernens stärken. Dafür führt der Verband Branchenzertifikate in das Bildungssystem des Bauhauptgewerbes ein. Branchenzertifikate bieten praxisnahe von der Branche gewollte Weiterbildungsangebote an. Damit können wir Fachkräfte ebenfalls weiterentwickeln, motivieren und langfristig binden.

Welche spezifischen Herausforderungen sehen Sie in Bezug auf den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung im Baugewerbe?

Eine vom SBV in Auftrag gegebene Studie besagt, dass dem Bauhauptgewerbe voraussichtlich bis im Jahr 2040 5600 Fachkräfte fehlen. Das entspricht 16 Prozent des Bedarfs. Entsprechend müssen wir Massnahmen ergreifen, um den Fachkräftemange zu entgegnen. Zum einen gilt es, bestehende Fachkräfte zu binden, indem wir an den attraktiven Arbeitsbedingungen festhalten und Karrieremöglichkeiten anbieten. Zum anderen gilt es, brachliegendes Potenzial besser auszuschöpfen, so zum Beispiel Frauen, Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Wir sind überzeugt, mit unserem vielseitigen und modernen Aus- und Weiterbildungsangebot auch diese Zielgruppen besser anzusprechen. Wichtige Faktoren sind zudem attraktive Arbeitsbedingungen wie hohe Löhne, an denen wir festhalten wollen oder auch flexible Arbeitsmodelle. Darüber hinaus vermittelt unser gut aufgestelltes Berufsmarketing die Neuerungen und Attraktivitätsfaktoren adressatengerecht und über alle relevanten Kanäle.

Warum ist die Umsetzung in allen Sprachregionen und Landesteilen wichtig?

Gebaut wird überall – in allen Sprachregionen und Landesteilen besteht ein hoher Bedarf an motivierten Fachkräften. Die Arbeit im Bauhauptgewerbe ist sinnstiftend, faszinierend und bietet exzellente Karriereperspektiven. Nur eine gesamtheitlich entwickelte und gelebte Berufsbildung kann Menschen mit Zukunftsperspektiven für die Branche gewinnen. Als nationaler Berufsverband setzen wir diesen hohen Standard mit engagierten Unternehmen und Bildungsanbietern um.

Welche Rolle spielt die Branchentreue und wie kann diese langfristig gefördert werden?
Alternative Frage: Welche Rolle spielt die betriebliche Ausbildung bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels?

Das Workplace Learning, also da Lernen im Arbeitsumfeld, gewinnt an Bedeutung. Die betriebliche Ausbildungstätigkeit ist ein zentrales Merkmal, um die Suche nach künftigen Fachkräften optimal zu gestalten. Praxisnahe Ausbildung und gezielte Begleitung fördern nicht nur den Lernerfolg, sondern steigern auch die Betriebs- und Branchentreue während und nach der Ausbildung. Sie sind zudem ein zentraler Bestandteil der gemeinsamen Karriereplanung. Unternehmen, die sich in der betrieblichen Ausbildung engagieren, profitieren langfristig von motivierten Fachkräften und sichern sich so einen entscheidenden Attraktivitätsfaktor.

Wie können Unternehmen und Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten, um die Ausbildungsqualität und -quantität zu steigern?

Wie bereits erwähnt, gewinnt das Lernen in der betrieblichen Praxis an Bedeutung. Entscheidend dafür sind eine enge Verzahnung der Lernorte, gute Begleitung durch Mentoring oder Coaching und ein aktiver Wissenstransfer zwischen Klassenzimmer und Betrieb. Im Rahmen der verstärkten Zusammenarbeit zwischen Betrieb und überbetrieblichen Kursen (üK) gewinnt die Einführung von Time2Learn (Zeit zum Lernen) zunehmend an Bedeutung. Damit wird eine nahtlose Verzahnung der Lerninhalte zwischen Betrieb und üK sichergestellt. Durch die strukturierte Dokumentation und den transparenten Austausch über Lernfortschritte wird nicht nur die Qualität der Ausbildung gesteigert, sondern auch eine zielgerichtete Vorbereitung auf das Qualifikationsverfahren (QV) ermöglicht.

 

Dieses Interview ist erstmals im Jahresbericht 2024 des Verbands der Bauunternehmer Region Basel (BRB) erschienen.

Über den Autor

pic

Schweizerischer Baumeisterverband

kommunikation@baumeister.ch

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