Ingenieurmangel: Wenn niemand mehr weiss, wer den Karren zieht Stell dir vor, eine Brücke stürzt ein. Nicht in einem fernen Entwicklungsland, sondern mitten in Europa. Der Grund? Keine Ingenieurin, kein Ingenieur war mehr da, um sie rechtzeitig zu sanieren. Dienstag, 13.5.2025 | 06:05 ... Schweizerischer Baumeisterverband Bildung Bauberufe Ingenieurmangel: Wenn niemand mehr weiss, wer den Karren zieht Ingenieurmangel: Wenn niemand mehr weiss, wer den Karren ziehtStell dir vor, eine Brücke stürzt ein. Nicht in einem fernen Entwicklungsland, sondern mitten in Europa. Der Grund? Keine Ingenieurin, kein Ingenieur war mehr da, um sie rechtzeitig zu sanieren.Klingt dramatisch? Willkommen in der Realität, wie sie sich langsam, aber unaufhaltsam zusammenbraut. In der aktuellen Folge des BauTechTalk gibt Prof. Dr. Adrian Wildenauer, Experte für Digitales Bauen an der Berner Fachhochschule, einen schonungslosen Einblick: Die Zahl der Bauingenieur-Studierenden hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert. Und das in einem Land, das für seinen Wohlstand auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen ist.Ein Beruf, den niemand verstehtWarum will niemand mehr Ingenieur werden?Adrians Antwort ist entwaffnend ehrlich: Weil keiner mehr weiss, was dieser Beruf eigentlich bedeutet. Aussenwirkung und Realität klaffen auseinander wie ein schlecht verputzter Mauerspalt. Das Bild vom Bauingenieur ist verstaubt, unsexy, mit Stuttgart 21 und Berliner Flughafen behaftet. Kein Wunder, dass junge Talente lieber in die IT, in die Wirtschaft oder gleich ins Ausland abwandern.Dabei könnte der Beruf nicht spannender sein, wenn man ihn nur richtig erzählen würde.Digital statt Tusche: Der Wandel beginnt im HörsaalAdrian selbst ist das beste Beispiel dafür, wie moderner Ingenieurnachwuchs entstehen kann. Statt veraltete Methoden zu lehren, zwingt er seine Studierenden zum radikalen Umdenken. Wer bei ihm „Digitales Bauen“ belegt, programmiert nicht mit Python, sondern mit einer Sprache, die ChatGPT nicht unterstützt. Warum? Damit die Studierenden nicht nur Software bedienen, sondern verstehen, was dahintersteckt. „Ich will keine Knöpfchendrücker ausbilden“, sagt er. „Ich will Menschen, die Prozesse durchdenken, Systeme durchdringen und Zukunft gestalten.“ Prof. Dr. Adrian Wildenauer Professor für digitales Bauen Wenn der Bau stillsteht, steht auch das Land stillFachkräftemangel am Bau ist kein Problem für morgen, es ist das Problem von heute. Bis 2030 fehlen schweizweit Tausende Bauführer, Handwerker und Ingenieurinnen. Wenn niemand mehr plant, wer soll dann noch bauen?Und noch schlimmer: Wer soll dafür sorgen, dass bestehende Infrastrukturen erhalten bleiben? Ohne Nachwuchs rutscht nicht nur der Bau, sondern unser gesamtes Wohlstandsmodell ins Wanken. Was wir gerade erleben, ist keine Lücke, es ist ein Krater, der sich immer weiter auftut.Zwischen Prototypen und Produktpässen: Ein Branchen-Reset ist überfälligDer Blick in die Praxis zeigt: Noch immer wird in der Schweiz jedes Bauprojekt wie ein Unikat geplant, jeder Fensterrahmen ein Kunstwerk, jede Wand ein neues Abenteuer. „Wir bauen ständig Prototypen“, sagt Adrian, „statt endlich mit Standards und industriellen Methoden effizienter, nachhaltiger und günstiger zu bauen.“Spätestens mit dem kommenden digitalen Produktpass, der ab 2026 in der EU-Pflicht wird, kommt auch auf die Schweiz ein echter Gamechanger zu. Wer exportieren will, muss liefern. Daten, Nachweise, Nachhaltigkeit. Das ist kein IT-Projekt, sondern ein Paradigmenwechsel.Ingenieurwesen braucht neue Helden – und HeldinnenEines wird im Podcast besonders klar: Die Rettung liegt nicht allein in der Technik. Sie liegt in den Menschen, besonders in jenen, die bisher zu oft übersehen wurden. Frauen etwa. Obwohl sie im Studium oft brillieren, verlieren sich viele auf dem Weg in die Praxis. Die Branche? Noch immer zu maskulin, zu roh, zu wenig einladend.Dabei brauchen wir genau sie: Diverse Teams, interdisziplinäre Denkerinnen und innovative Macher.Fazit: Der Bau ist geil. Punkt.Adrians Schlusswort trifft ins Schwarze: „Ingenieur ist der geilste Beruf der Welt.“ Wer sonst schafft Dinge, die Jahrzehnte überdauern? Wer sonst gestaltet die Welt, in der wir leben im wahrsten Sinn des Wortes?Es liegt an uns allen: an der Lehre, den Firmen, der Gesellschaft.Reden wir miteinander. Bauen wir neu. Denken wir weiter.Und machen wir jungen Menschen Lust auf einen Beruf, der mehr kann als nur Pläne zeichnen.Denn eines ist sicher: Wenn wir jetzt nicht handeln, wird irgendwann niemand mehr da sein, der das Fundament unseres Landes sichert. 🎧 Hör dir jetzt die neueste Folge vom BauTechTalk an: Über den Autor Mario Sülz mario.suelz@baumeister.ch Artikel teilen
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