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Zirkuläres Bauen

Megatrend Nachhaltigkeit | Deep Dive – Was bedeutet dieser Trend für die Schweizer Bauwirtschaft?

Im Kurztext des Trendradars haben Sie erfahren, was «Zirkuläres Bauen» ist und warum dieser Trend für die Bauwirtschaft relevant wird. Dieser Deep Dive zeigt Ihnen, wie sich der Trend konkret auf Ihren Betrieb auswirken kann – mit Einordnung für Ihr Unternehmen und den wichtigsten Voraussetzungen.

Worum es geht

Die Bautätigkeit in der Schweiz verursacht jährlich rund 74 Millionen Tonnen Abfall. Davon werden heute bereits rund 75% wiederverwertet, etwa als Recyclingbeton. Zirkuläres Bauen geht einen Schritt weiter: Es zielt darauf ab, Baustoffe und Bauteile so zu planen, zu verbauen und zu dokumentieren, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus möglichst vollständig wiederverwendet oder hochwertig recycelt werden können. Dazu gehört auch Urban Mining – die gezielte Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Gebäuden und Infrastrukturen.

Für die Schweizer Bauwirtschaft ist zirkuläres Bauen nicht nur eine ökologische, sondern zunehmend auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Knapper werdende Primärressourcen, steigende Entsorgungskosten und strengere regulatorische Vorgaben machen den Übergang zur Kreislaufwirtschaft unausweichlich. Die Herausforderungen liegen in der Logistik von Rückbau und Sortierung, in der Qualitätssicherung von Sekundärmaterialien sowie in der Marktakzeptanz von wiederverwendeten Baustoffen.

PREPARE
4.5 / 6
Brancheneinfluss

4–6 Jahre
Mainstream-Adoption
Bewertung 3.1 / 6

3.5 / 6
Branchenkompetenz

Readiness Assessment: LEARN. Werte aus der SBV-Delphi-Expertenbefragung 2026 (Auswertung Trendmanager).

Wo der Trend heute schon wirkt

Pilotprojekte für zirkuläres Bauen häufen sich: Das Gebäude K118 in Winterthur besteht fast vollständig aus wiederverwendeten Bauteilen, der NEST-Bau an der Empa testet zirkuläre Konzepte, und RC-Beton ist bei Schweizer Tiefbauunternehmen heute Standard. Bauteilbörsen wie Salza und die Schadstoffsanierungs-Branche professionalisieren sich.

Wo steht mein Unternehmen – und wo soll es hin?

Die Auseinandersetzung mit diesem Trend ist kein Alles-oder-nichts-Entscheid. Unternehmen bewegen sich typischerweise auf einer von drei Adoptionsstufen – jede mit eigenem Ziel und eigener Logik:

1 – Position halten

Wettbewerbsfähig bleiben

Ziel: Mit befähigten Mitarbeitenden effizienter arbeiten.

Beispiele: Konsequente Trennung und Recycling auf der Baustelle; Recyclingbeton wo möglich; erste Materialbilanzen für einzelne Projekte.

2 – Position ausbauen

Finanzielle Mehrwerte schaffen

Ziel: Differenzierung gegenüber Mitbewerbern durch zirkuläre Leistungen.

Beispiele: Aktiver Einsatz wiederverwendeter Bauteile; Rückbaubarkeit in der Planung mitdenken; Materialpässe; höhere ESG-Konformität.

3 – Neue Position besetzen

Disruption als Chance

Ziel: Neue Leistungen oder Produkte lancieren, die ohne diesen Trend nicht möglich wären.

Beispiele: Eigenes Geschäftsfeld Rückbau und Bauteilbörse; Plattformen für Sekundärmaterialien; geschlossene Stoffkreisläufe als Markenversprechen.

Mit einer Branchenkompetenz von 3.5 / 6 zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit diesem Trend in der Schweizer Bauwirtschaft eingesetzt hat, aber noch in der Aufbauphase steckt. Viele KMU im Bauhauptgewerbe bewegen sich aktuell auf Stufe 1, einzelne tasten sich an Stufe 2 heran. Entscheidend ist, bewusst zu entscheiden, auf welche Stufe man sich entwickeln will, und die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Worauf muss ich achten?

Den Trend zu nutzen bedeutet nicht, ein Produkt zu kaufen und einzuschalten. Der Nutzen hängt von Voraussetzungen ab, die jedes Unternehmen selbst schaffen muss.

Materialpässe und Dokumentation

Was verbaut ist, muss bekannt sein, um zirkuläres Bauen zu ermöglichen. Materialpässe sind die Basis künftiger Rückgewinnung.

Rückbaubarkeit in der Planung

Reverse Engineering beginnt am Reissbrett: Wer Verbindungen lösbar plant, ermöglicht späteres Recycling.

Logistik für Rückbau und Sortierung

Sortenreiner Rückbau ist aufwendiger als der konventionelle Abbruch. Räumliche und zeitliche Logistik muss in der Kalkulation berücksichtigt werden.

Marktakzeptanz für Sekundärmaterial

Wiederverwendete Bauteile brauchen Vertrauen. Zertifizierungen, Versicherbarkeit und Norm-Konformität sind Schlüssel zur breiteren Anwendung.

Was bietet der SBV?

Der SBV begleitet seine Mitglieder beim Thema «Zirkuläres Bauen» mit konkreten Angeboten:

Thementools Nachhaltigkeit →

Hilfsmittel und Thementools des SBV zu ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit am Bau.

Umweltschutz-Tools →

Thementools mit Schwerpunkten zum Umweltschutz auf der Baustelle, aufbereitet für SBV-Mitglieder.

Klima-, Energie- und Umweltpolitik →

Politische Positionen und Vernehmlassungen des SBV zu Klima, Energie und Umwelt – Branchenstimme in Bundesbern.

Auf einen Blick

Einordnung im RadarPREPARE – Brancheneinfluss 4.5 / 6
Mainstream-AdoptionIn 4–6 Jahren erwartet (Bewertung 3.1 / 6)
Branchenkompetenz3.5 / 6 – siehe Abschnitt «Worauf muss ich achten?»
Readiness AssessmentLEARN – Wissen und Erfahrung systematisch aufbauen: vor breiterer Anwendung lernen, beobachten, pilotieren.
VoraussetzungenMaterialpässe und Dokumentation, Rückbaubarkeit in der Planung, Logistik für Rückbau und Sortierung
Verknüpfte TrendsDekarbonisierung & Alternative Materialien, Modernisierung Gebäudepark, ESG-Regulatorik, Industrialisiertes Bauen

«Zirkuläres Bauen» ist einer von 26 Trends im SBV Trendradar 2026:

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