Wie demografische Wellen den Schulbau beeinflussen

In den nächsten zehn Jahren sinken die Schülerzahlen auf der Primarstufe, während sie auf der Sekundarstufe steigen. Langfristig dürften jüngere Jahrgänge wieder zulegen und neue Schulbauten notwendig machen.

Anzahl Kinder entwickelt sich in Wellen

Die Demografie ist in aller Munde. Der Fokus liegt meist auf der Alterung der Gesellschaft. Dabei wird das andere Ende des Altersspektrums oft vergessen. Der Chart zeigt die Anzahl Minderjähriger (einschliesslich 18-Jähriger) seit 1950 und prognostiziert sie bis 2075. Dieser lange Zeithorizont dient der Infrastrukturplanung, da etwa Schulgebäude über Jahrzehnte genutzt werden.

Dabei fallen zwei wichtige Erkenntnisse auf. Erstens entwickelt sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen häufig in Wellen; innerhalb von nur 20 Jahren kann sie stark steigen oder sinken. Zweitens kann es naturgemäss deutliche Unterschiede zwischen den Alterskohorten geben. Für ein Schulhaus sollte die Planung daher auf das langfristige Mittel ausgerichtet sein. Vorübergehende Spitzen sollten durch Verdichtungen, etwa mit Provisorien oder zusätzlich angemieteten Räumen, aufgefangen werden.

Gemeinden sollten sich am stärksten an den 4- bis 5-Jährigen orientieren

Die staatlichen Bauausgaben für Bildung und Forschung belaufen sich auf rund 2 Milliarden Franken pro Jahr. Private Schulen und Organisationen investieren zusätzlich weitere 15 Prozent.

Von allen drei föderalen Ebenen tragen die Gemeinden mehr als die Hälfte dieser Investitionen. Sie finanzieren vor allem Kindergärten und Primarschulen, teilweise auch die Sekundarstufe I. Je höher die Bildungsstufe ist, etwa bei Berufsfachschulen oder Hochschulen, desto grösser wird der Anteil von Kantonen und Bund an den Ausgaben.

Die Anzahl Kinder beeinflusst die Bauausgaben für Bildungsinstitutionen wesentlich. Vor allem auf Gemeindeebene ist die Anzahl der 4- und 5-jährigen Kinder ein starker Prognoseindikator für künftige Bauausgaben. Gemeinden können anhand von Prognosen ermitteln, in welchen Jahren diese beiden Jahrgänge besonders stark besetzt sind, um rechtzeitig ausreichend Finanzmittel für Bildungsbauten zu reservieren.

Die Anzahl der 13- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler hat dagegen auf keiner föderalen Ebene eine nennenswerte Prognosekraft. Die Anzahl der 16- bis 18-Jährigen dient den Kantonen hingegen als wichtiger Richtwert für künftige Bauinvestitionen.

In 10 Jahren weniger Kinder auf Primar-, aber mehr auf Sekundarstufe

Betrachtet man die mittlere Frist, also grob die nächsten zehn Jahre bis 2034, zeigt sich, dass in fast allen Kantonen die Anzahl Schülerinnen und Schüler im Kindergarten und in der Primarstufe sinken wird. Diese Reduktion wird jedoch oft durch kräftige Zunahmen auf der Sekundarstufe I teilweise ausgeglichen. Langfristig dürften die jüngeren Jahrgänge wieder zulegen.

Da viele Schulgebäude in den 1960er- und 1970er-Jahren errichtet wurden, stehen in zahlreichen Gemeinden demnächst Unterhaltsarbeiten an. Angesichts der demografischen Entwicklung ist davon auszugehen, dass viele Schulen eher saniert und umgebaut als neu errichtet werden. Ein Neubau kann jedoch sinnvoll sein, um modernen Anforderungen wie mehr Nutzungsfläche oder höherer Energieeffizienz besser gerecht zu werden.

Erwartungen für Schulbauprojekte realistisch einschätzen

Auf Basis von Werten des CRB, von Wüest Partner und von SRF-Meldungen lassen sich typische Bandbreiten für die Baukosten von Schulen ermitteln. Indem Baufirmen Prognosen der Schülerzahlen mit diesen Kosten kombinieren, können sie Zeitpunkt und Umfang möglicher Schulbauprojekte besser abschätzen.

Die Kosten pro Quadratmeter Geschossfläche belaufen sich in der Regel auf 3’500 bis 4’500 Franken, respektive auf 6’300 bis 8’100 Franken pro Quadratmeter Hauptnutzungsfläche. Pro Schülerin oder Schüler werden im Schnitt zwischen 90’000 und 120’000 Franken an Baukosten investiert.

Abhängig von verschiedenen Faktoren können diese Bandbreiten auch überschritten werden. Medien berichteten jüngst von Schulhäusern in der Stadt Zürich, die bis zu 200’000 Franken pro Kind kosten. Die Grafik zeigt, um wie viel Prozent verschiedene Faktoren die Baukosten erhöhen können.

Über den Autor

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Luiza Maria Maniera

lmaniera@baumeister.ch

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