«Wasserstoff hat grosses Zukunftspotential»

Stefano Garbin, CEO des Stromversorgers und digitalen Energiedienstleisters SAK, berichtet über die drohenden Engpässe in der Schweizer Energieversorgung, die fehlende Planungssicherheit, und warum über Wasserstoff als Zukunftsantrieb für LKW. 

 

Die SAK baut gerade ihre erste Wasserstoffanlage, es ist die zweite, die in der Schweiz realisiert wird. Warum setzt die SAK auf Wasserstoff?

Stefano Garbin: Wir orten hier ein grosses Potential, weil Wasserstoff gegenüber konventionellen Antrieben wertvolle Vorteile bietet. Es ist umweltfreundlich und, im Gegensatz zu Elektroantrieben genauso schnell getankt wie ein konventioneller Kraftstoff. Bei mit Batterie betriebenen Elekro-LKWs dauert das Aufladen im Vergleich lange. Zudem ist die Reichweite von H2-Brennstoffzellen-LKW grösser als bei mit Batterie betriebenen Elektro- LKW. Im Moment gibt es in der Schweiz rund 50 H2 LKWs . Gemäss Hyundai sollen es in absehbarer Zeit 1’600 sein. Der Bedarf nach Wasserstoff wird steigen. Wir überlegen entsprechend bereits den Bau einer zweiten Anlage, bei unserem Kraftwerk Schils in Flums.

Dieses haben Sie kürzlich ausgebaut, es war die erste papierlose Baustelle der Schweiz. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Sehr gute! Beim Kraftwerksbau ist das Einhalten der Kosten und der Zeiten zentral, hier konnten sie sehr gut eingehalten werden .Wir als Bauherrin sind vom digitalen Bau- und Planungsprozess begeistert und werden auch künftig darauf setzen.

Sie haben die Kosten angesprochen: Ist der Bau von Kraftwerken angesichts der Strompreise noch wirtschaftlich?

Beim bereits erwähnten Kraftwerk Schils dauert die Konzessionszeit noch rund weitere 40 Jahre. Da darf man sich von aktuellen Strompreisen nicht beeinflussen lassen. Man muss aber eine Langzeitbetrachtung für die Strompreise machen. Aber es ist schon so, dass es schwer ist, beim Bau von neuen Kraftwerken noch wirtschaftlich zu sein.

Dabei hört man häufig, im Frühjahr drohe ein Energieversorgungsengpass.

Ja, dem ist so. Der Abbruch der Verhandlungen mit der EU über die Rahmenverträge gefährdet die Versorgungssicherheit der Schweiz. Zudem gehen in den nächsten Jahren ein Atomkraftwerk nach dem anderen vom Netz. Es braucht dringend neue Anlagen, die aus erneuerbaren Energien Strom produzieren, so wie es dem Wunsch der Bevölkerung entspricht. Wer diese aber realisieren möchte, muss viele Hürden überwinden. Die Politik müsste für bessere Rahmenbedingungen und, Planungssicherheit sorgen.

Reden Sie aus eigener Erfahrung?

Ja. Der Kanton Glarus hatte im Linthgebiet provisorisch eine Zone für Windkraftanlagen definiert. Wie vom Kanton verlangt, liessen wir eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen. Aber als wir den Nachweis erbracht hatten, mit den geplanten Windanlagen die Natur nicht zu gefährden, wies der Kanton das Gebiet der Wohnzone zu. Es war aussichtslos, das Projekt weiter zu verfolgen. Allerdings hatten wir bereits 1,8 Millionen Franken in das Projekt investiert! Diese Investition war verloren. Es kann nicht sein, dass mitten im Spiel die Regeln geändert werden.

Der Widerstand gegen die Windkraft ist gross. Zu Recht?

Zu Unrecht. Spätestens wenn bei Frau und Herr Schweizer zeitweise kein Strom mehr aus der Steckdose kommen wird, werden sie es einsehen. Anlagen für die Gewinnung von erneuerbaren Energien stellen immer einen Eingriff in das Landschaftsbild dar.. Aber will denn die Bevölkerung stattdessen Atomkraftwerke bauen? Eben nicht. Es müssen deshalb Kraftwerke gebaut werden, welche aus erneuerbaren Energien Strom produzieren, weil sonst die Versorgungslücke droht.

 

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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