Wohnungsnot in den Bergen

Immer mehr Menschen in Bergregionen finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr – trotz Zweitwohnungsgesetz. Ein Projekt in Engelberg zeigt, wie es auch anders geht.

Immer mehr Menschen in Bergregionen finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr – trotz Zweitwohnungsgesetz. Ein Projekt in Engelberg zeigt, wie es auch anders geht.

Eine Mutter mit Kind lebt in Bevers und ist im Engadiner Dorf verwurzelt. Allerdings ist ihr Mietvertrag befristet. Sie muss bald aus der Wohnung, findet aber keine neue Bleibe, denn die Lehrwohnungsziffer in Bever beträgt null Prozent, was akuter Wohnungsnot entspricht. In touristischen Bergdörfern gleicht sich das Bild: Immer mehr Einheimische finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr. Dies hat unter anderem mit einer Ausnahme im Zweitwohnungsgesetz zu tun: der Umnutzung von Erst- in Zweitwohnungen. Wohnraum, der vor der Annahme der Initiative gebaut wurde, darf weiterhin zu Zweitwohnungen umgenutzt werden.

Es geht aber auch anders: In Engelberg entsteht das Projekt «Bezahlbarer Wohnraum für Engelberg», bei dem Wohnungen nicht als Zweitwohnungen vergeben werden. In Engelberg beträgt der Zweitwohnungsanteil 60 Prozent (Oktober 2024), deshalb dürfen hier keine Zweitwohnungen mehr gebaut werden. Hinter dem Projekt stehen das Benediktinerkloster Engelberg sowie die Bürgergemeinde und die Einwohnergemeinde Engelberg, die zu diesem Zweck die Gesellschaft Wohnraum für Engelberg AG gegründet haben.

Geplant ist, auf einem über 9000 Quadratmeter grossen Grundstück sechs Wohnhäuser sowie ein Gewerbe- und Wohnhaus zu bauen, insgesamt 93 Wohneinheiten. Vermietungen als Zweitwohnungen oder via Airbnb sind nicht zugelassen. Die Vergabe der Wohnungen erfolgt nach einem definierten Punktesystem an Personen mit Wohnsitz in Engelberg – unter Berücksichtigung von Bürgerrecht, Wohnsitzdauer und Verhältnis von Wohnungsgrösse und Belegung.

 

Autor: Werner Schüepp

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