«KI ersetzt den Menschen nicht»

Die künstliche Intelligenz KI ist ein nützliches Werkzeug für Bauunternehmen – so ihre Einführung im Betrieb richtig verläuft, lautete eine der Erkenntnisse der diesjährigen Bautagung.

«Künstliche Intelligenz – von der Vision zur Realität», lautete das Motto der diesjährigen Bautagung im Campus Sursee. In den Referaten ging es darum, wie KI helfen kann, intelligenter und effizienter zu bauen. Dabei wurde betont, dass KI schlussendlich ein Werkzeug ist, nicht mehr und nicht weniger.

Die diesjährige Bautagung, die am 27. November im Campus Sursee ausgetragen wurde und die vom Schweizerischen Baumeisterverband SBV, vom Campus Sursee und vom Institut für KMU und Unternehmertum der Universität St. Gallen ausgerichtet wird, ging es um Kernleistungs- und Unterstützungsprozesse, Alltagshilfen und die Administration.

Moritz Lüscher, Leiter Digitalisierung beim SBV, teilte an der Bautagung seine Erfahrungen aus der Entwicklung von Construix und insbesondere dazu, wie die Künstliche Intelligenz KI für Informationsrecherche und Wissensmanagement im Bauwesen eingesetzt werden kann. Er zeigte auf, dass dafür verschiedene technische Ansätze möglich sind, wie RAG-Modelle, Filterlogiken und sogenannte Knowledge Graphs. Auf Basis seiner Erfahrungen gab Lüscher zudem praxisnahe Hinweise für die Umsetzung von KI-Projekten in Unternehmen: Zuerst echte Use Cases identifizieren, KI als Werkzeug und nicht als Lösung verstehen, früh pilotieren und iterativ verbessern sowie kritisch denkende Fachpersonen einbinden. Dadurch habe sich Construix gegenüber ChatGPT mittlerweile zu einer präziseren Informationsquelle für baurelevante Fragen entwickelt, die sich zudem laufend verbessert. Er rief die Anwesenden dazu auf, die aktuell kostenlose Version zu nutzen und aktiv Feedback zu geben, um das Tool – www. construix.ch – weiter zu schärfen.

Benjamin Kocher von der relyz AG, Digitalexperte und Berater sowie Ausbildungscoach am Campus Sursee, sprach über KI in der Administration, insbesondere über Effizienzgewinne und Risiken. Gemäss ihm wird KI kurzfristig über- und langfristig unterschätzt. Die Technologie werde bleiben, ist er überzeugt. KI sei mehr als eine Technologie, sie müsse strategisch im Unternehmen verankert werden. Dabei sollten sich Entscheider fragen, was sie mit der KI bewirken wollen und sie müssen die Mitarbeitenden befähigen, mit KI umzugehen, zum Beispiel indem man sie instruiere, bei Antworten immer nach den Quellen zu fragen, um von der KI erfundene Antworten auszuschliessen.

Für Kocher wie auch für mehrere andere Referenten ist eine «Schatten-KI» im Betrieb gefährlich. Damit meint er, dass Mitarbeitende von sich aus KI nutzen, aber auf Gratis-Versionen zugreifen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, da sie alle eingegebenen Daten zu Schulungszwecken weiterverwenden. Sichergestellt werden müsse auch, dass die KI nicht irgendwelchen Mustern folge, die auf einem Gedankengut basiert, das man ablehnt. Kocher betonte, dass KI zwar die Arbeitsweise ändere, den Menschen aber nicht ersetze, weil KI keine Verantwortung übernehmen kann. «KI ist wie ein Copilot», so Kocher, «wir entscheiden aber selbst, in welche Richtung wir fliegen.» KI, führte er weiter aus, müsse gemanagt werden, sie brauche Regeln. Wann soll man mit der Einführung von KI im Betrieb starten? Hier war sich Kocher mit den anderen Referenten einig: Sofort, Schritt für Schritt.

Nutzen für die Baustelle

Der Digitalexperte Marc Beermann zeigte, welchen praktischen Nutzen KI künftig auf Baustellen haben kann. Sprachmodelle wie ChatGPT sind auf der Baustelle keine grosse Hilfe. Noch ist KI beim räumlichen Denken um Welten schlechter als wir, auch beim Verstehen von Ursache und Wirkung. Hier ginge das Rennen gerade los. Was heisst das für Kader von Bauunternehmen? Beermann empfiehlt ihnen, ein Baustellenproblem zu nehmen und einen Piloten zu starten. Hier böten sich riesige Chancen.

Tipps vom Experten 

Markus Brun, CEO MEB Group, gab den Anwesenden konkrete Tipps zur Nutzung von KI.  

  • Man kann sich der Digitalisierung widersetzen, aber nicht der KI. 
  • KI wird heute schon in Ihrem Unternehmen ohne Ihr Wissen eingesetzt – kommunizieren Sie unternehmensinterne Richtlinien, was wie genutzt werden darf und was nicht. Planen Sie, in welchen Bereichen und wie Sie Generative KI – mit eigenen Daten – einsetzen wollen. 
  • Warten Sie nicht auf utopische «KI-Visionen» – starten Sie mit verfügbaren Mitteln. 
  • Nutzen Sie KI-basierte Tools und Anwendungen in Ihrem Unternehmen bewusst, um die Qualität sicherzustellen, die Produktivität zu verbessern sowie unternehmensinternes Wissen zu verwalten und zugänglich zu machen. Versuchen Sie die technischen Grundsätze von KI zu verstehen, um anwendungsbezogen die richtigen Entscheide für Ihr Unternehmen zu treffen. 

Einen grossen Erfolg landete die Digitalexpertin Sarah Genner mit ihrem Referat – sie veranstaltete rund um das Bauen im digitalen Zeitalter ein unterhaltsames Quiz, bei dem man auf richtige Antworten tippen und so Neues erfahren konnte.

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pic

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