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BIM & modellbasiertes Bauen

Megatrend Konnektivität & Daten | Deep Dive – Was bedeutet dieser Trend für die Schweizer Bauwirtschaft?

Im Kurztext des Trendradars haben Sie erfahren, was «BIM & modellbasiertes Bauen» ist und warum dieser Trend relevant wird. Dieser Deep Dive zeigt, wie sich der Trend konkret auf Ihren Betrieb auswirken kann – mit Einordnung für Ihr Unternehmen und den wichtigsten Voraussetzungen.

Worum es geht

BIM (Building Information Modelling) ist eine Arbeitsweise, bei der alle relevanten Informationen zu einem Bauwerk digital und strukturiert in einem gemeinsamen Modell über den gesamten Lebenszyklus geführt werden. Die Norm SN EN ISO 19650 definiert dafür klare Rollen, Regeln und einen gemeinsamen Datenraum, damit alle Beteiligten jederzeit mit der richtigen, aktuellen Version arbeiten.

In der Praxis bedeutet das: Planungsdisziplinen liefern nicht nur Pläne, sondern verknüpfte Daten. Aus dem Modell lassen sich Ansichten, Mengen und Dokumente ableiten, Änderungen bleiben nachvollziehbar. Die Anwendungen reichen von der Kollisionsprüfung in der Planung über modellbasierte Ausschreibungen bis zu digitalen Mängel- und Abnahmeprozessen auf der Baustelle.

Für die Schweizer Bauwirtschaft liegt der Mehrwert in der früheren Fehlererkennung, transparenteren Ausschreibungen und einer konsistenten Dokumentation bis in den Betrieb. Die grössten Hürden bleiben uneinheitliche Auftraggeberanforderungen, Schnittstellenprobleme zwischen Systemen sowie der nötige Kulturwandel in den Teams.

ACT
4.74 / 6
Brancheneinfluss
hoch
4-6 J.
Mainstream-Adoption
erwartet (4.41 / 6)
3.85 / 6
Branchenkompetenz
eher hoch

Werte aus der SBV-Delphi-Expertenbefragung 2026.

Wo der Trend heute schon wirkt

BIM ist bei öffentlichen Bauherren wie ASTRA, SBB und Bund (Armasuisse) zunehmend Pflicht, bei Grossprojekten praktisch immer im Einsatz. Im privaten Hochbau wird BIM von grösseren Generalunternehmen wie Implenia oder Halter systematisch eingesetzt. KMU steigen über Pilotprojekte ein.

Wo steht mein Unternehmen, wohin soll es?

Die Auseinandersetzung mit diesem Trend ist kein Alles-oder-nichts-Entscheid. Unternehmen bewegen sich typischerweise auf einer von drei Adoptionsstufen, jede mit eigenem Ziel und eigener Logik:

1 – Position halten

Wettbewerbsfähig bleiben

Ziel: Mit befähigten Mitarbeitenden effizienter arbeiten.

Beispiele: Mitarbeit in BIM-Projekten als Subunternehmer; gemeinsamen Datenraum nutzen; modellbasierte Mengenermittlung und Kollisionsprüfung.

2 – Position ausbauen

Finanzielle Mehrwerte schaffen

Ziel: Differenzierung gegenüber Mitbewerbern durch trend-gestützte Leistungen.

Beispiele: Eigene BIM-Modelle entwickeln; ISO 19650 als Standard; BIM in Ausschreibungen einfordern; modellbasierte Abrechnung; höhere Qualität als Verkaufsargument.

3 – Neue Position besetzen

Disruption als Chance

Ziel: Neue Leistungen oder Produkte lancieren, die ohne diesen Trend nicht möglich wären.

Beispiele: BIM-Modelle bis in den Betrieb; eigene Datenservices für Eigentümer; Lifecycle-BIM; Asset-Management-Dienstleistungen auf Basis von BIM-Daten.

Die Branchenkompetenz liegt bei 3.85/6 – die Auseinandersetzung mit diesem Trend ist breit im Gang. Ein Teil der KMU im Bauhauptgewerbe arbeitet noch auf Stufe 1, viele bewegen sich aktiv im Übergang zu Stufe 2 mit ersten Differenzierungsleistungen. Entscheidend ist, bewusst zu entscheiden, ob man sich auf Stufe 2 fest positionieren oder Richtung Stufe 3 entwickeln will – und die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Worauf muss ich achten?

Den Trend zu nutzen bedeutet nicht, ein Produkt zu kaufen und einzuschalten. Der Nutzen hängt von Voraussetzungen ab, die jedes Unternehmen selbst schaffen muss.

Klare Auftraggeber-Anforderungen

BIM funktioniert nur, wenn der Bauherr klare Informationsanforderungen stellt (AIA, BAP). Wer ohne klare Vorgaben startet, baut Datenmüll.

Gemeinsamer Datenraum (CDE)

Ein gemeinsamer, versionsgeführter Datenraum ist Voraussetzung. Wer Modelle per Mail austauscht, betreibt nicht BIM, sondern Chaos.

Rollen und Verantwortlichkeiten nach ISO 19650

BIM-Management-Rollen müssen in jedem Projekt besetzt sein: BIM-Manager, Informationskoordinator, modellverantwortliche Personen.

Kompetenz statt Software-Kauf

BIM ist kein Software-Thema, sondern ein Arbeitsweise-Thema. Schulung der Beteiligten ist wichtiger als das nächste Tool.

Was bietet der SBV?

Der SBV begleitet seine Mitglieder beim Thema «BIM & modellbasiertes Bauen» mit konkreten Angeboten:

Wissensplattform Baumeister 5.0 →

BIM-Hub, ERP-Vergleich und News aus der digitalen Bauwelt – kompakt und aktuell für SBV-Mitglieder.

Digitalisierungs-Beratung →

Individuelle Begleitung bei Digitalisierungsvorhaben. Persönliche Beratung durch das SBV-Team Digitalisierung.

BauTechTalk Podcast →

Der SBV-Podcast zu Digitalisierung und Innovation am Bau. Verfügbar auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube.

Auf einen Blick

Einordnung im RadarACT, Brancheneinfluss 4.74/6
Mainstream-Adoptionin 4-6 Jahren erwartet (4.41/6)
Branchenkompetenz3.85/6 – siehe Abschnitt «Worauf muss ich achten»
VoraussetzungenKlare Auftraggeber-Anforderungen; gemeinsamer Datenraum (CDE); Rollen und Verantwortlichkeiten nach ISO 19650