Sie sorgt dafür, dass Baumaterialien im Kreislauf bleiben

Beton, Zement, Aushub: Was früher Abfall war, wird heute wertvoller Rohstoff. Die Baubranche schliesst ihre Kreisläufe. Bei der Aregger AG ist Karin MacKevett mit viel Engagement dafür verantwortlich.

Beton, Zement, Aushub: Was früher Abfall war, wird heute wertvoller Rohstoff. Die Baubranche schliesst ihre Kreisläufe. Bei der Aregger AG ist Karin MacKevett mit viel Engagement dafür verantwortlich.

Für eine nachhaltige Entwicklung der Schweiz braucht es eine bessere Umweltbilanz im Bausektor – die Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine wichtige Rolle und die Branche hat schon früh Verantwortung übernommen. Zum Beispiel wurde der CO2-Ausstoss pro Tonne Zement seit den 1990er-Jahren um 30 Prozent reduziert. Auch Beton wird bereits zu über 85 Prozent recycelt. Bei Firmen wie der Aregger AG aus Luzern werden heute über 90 Prozent der Rückbaumaterialien und ein Grossteil des Aushubmaterials recycelt, um es in den Kreislauf zurückzubringen. «In Sachen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft haben wir in den vergangenen Jahren einiges investiert und gehören heute zu den führenden Bauunternehmen in der Region», sagt Karin MacKevett, die Verantwortliche Kreislaufwirtschaft/Nachhaltigkeit. Dies heisst: Bauabfälle werden wenn möglich direkt vor Ort aufbereitet und wiederverwendet, getreu dem Motto: Jede Baustelle ist eine Rohstoffquelle.

Für die 30-Jährige bedeutet Kreislaufwirtschaft, dass Materialien möglichst lange und ohne Qualitätsverlust im Stoffkreislauf bleiben sollen. «Nachhaltigkeit muss dabei das Ziel sein – der Weg der Kreislaufwirtschaft soll ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sein.» Kreislaufwirtschaft ist ihr Job, woher kommt ihre Motivation? «Die Bauwirtschaft generiert grosse Materialströme, weshalb bereits kleine Veränderungen eine grosse Auswirkung haben», sagt sie, zudem sei es für sie herausfordernd und spannend, bestehende Strukturen neu zu überdenken. Sie schätzt an ihrer Arbeit, dass sie vertieft an spezifischen Projekten arbeiten kann, welche die Schwesterfirmen der Aregger-Gruppe betreffen. MacKevett: «Genauso bin ich aber auch auf Baustellen und in unseren Werken anzutreffen. Schliesslich kann Kreislaufwirtschaft nicht nur vom Büro aus gepredigt werden – wir müssen die Ansätze auch konkret umsetzen.»

 

Potential in der Planung

Die Logistik der Kreislaufwirtschaft sei oft herausfordernd, erklärt sie, denn neue Abläufe benötigen Vorbereitungszeit, die nicht immer zur Verfügung steht. «Zudem beschäftigen uns Absatzmöglichkeiten: Wir können mit viel Aufwand und Mühe triagieren und aufbereiten, dies bedingt aber, dass wir die daraus entstehenden Sekundärstoffe auch weitergeben können. Hier hoffe ich auf konkretere Vorschriften, gerade auch bei Bauprojekten der öffentlichen Hand.»

Um die Kreislaufwirtschaft in Schwung zu halten, sieht sie vor allem viel Potential in der Planung. «Wir bauen heute meist Gebäude, die im Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft fragwürdig sind. Sobald Materialien verklebt, verschweisst und ineinander verbaut werden, ist eine spätere sortenreine Triage, die für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft unabdingbar ist, nicht mehr möglich.» Zudem gehe die Bauherrschaft davon aus, dass sie für die Ewigkeit baut. Die Daten der Schweizer Baubranche würden allerdings ein anderes, deutlich kurzlebigeres Bild zeichnen. «Simpel und durchdacht bauen, also bereits beim Neubau den Rückbau auf den Tisch bringen, dies ist nach meiner Meinung für die gesamte Branche ausschlaggebend.»

Vorteile für die Baubranche

Die Baubranche sieht Karin MacKevett bezüglich Kreislaufwirtschaft auf gutem Weg. «Es ist keine Glaubensfrage mehr, die Branche sieht die Vorteile», sagt sie, «nun geht es an die konkrete Umsetzung. Sie hofft, diese entwickle sich in den kommenden Jahren möglichst schnell. «Dabei werden uns die Fortschritte in der Digitalisierung auf dem Weg zu Design for Disassembly unterstützen. Zudem hoffe ich auf weitere regulatorische Vorschriften im Einsatz von Sekundärrohstoffen. Ziel muss sein, dass wir nicht mehr von der Kreislaufwirtschaft als etwas Spezielles sprechen, sondern dass zirkuläre Lösungen gängige Baupraxis werden.» Gespannt ist Karin MacKevett auch, wie sich die Baubranche auf die neuen Gesetze zum Klimaschutz einstellt (CO2-Gesetz 2030 und KIG 2050).

 

Autor: Werner Schüepp

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Schweizerischer Baumeisterverband

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