Gemeinsam statt gegeneinander

Die Digitalisierung des Bauhauptgewerbes ermöglich kollaborative Geschäftsmodelle mit einer vollständigen Transparenz. Das Bauunternehmen kann so neue Rollen wie die des Totalunternehmers und/oder des Bauleiters übernehmen und die eigene Wertschöpfung erweitern. Doch auch der Bauherr profitiert.

 

STRABAG beschäftigt sich seit den 1990er Jahren mit der digitalen Baustelle. Das Unternehmen realisiert weltweit um die 190 BIM Pilotprojekte rund um das digitale Bauen. Eines davon war die Sanierung des Schiedhaldensteigs in Küsnacht ZH, bei der das Unternehmen die modellbasierte Ausführungsplanung, die Bauleitung und die Realisierung gleichzeitig übernahm. Erneuert wurden die Abwasser- und die Werkleitungen sowie der Strassenoberbau. Gestartet wurde die Ausführung im Jahr 2021, fertig waren die Bauarbeiten im Frühjahr 2022. Zwischenzeitlich erfolgte die Auswertung durch STRABAG.

 

Win-Win-Situation

Die Ausschreibung seitens der Gemeinde erfolgte digital, der Digitalisierungsgrad des ausführenden Unternehmens wurde zu 30 Prozent gerechnet, der Preis zu 40 Prozent. Der Vorteil für die Bauherrin Küsnacht: Dank der modellbasierten Ausführung ist dokumentiert, was wo und wie verbaut wurde. Das erleichtert künftige Erneuerungen und beugt unangenehmen Überraschungen vor.

 

Verzahnung von GIS- und BIM-Daten

Mit einem GIS-Dashboard mit einem Foto- und Mängelmanagement wurden GIS und BIM verzahnt. Dabei wurden Meilensteine sehr genau festgehalten. Alle Fotos, die die Mitarbeitenden auf der Baustelle schossen, wurden direkt pro Etappe georeferenziert richtig verortet und digital abgelegt.

 

Flüssigere Bauprozesse

Beim Pilotprojekt zeigte sich, dass das TU-Modell unter anderem flüssigere Bauprozesse ermöglichte, weil die Planung, die Koordination und die Realisierung in einer Hand lagen. Zudem ermöglichte die modellbasierte Ausführung es, die benötigten Mengen sehr genau bestellen zu können, weil die entsprechenden Daten einfach aus dem Modell extrahiert werden konnten. Ein separates Ausmessen war nicht notwendig. «Da im Modell bereits alle Mengen pro Bauteil erfasst wurden, konnten sowohl die Bestellung wie auch das Ausmass per Knopfdruck aus dem Modell abgegriffen werden», erläutert Christian Häni, Technischer Gruppenleiter bei STRABAG, einen der Vorteile.

 

Smarte Baumaschinen

Zum Einsatz kamen smarte, also digitalisierte Baumaschinen, an die die Bauprojektsdaten direkt übermittelt wurden, so dass sie dem Maschinisten anzeigen konnte, was das Soll bei den Arbeiten ist und inwieweit der Ist-Stand davon abweicht. Im Pilotprojekt zeigte sich, dass der Maschinist, der zum ersten Mal einen digitalisierten Baggger bediente, keine Probleme mit der Handhabung hatte. Mehr noch: Obwohl er anfänglich die Herausforderung gefürchtet hatte, war der Maschinist am Schluss von der neuen Technologie begeistert. «Bei der Digitalisierung ist es wichtig, die Mitarbeitenden mitzunehmen, sie von Beginn an abzuholen, zu begleiten und Hilfestellung zu bieten, damit sie sich schnellstmöglich an die neue Technik herantasten. Sämtliche Baumaschinenführer haben eine interne Baggerschulung in einer STRABAG Kiesgrube absolviert», so Häni.

Digitale Kommunikation mit den Anwohnerinnen und Anwohnern

Als sehr erfolgreich erwies sich beim Schiedhaldenstieg die Kommunikation mit den Anwohnerinnen und Anwohnern via Storyboard. Aufgestellt wurden dabei Informationstafeln mit QR-Codes. Via diese QR-Codes gelangten Interessierte auf eine Website, auf der sie Informationen zur Bautätigkeit sowie zu allfälligen Einschränkungen ihres Wohnsitzes (z.B. Strassensperren) erhielten. Diese waren pro Liegenschaft aufgelistet, allfällige Verzögerungen oder Terminveränderungen wurden erläutert. Dies kam so gut an, dass STRABAG die Kommunikation mit Storyboards bereits bei anderen Baustellen anwendet. 

Guide to digital Transformation

Die digitale Transformation macht nicht vor der Baubranche halt. Der Schweizerische Baumeisterverband unterstützt seine Mitglieder in der Analyse der eigenen digitalen Maturität. Erfahren Sie mehr hier.

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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