Was die Seychellen von der Schweiz lernen wollen

Die Regierung der Seychellen beauftragte die Gasser Felstechnik AG aus Lungern, zusammen mit lokalen Behörden und einheimischen Bauunternehmen, den Schutz vor Naturgefahren zu verbessern.

Die Regierung der Seychellen beauftragte die Gasser Felstechnik AG aus Lungern, zusammen mit lokalen Behörden und einheimischen Bauunternehmen, den Schutz vor Naturgefahren zu verbessern. Das primäre Ziel war der Wissenstransfer. In einem zehnwöchigen Einsatz auf den Seychellen vermittelte ein vierköpfiges Baustellenteam der Gasser Felstechnik AG, die praktische Anwendung von Bautechniken und die Handhabung der Geräte. Deren Projektleiter Ruedi Degelo sowie Pius Krütli, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der ETH Zürich, coachten zeitgleich die Behörden in Naturgefahrenmanagement und im Bereich Bauleitung. 

Bevor die Felsmassen auf das Walliser Dorf Blatten niederprasselten, evakuierten die Behörden die Bevölkerung und verhinderten so eine noch grössere Tragödie. Dass Gefahren in der Schweiz schon früh eruiert werden und entsprechende Massnahmen getroffen werden, ist den Behörden der Seychellen bekannt. Bisher handhabte die Verantwortlichen des Inselparadies selbst Naturkatastrophen allerdings ad hoc. Dass dies keine wirksame Strategie ist, bewiesen nicht zuletzt extreme Regenfälle im Dezember 2023, die schwere Schäden anrichteten. Solche Szenarien sollen künftig vermieden werden – dabei kommt die Gasser Felstechnik aus Lungern OW ins Spiel. Diese sollten einen Masterplan entwickeln, der die Seycheller Verantwortlichen befähigt, künftig Naturgefahren aus eigener Kraft zu bewältigen. Anfang April reisten dazu die Gasser-Fachleute in die Seychellen.  

Die Arbeiten für Sicherungsmassnahmen an bekannten neuralgischen Punkten fanden um Umfeld der Hauptstadt Victoria auf der Insel Mahé statt. Die Empfehlung der Schweizer an die Behörden der Seychellen ist es, eine Taskforce zu schaffen, um Naturgefahren künftig mit ganzheitlichen Massnahmen begegnen zu können. Ruedi Degelo, Mitglied der Geschäftsleitung der Gasser Felstechnik, erläutert: «Im Zentrum stand der Know-how-Transfer. Erstens vermitteln wir die praktische Umsetzung der Schutzmassnahmen mitsamt der notwendigen Bautechnik und der Bedienung des Inventars. Dazu schulten wir lokale Bauunternehmen. Und zweitens teilen wir unser Wissen rings um das Naturgefahrenmanagement mit den Behörden, dies wird uns über den 10-wöchigen Einsatz hinausbegleiten. Es besteht zwar eine rudimentäre Gefahrenkarte, aber die Gefahrenherde werden heute noch nicht kategorisiert und priorisiert. Es gibt keinen Massnahmenplan und die Entscheidungen werden nicht von Fachleuten getroffen. Wir wollen erreichen, dass die Behörden ein jährliches Budget haben und die Risiken selbst Schritt für Schritt minimieren können. Ferner sollen die Behörden Gefahren erkennen und überwachen können – um so ab einer gewissen kritischen Niederschlagsmenge bekannte Gefahrengebiete rechtzeitig zu evakuieren.» 

Jetzt sind die Seycheller dran 

Auf Seiten des behördlichen Managements der Seychellen gebe es nun also viel zu tun, so Degelo. «Am wichtigsten ist es, die nächsten Sicherungsmassnahmen an den drängendsten Gefahrenstellen konkret zu planen.» Die Fachleute von Gasser Felstechnik stehen den Verantwortlichen des Inselstaates indes weiterhin als Berater zur Verfügung und helfen in der Planung, Beurteilung und Materialbeschaffung. 

Mit dem Projektverlauf ist Degelo sehr zufrieden. «Wir haben viel erreicht – mehr als wir erwarten durften aus meiner Sicht. Eine zusätzliche akute Gefahrenstelle konnte vor Ort beurteilt werden. Die Massnahmen dazu werden ab Juli nun ebenfalls bearbeitet. Ein bedrohlicher Felsblock liegt dort. In der nächsten Regenzeit hätte dies wohl zur Evakuation von mehreren Häusern und der Sperrung der Hauptstrasse geführt. Oder schlimmer. Diese Erkenntnis von Gefahr und dessen Auswirkung konnte erst am Objekt im Feld gewonnen und beim Auftraggeber herbeigeführt werden.» 

Grosses Interesse 

Das Interesse der Politik und der Bevölkerung am Projekt ist gross. So fand am 27. Juni 2025 die Eröffnungszeremonie der Steinschlag- und Murgangssperre am St. Louis Hill unter Beteiligung von Seychellens Präsident Wavel Ramkalawan, und Innenminister Errol Fonseka und Bauminister Billy Rangasamy statt.

Das Thema des diesjährigen Tages der Bauwirtschaft lautete bekanntlich «Der Bau kann Krise». Dass die Schweizer Bauwirtschaft Krisen nicht nur zu bewältigen, sondern auch zu managen vermag und dass dies auch im Ausland für Aufsehen sorgt, zeigt das Beispiel der Gasser Felstechnik AG auf den Seychellen eindrücklich. 

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