Gesundheitsmanagement zahlt sich aus Mittwoch, 6.10.2021 | 15:40 ... Schweizerischer Baumeisterverband Baumeister 5.0 Gesundheitsmanagement zahlt sich aus Franziska Frey, Verwaltungsrätin der Bauunternehmung Ernst Frey AG, hat eine Masterarbeit zum Gesundheitsmanagement in Bauunternehmen verfasst. Ihr Fazit: Es zahlt sich aus, wenn Bauunternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement einführen. Sowohl das Bauunternehmen als auch die Mitarbeitenden profitieren davon. Franziska Frey ist damit aufgewachsen, dass der Beruf das Leben der Familie bestimmt. Als Familienunternehmung in der Baubranche sind und waren alle Generationen eingespannt. Später, als sie als Verwaltungsrätin in die Ernst Frey AG startete, war sie vom grossen Engagement in der Branche sehr angetan. Von ihrer Tätigkeit im Management einer Sprachschule war ihr schnell klar, dass eine derart hohe Leistungsbereitschaft allerdings auch ihren Preis fordert – damit auch in der Zukunft weiter mit Freude und Einsatz gearbeitet und dem ausgetrockneten Personalmarkt entgegengewirkt werden kann, sind Anpassungen bei Firmen und Menschen in der Baubranche nötig. Diese Erkenntnis im eigenen Betrieb führte dazu, dass Frey ihre Masterarbeit zum Thema «Von gesunden Mitarbeitenden zu gesunden Firmen» verfasste. Darin zeigt sie die Vorteile, Handlungsfelder und Herausforderungen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Nordwestschweizer Baubranche auf. Zudem analysiert sie die Ausgangslage kritisch. Begleitet wurde die Arbeit durch den Dozenten Volker Schulte, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Mehr als klassisches HR» Ein betriebliches Gesundheitsmanagement sei «mehr als das klassische HR», führt Frey aus. Viele Unternehmen würde der finanzielle Anreiz dafür aber fehlen. «Was aber eine Fehlüberlegung ist», so Frey, «denn wenn man die Fehltage addiert, dann sieht man, dass kranke Mitarbeitende das Unternehmen kosten. Am besten schaut man, dass es nicht so weit kommt.» Volker Schulte, der dem Gespräch beiwohnt, fügt hinzu: «Es handelt sich nicht um ein blosses Problem der Baubranche, sondern um ein generelles. Man sagt, dass jeder fünfte Mitarbeitende einmal eine depressive Phase erlebt und jeder achte ein ernsthaftes Problem entwickelt. Das fordert die Arbeitgeber.» Analysieren, sensibilisieren, agieren Frey bemerkt, dass viele Bauunternehmen eigentlich gerne etwas machen würden, aber nicht wissen, wie. Sie empfiehlt, in einem ersten Schritt eine Analyse des Status Quo, also Daten zu erheben, etwa zu den Ausfällen, wie viele Baustellen Bauführer und Bauführerinnen betreuen und wie dies im Benchmark dasteht sowie welche Wünsche im Raum stehen. So erkennt man seinen Handlungsbedarf. Anschliessend soll man Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger für die Problematik sensibilisieren. «Es darf nicht zur Betriebskultur gehören, dass einfach möglichst viele Stunden gearbeitet werden», stellt sie klar. «Die Arbeit soll fristgerecht erledigt werden, aber auch im Einklang mit dem Privatleben sein» Auch Betriebsinhaber sollten mal früher gehen. «Sonst trauen sich das die Angestellten nicht.» Schulte betont: «Wenn die Führungsetage nicht mitmacht und ein Vorbild ist, dann geht es nicht.» Niederschwellig beginnen Frey und Schulte empfehlen Betrieben, zuerst niederschwellige Angebote zu lancieren, die auch in ein KMU-Budget passen. «Also etwa eine Ansprechperson, wenn man das Gefühl hat, man habe zu viel Arbeit, oder auch Workshops etwa zu Entspannungsübungen oder Stressabbau-Techniken». Ein Gesundheitsmanagement müsse immer auf den Betrieb zugeschnitten sein. «Es gibt nicht ein Vorgehen, das für alle Firmen optimal ist», sagen sie. Zahlt sich aus Den Einwand, ein Gesundheitsmanagement sei teuer und nur mit einem Grosskonzernbudget möglich, lässt Frey nicht gelten. «Untersuchungen ergeben, dass ein funktionierendes betriebliches Gesundheitsmanagement Fehlzeiten um 25 Prozent zu reduzieren vermag und 34 Prozent der Kosten, die direkt oder indirekt mit krankheitsbedingten Absenzen im Zusammenhang stehen, einspart. Der Return on Investment liegt je nach Messung zwischen 1:2 und 1:6.» Unterstützung Frey und Schulte sind gerne bereit, Firmen auf ihrem Weg zu einem funktionierenden Gesundheitsmanagement zu unterstützen. Frey stellt auch gerne Ausschnitte ihrer Masterarbeit zur Verfügung. Kontakt: [email protected] [email protected] Über den Autor Susanna Vanek Redaktorin / Spezialistin Kommunikation [email protected] Artikel teilen
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