Wie Winterthur das Wachstum bewältigen will

Die Winterthurer Standortmarketing-Organisation House of Winterthur nutzte den Tour d’horizon für einen eigenen Anlass. Neben Networking ging es um die künftige Entwicklung von Winterthur, das bis 2040 stark wachsen wird, und um die Rolle der Bauwirtschaft dabei. Mit dabei waren Hanspeter Egli, Vizepräsident SBV, und Beat Aeppli, Präsident der Winterthurer Baumeister, auf dem Foto im Turm, bei den Virtual Reality-Brillen zu sehen.

 

Winterthur leistet sich eine Organisation für das Standortmarketing, zur Stärkung des dynamischen Wirtschaftsstandortes, des Reiseziels, des lebendigen Kulturplatzes und der vielfältigen Bildungsregion. House of Winterthur heisst diese, und sie liess es sich nicht nehmen, einen Networking-Anlass im Tour d’horizon zu organisieren, dem mobilen Turm der Schweizer Baumeister, der noch bis anfangs September in Winterthur steht.

Wie sieht die Zukunft aus? 

Dabei zeigte sich, dass der Tour d’horizon und Winterthur gut zusammenpassen: Beide beschäftigen sich mit dem Jahr 2040. Die Schweizer Baumeister traten in einen Dialog mit der Bevölkerung und wollte von ihr wissen, wie diese im Jahr 2040 leben möchte. Winterthur hat die «Räumliche Entwicklungsperspektive Winterthur 2040» ausgearbeitet, die skizziert, wie sich die Stadt entwickeln soll. Dies unter dem Hintergrund, dass Winterthur bis zum Jahr 2040 um etwa 20 000 Personen wachsen wird – das entspricht der Bevölkerungszahl von Aarau. Jens Andersen, Stadtbaumeister von Winterthur, erläuterte, dass die Stadt keine Landreserven mehr habe. Zusätzlicher Wohnraum müsse also durch Verdichtung bereitgestellt werden, aber diese Verdichtung müsse hochdifferenziert angegangen werden, je nach Quartier. Winterthur will sich als Stadt etablieren, in der man wohnt und arbeitet. Allerdings wird dank dem Brüttener Tunnel die Anbindung an die Stadt Zürich besser und schneller. «Da stellt sich schon die Frage, wie man die Entwicklung lenkt, dass wir nicht zur Schlafstadt werden», so Andersen. Sehr wichtig sei die Citylogistik, es müsse garantiert sein, dass die Anlieferung für jedes Geschäft funktioniere. Ganz neu hat Winterthur einen Rahmenplan Klima. Dabei komme der Stadt zugute, dass sie von Wald umgeben sei. Nun sei es wichtig, die Kaltluftkorridore, die von dort in die Stadt wehen, nicht zu verbauen.

Spannender Bau 

Erfreulich: Die Baugesuche haben in Winterthur gemäss Andersen um 20 bis 30 Prozent zugenommen. In Winterthur wird also rege gebaut.

«Der Tour d’horizon zeigt, wie spannend der Bau ist», meinte Hanspeter Egli, Vizepräsident SBV, in seiner Begrüssungsrede, um fortzufahren: «Er zeigt aber auch die Ansprüche an den Bau.» Mit dem Tour d’horizon verknüpfe der SBV zwei Botschaften: Erstens dass die Bauwirtschaft sich nach den Wünschen der Bevölkerung richtet und bedürfnisgerecht baut, zweitens dass der Bau nachhaltig unterwegs ist. Aus der Umfrage, die der SBV im Jahr 2020 durchgeführt hat, zeige sich, dass der Wohnraum an Bedeutung gewinne. Der Traum vom Einfamilienhaus sei nach wie vor präsent. Gleichzeitig bestehe der Wunsch nach einem schnellen Zugang zu den Bergen. Bei der Mobilität bleibe das Auto wichtig. Deswegen brauche es praxistaugliche Lösungen.

«Sehr erfreulich» 

In einem Gespräch am Rande der Veranstaltung äusserte Beat Aeppli - auf dem Einstiegsfoto -, der Präsident der Winterthurer Baumeister ist,  seine Freude, dass der Turm in Winterthur aufgestellt wurde. «Es ist der einzige Standort im Kanton Zürich, das ist eine Ehre. Mein Dank geht an die Stadtverwaltung, die die Bewilligung dafür zügig und unkompliziert ausgestellt hat.» Aeppli betonte, die Baubranche sei wichtig, mache sie doch 10 Prozent des schweizerischen BIPs aus, davon entfallen 5 Prozent auf das Bauhauptgewerbe. Die Baubranche sei als Binnenwirtschaft wesentlich und sie mache auch viel für den Nachwuchs. Zudem zahle sie die besten Handwerkerlöhne. Gerade in der Coronazeit habe sich gezeigt, dass der Bau Perspektive habe.

Aeppli engagiert sich bei den Winterthurer Stadtratswahlen für das «Team Freiheit»., also das Ticket mit den bürgerlichen Kandidierenden. Er sagt dazu: «Engagement ist wichtig, in der Familie, in der Firma, im Verband und in der Politik.» Es brauche nicht Utopien, sondern mehrheitsfähige Lösungen. «Wir Baumeister sind Macher. Ich habe etwas gegen Leute, die nur schwatzen, womöglich sehr negativ, aber nie etwas unternehmen. Deshalb setze ich mich für eine Gesellschaft ein, die fähig ist, einen fairen Diskurs zu führen.»

Der Tour d’horizon kann übrigens noch bis am 3. September im Stadtgarten in Winterthur besucht werden. Anschliessend zieht der Baumeister-Turm ins Wallis an die «Foire du Valais» (1. – 10.10.21) in Martigny weiter bevor er dann vom 12.11.21 – 23.1.22 im Herzen der Stadt Biel-Bienne, dem Schmelztiegel zwischen der Deutschschweiz und der Romandie, am PARADICE (mobile Eisbahn, Fondue-Chalet und Winterprogramme) überwintern wird.

 

 

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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