Monumentaler Bau für mehr Strom

Neubau der Kehrichtverwertungsanlage Zuchwil

Die STRABAG baut die zweitgrösste Kehrichtverwertungsanlage der Schweiz neu. Dadurch soll die grösste Stromproduzentin der Region Solothurn noch mehr Strom und Fernwärme produzieren als heute. Die Projektleitung der Baumeisterarbeiten übernimmt Urs Beeler. Ihm gelingt es, beim Grossprojekt die neue BIM-Technologie zu seinem Vorteil zu nutzen.

 

Sie ist die grösste Stromproduzentin der Region Solothurn – die bald 50 Jahre alte Kehrichtverwertungsanlage in Zuchwil. Mit dem fortgeschrittenen Alter hat sie aber bald das Ende ihrer wirtschaftlichen Betriebsdauer erreicht. Durch den Ersatz-Neubau wird sichergestellt, dass der Betrieb weiterhin rentabel, sicher und effizient ist. Und: Die Anlage wird noch mehr Strom produzieren: Sie soll jährlich ca. 145 GWh Strom und 120 GWh Fernwärme produzieren, das macht 15 Prozent mehr als heute.

Bei einem Projekt dieser Grössenordnung und Bedeutung ist koordinatives Vorgehen entscheidend. Urs Beeler von der STRABAG übernimmt die Projektleitung der Baumeisterarbeiten. «Unser Team führt den Rohbau in Betonbauweise aus», sagt er. Dieser besteht aus einer Ortbetonkonstruktion mit grossen Sichtbetonfassaden und ist in vier Hauptteile gegliedert:

  • Bunker
  • Feuerung/Kessel
  • Rauchgasreinigung mit Bellevue
  • Riegel inkl. Verwaltung.

Beelers Crew ist auf Kurs – der geplante Meilenstein von Ende September 2022 ist erreicht, der Bunker und die mittleren Bereiche sind fertiggestellt. Bis Ende Oktober 2023 wird das Dach geschlossen, der achtzig Meter hohe Sichtbetonturm soll bis im Jahr 2024 stehen.

Im Innern entsteht ab Oktober 2022 eine High-Tech-Fabrik, die Anlage wird im Frühling 2025 in Betrieb genommen.

Fakten zum Bau

Was: Erstellung des Rohbaus der neuen KVA in Betonbauweise
Wo: Zuchwil, Solothurn
Wer: Strabag AG

Bausumme: CHF 48.8 Mio
Beton: 53’000 m3
Baufeld: 130 m x 100 m
Stahl: 6’600 t
Wandschalung: 120’000 m2  davon Sichtbeton: 45’000 m2
Deckenschalung: 30’000 m2

Bauzeit:
Phase 1: 2021‒2025 (Hauptarbeiten)
Phase 2: 2027‒2028 (Umgebungsarbeiten)

Grösser, höher, schwerer

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, weiss der technische Bereichsleiter, der seit 2012 für die STRABAG im Einsatz ist. Die hohen gestalterischen Anforderungen wie die grossflächige Sichtbetonfassade sind ein Knackpunkt. Auch die Schnittstellen mit dem komplexen Anlagenbau und der Gebäudetechnik sind gewaltige Herausforderungen. «Der Neubau ist ein Unikat – jeder Raum hat einen anderen Umriss und eine andere Höhe», sagt er. Das macht eine gute Planung und die Produktion von Spezialteilen zur Notwendigkeit, etwa Schalungen, die 40 Meter hoch und bis acht Tonnen schwer sind. «Hier ist einfach alles etwas grösser, höher, schwerer», stellt Urs Beeler mit einem Schmunzeln fest. Das geht nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen. «Sichtbeton ist immer eine Herausforderung und kann nur gelingen, wenn die Ausführung gemeinsam mit allen Beteiligten geplant wird.»

Zwei grosse Trümpfe

Zum Glück hat Urs Beeler vorgesorgt. Er kann sich auf ein starkes Team verlassen. «Ohne tolles Team läuft nichts – das macht meine Arbeit einfach», sagt er. Für die Baumeisterarbeiten sind zu Spitzenzeiten bis zu 120 Mitarbeiter pro Tag im Einsatz. Darunter befinden sich auch Lernende (EFZ Maurer Hochbau). «Es ist ein so spannendes Objekt, dafür nutzen wir auch die Lernenden und geben ihnen die Chance, an einem solch grossen Projekt zu arbeiten», sagt Beeler begeistert. «Zum Personal gehören auch Bauarbeiter, Schaler, Verkehrswegbauer, Gerüstbauer, Elektriker, Maurer, Eisenleger, Zimmermänner, Baumaschinenführer, Kranführer, Abdichtungsspezialisten, Betonlaboranten, Vorarbeiter, Poliere, Bauführer …», zählt er auf. Auch Kaufleute und BIM-Spezialisten sind im Einsatz. Sie füttern die Tablets mit Daten.

Denn, und das ist der zweite Trumpf, den Beeler im Ärmel hat. Der Rohbau der neuen KVA hat Beeler bereits digital vor sich. Die STRABAG setzt für den Neubau auf das BIM-System (Building Information Modeling).

«Wir haben eine digitale Abbildung des zu erstellenden Projektes», erklärt Beeler. Doch es ist mehr als eine optische Hülle, in der digitalen Abbildung sind bereits alle Gewerke eingearbeitet. «Sämtliche für uns relevanten Daten sind hier in einem Modell – für die gleichen Informationen studierten wir früher gefühlt tausend Pläne, von denen jeder grösser als ein normaler Arbeitstisch war», sagt Urs Beeler. Bei einem Projekt dieser Grösse und Komplexität sei BIM ein Game-Changer, ist Beeler überzeugt.

Die Zukunft des Bauwesens?

Beeler ist sich bewusst, dass BIM eine teure Investition ist. «Doch wenn man die Technologie richtig einsetzt, kommt das Geld zurück – man kann es an anderen Orten sparen.» Zudem erfordert die Technologie ein Umdenken. «Beim BIM muss fast alles vor dem Baustart fertig geplant sein – doch dadurch spart man später viel Zeit», sagt Beeler aus eigener Erfahrung.

Das Finden und Schaffen von Lösungen ist ein Aspekt, den Beeler an seinem Beruf besonders liebt. «Gibt es einen spannenderen Beruf?», fragt er. Der Baumeister und Bereichsleiter wird auch zusätzlich motiviert, wenn er all die Projekte sieht, die unter seiner Mitarbeit oder Leitung gelungen sind. «Wenn ich durch «meine» Region gehe, sehe ich immer wieder Bauwerke, bei welchen ich bei der Erstellung mithelfen durfte. Das ist immer ein schönes Erlebnis und erfüllt mich mit Stolz. Man wird immer daran erinnert, an die schöne Bauzeit.»

Über den Autor

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Petra Stocker

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