Sie arbeitet an der Energieversorgung der Zukunft mit

Julia Geist ist Bauführerin für die Baumaterialbewirtschaftung und unter anderem auch verantwortlich für die hohe Betonqualität - deswegen ist sie auch oft im Baustellenlabor anzutreffen.

 

Schon während ihres Studiums zur Bauingenieurin arbeitete Julia Geist für Implenia Construction in Düsseldorf. Nach dem Studium wollte sie in die Berge und bekam von Implenia die Möglichkeit dazu. Nun ist sie als Bauführerin für die gesamte Baumaterialbewirtschaftung des Projekts Ersatz Staumauer Spitallamm an der Grimsel zuständig. Dazu gehört auch das Sicherstellen der hohen Anforderungen an die vor Ort aufbereiteten Gesteinskomponenten sowie an die Betonqualität.

 

 

Der Beton wird direkt auf der Baustelle hergestellt. Dafür werden die Gesteinskomponenten im Kieswerk hergestellt, wofür das Rohmaterial anfänglich aus dem Felsabtrag für die Staumauer und jetzt aus einer altrechtlichen Deponie, die aus der Herstellung des Stollensystem im Grimselgebiet in den 1980er Jahren entstanden ist, stammt. Das Kieswerk verarbeitet pro Tag circa 2000 Tonnen Material. Die Produktion der Gesteinskomponenten und des Betons vor Ort hat laut Julia Geist viele Vorteile wie zum Beispiel die Umweltfreundlichkeit durch den Wegfall des Transports aus dem Tal. Im Stollen am Staumauerfuss auf der Baustelle wurde ein Labor eingerichtet, in dem täglich die Eigenschaften des Betons untersucht werden. «Im Gegensatz zum üblichen NPK-Beton gibt hier der Bauherr die Zusammensetzung des Betons genau vor. In unserem Baustellenlabor prüfen und kontrollieren wir das Material laufend und dokumentieren den Prozess», erklärt die Bauingenieurin. Im Jahr 2022 wurden täglich bis zu 1000 Kubikmeter Beton für den Bau der Staumauer benötigt, aktuell sind es wegen des Baufortschrittes der Staumauer bis zu 500 Kubikmeter Beton pro Tag.

 

 

Um diese Produktion sicherzustellen, ist ihr erster Gang am Morgen ins Kieswerk, dann in die Betonanlage und anschliessend ins Baustellenlabor. Sie verhehlt nicht, dass der Koordinationsaufwand auch wegen der vielen Schnittstellen beachtlich ist und auch, dass sie als Frau anfänglich eine weitere Herausforderung bewältigen musste. Trotzdem und auch genau deswegen macht ihr die Arbeit viel Freude – auch, weil sie es mag, bereits in jungen Jahren viel Verantwortung zu tragen. Sie betont aber: «Diese herausfordernde Aufgabe mit so vielen Schnittstellen, die alle qualitativ und zeitlich abgestimmt werden müssen, können wir nur als Team bewältigen – wenn wir gut zusammenarbeiten, profitieren alle.»

Das Projekt

Die Staumauer Spitallamm ist eine von zwei Talsperren am Grimselsee. Für die Stromproduktion der Kraftwerke Oberhasli ist das darin gestaute Wasser essentiell. Die Staumauer Spitallamm ist mittlerweile über 90 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Statt die alte Mauer zu renovieren, baut die KWO ab Juni 2019 unmittelbar davor eine neue, die 2025 fertig sein soll. Mit dem Ersatzneubau stellt die KWO sicher, dass das Wasser aus dem Grimselsee langfristig ohne Einschränkung für die Stromproduktion genutzt werden kann.

 

Eckdaten

Einreichung Baugesuch: Mai 2017

Baubeginn: Juni 2019

Bauzeit: Während sechs Jahren jeweils von Mai bis Oktober

Typ: Doppelt gekrümmte Bogenmauer

Betonvolumen: 220000 Kubikmeter

Kosten: ca. 125 Millionen Franken

Stauvolumen Grimselsee: 94 Millionen Kubikmeter

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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