«Wir unternehmen sehr viel»

Die Kreislaufwirtschaft ist vielen Bauunternehmen ein grosses Anliegen und wird entsprechend konsequent umgesetzt. Gefordert wird ein stärkeres Engagement der Bauherrschaften und Planenden.

Anja Rubin, Leiterin Kommunikation KIBAG  

Die KIBAG setzt sich in allen Abteilungen für eine konsequente Wiederverwertung und die Aufbereitung von Rückbaumaterialien ein. Für die KIBAG ist es erklärtes Ziel, Baustoffe in Form von rezykliertem Rückbaumaterial so lange wie möglich im Baustoffkreislauf zu halten und diesen Kreislauf zu schliessen. Mit allen Abteilungen der KIBAG RE AG hat die KIBAG ein hochspezialisiertes Unternehmen für umfassende Altlastensanierungen, für die Verwertung von belasteten und unbelasteten Bauabfällen, für wirtschaftliche Entsorgungslösungen und dank der eigenen Bodenwäsche für nachhaltiges Bodenrecycling. Allein am Standort Regensdorf werden pro Jahr mehrere tausend Tonnen Beton- und Mischabbruch aufbereitet. Die dort ansässige KIBAG-eigene Bodenwaschanlage ist 2025 durch das AWEL zertifiziert worden, zusätzlich neben den anderen kontaminierten Aushubmaterialien auch mit PFAS kontaminierte Materialien zu waschen und somit diese Abfallstoffe im Baustoffkreislauf zu halten. Am Standort in Weinfelden investierte die KIBAG kürzlich über 20 Millionen Franken, um dort belastete Materialien aufzubereiten und zu verwerten – die so genannte Baustoffcity. Auch in der modernsten Bausperrgutsortieranlage der Schweiz, der SORTAG, sorgt die KIBAG für ein nachhaltiges Recyceln von Bauabfällen. Damit leistet die KIBAG einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Schweizer Bauwirtschaft und sorgt dafür, dass wertvolle Ressourcen geschont werden. Bauherrschaften und Planer sollten gegenüber rezyklierten Produkten offener sein.. Der kürzlich publizierte Anhang ND (Leistungsprinzip) zur Betonnorm bietet die Möglichkeit, die Kreislaufwirtschaft – ohne Mehrkosten und Qualitätsverlust – in Ausschreibungen zu fördern.  

Sergio Minelli, Geschäftsführer Saredi AG 

Das Bauhauptgewerbe unternimmt in Sachen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit sehr viel, aber leider wird das öffentlich viel zu wenig gewürdigt. Unsere Branche leistet mit natürlichen Rohstoffen aus der Schweiz einen riesigen Mehrwert, denken wir mal an den Hochwasserschutz aufgrund unserer Kiesförderungen, zum Beispiel. Aber das wird viel zu wenig zur Kenntnis genommen. Marketingmässig müssten wir Baumeister uns anders aufstellen. Die Holzbaubranche ist uns in dieser Hinsicht überlegen. Dass das revidierte öffentliche Beschaffungsrecht Nachhaltigkeitsaspekte mit Punkten bewertet, führt zur Frage, wie dies konkret bemessen und umgesetzt wird. Für mich ist wichtig, dass die Wertschöpfung in unserer Branche bleibt und nicht zunehmend an die Holzwirtschaft verloren geht. Welcher Baumeister am Ende die Bauvolumen der öffentlichen Hand erhält, ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass es ein Baumeister ist. Leider sind öffentliche Ausschreibungen insbesondere von Schulhäusern oder Turnhallen neu in Holzbau geplant. Notabene mit verleimtem Holz, das in Zukunft teuer und speziell entsorgt werden muss. Wir Baumeister bauen mit einheimischen Rohstoffen – im Holzbau kommt das Holz meist aus dem Ausland. Das sollte uns beschäftigen. 

Kevin Triozzi, Leiter Integriertes Managementsystem, Kästli Bau AG 

In der Schweiz stammt der überwiegende Teil der Abfälle aus dem Bau. Mineralische Rückbaumaterialien fallen in sehr grossen Mengen an, ihre Verwertung schont knappen Deponieraum und ersetzt Primärrohstoffe wie Kies und Sand. Darum ist die Zirkularität für uns ein zentrales Geschäfts- und Umweltthema, nicht «nice to have». In unserem Baustoff- und Recyclingzentrum Rubigen bereiten wir Ausbauasphalt, Betonabbruch, Strassenaufbruch, Mischabbruch und Ziegel gezielt auf – unter anderem zu RC-Asphalt-, RC-Beton-, RC-Kies- und RC-Ziegelgranulaten. Die Qualität ist mit natürlichen Baustoffen vergleichbar; entscheidend ist ein sortenreiner Rückbau.  Einheitliche, praxistaugliche Verwendungsempfehlungen sind vorhanden – wenn Bund, Kantone und Gemeinden in Ausschreibungen RC-Baustoffe systematisch zulassen, vorsehen oder positiv werten, steigt der Marktanteil. Die BAFU-Vollzugshilfe zur Verwertung mineralischer Rückbaumaterialien (Art. 20 VVEA) ist ein guter Rahmen. Einheitlicher Vollzug und einfachere Nachweise (z. B. standardisierte QS-Daten) senken die Hürden für Bauherrschaften und Planer. Vorgaben, möglichst vollständig zu verwerten, sparen den knappen Deponieraum und schonen Primärlager – diese Logik gehört in Bewilligungen, Gebühren und Bewirtschaftung konsequent umgesetzt. Materialpässe/BIM-Materialkataloge in der Planung erleichtern eine spätere Wiederverwendung. 

Rahel Klauser, Leiterin Kommunikation Schweiz, STRABAG AG 

Die Kreislaufwirtschaft ist für STRABAG ein zentraler Hebel zur Steigerung der Ressourceneffizienz und zur Erreichung der Klimaziele. Sie steht im Fokus der Nachhaltigkeitsstrategie und ist integraler Bestandteil der Strategie 2030 mit dem Motto «People. Planet. Progress.» STRABAG versteht Kreislaufwirtschaft als ein ganzheitliches Wertstrommanagement über den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken: Von der Rohstoffgewinnung und der Baustoffherstellung über die Projektplanung und Bauausführung bis hin zum Rückbau gilt es, Materialien möglichst effizient zu nutzen und so umfassend wie möglich zu recyceln. Das Unternehmen setzt auf eine Vielzahl konkreter Massnahmen wie die gezielte Verwendung von rezyklierten Baustoffen, Zero-Waste-Baustellen und einen selektiven Rückbau, bei dem Materialien getrennt, sortiert und wiederverwertet werden, Bauen im Bestand sowie digitale Methoden: Schon in der Planungsphase werden Rückbau und Recycling am digitalen Zwilling mitgedacht, um die Lebenszykluskosten und Umweltauswirkungen zu minimieren. Nachhaltige Produktionsstätten müssen staatlich gefördert werden, indem Baubewilligungen rascher erteilt und Einsprachen schneller bereinigt werden. Letzteres gilt auch für das Thema «Bauen im Bestand». Wünschenswert wäre eine erhöhte Risikobereitschaft seitens der Bauherrschaften, damit innovative und nachhaltige Ideen eine Chance erhalten. 

 

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