Zweites Leben für Bauabfälle

In Birsfelden (BL) entsteht derzeit eine der grössten und technologisch fortschrittlichsten Bodenwaschanlagen der Schweiz. Ziel des Vorhabens ist die gezielte Rückführung von mineralischen Bauabfällen und Aushubmaterialien in den Baustoffkreislauf.

In Birsfelden (BL) entsteht derzeit eine der grössten und technologisch fortschrittlichsten Bodenwaschanlagen der Schweiz. Ziel des Vorhabens ist die gezielte Rückführung von mineralischen Bauabfällen und Aushubmaterialien in den Baustoffkreislauf.

Wo gebaut wird, entstehen Abfälle. Der Schweizer Bausektor generiert jährlich mehrere Millionen Tonnen mineralischer Abfälle – hauptsächlich aus Rückbau und Aushub. Während Rückbaumaterialien wie Beton, Ziegel oder Mauerwerk durch Brech- und Siebprozesse bereits heute als Sekundärbaustoffe aufbereitet werden, ist der Anteil verwerteten Aushubmaterials nach wie vor limitiert. Insbesondere bei kontaminierten Fraktionen (zum Beispiel Typ E oder S) stösst die konventionelle Entsorgung an ökologische und ökonomische Grenzen.

Hier setzt das Vorhaben der Baustoff Recycling Nordwestschweiz AG (BRN) an: Auf dem Areal einer ehemaligen Grube in Birsfelden wird bis 2028 eine hochmoderne Boden- und Aushubwaschanlage errichtet. Sie ist ausgelegt für die Behandlung und Rückgewinnung verschiedenster mineralischer Fraktionen – inklusive stark belasteter Materialien – unter Einsatz innovativer physikalisch-mechanischer und gegebenenfalls chemisch unterstützter Verfahren. Die Anlage wird per LKW und Bahn erschlossen und bietet eine umfassende Infrastruktur zur Annahme, Vorbehandlung, Fraktionierung, Reinigung und Klassierung der angelieferten Materialien. Das Ziel ist die Produktion gütegesicherter Recyclingbaustoffe gemäss SN EN 13242 sowie der entsprechenden VSS-Normen, die im Hoch- und Tiefbau gleichwertig zu Primärmaterialien eingesetzt werden können.

Mit Akzeptanz zum Markterfolg

Trotz technischer Reife der Verfahren besteht auf Bauherrenseite teilweise Zurückhaltung gegenüber der Verwendung von Recyclingmaterialien – insbesondere bei öffentlichen Bauvorhaben. Roger Borer, stellvertretender Geschäftsführer der Albin Borer AG und seit 25 Jahren im Bereich Baustoffrecycling engagiert, sieht hier Handlungsbedarf «Der öffentliche Sektor sollte mit gutem Beispiel vorangehen und in Ausschreibungen konsequent Rezyklate einfordern. Nachhaltigkeitskriterien müssen in der Bewertung von Submissionen stärker gewichtet werden – nicht nur Preis und Fristen.» Neben technischer Qualität sei es entscheidend, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von Recyclingbaustoffen zu schaffen. Dazu brauche es gezielte Aufklärungsarbeit bei Entscheidungsträgern in Bauämtern, Planung und Politik.

Neue Massstäbe im Baustoffrecycling ab 2028

Die Umsetzung der Anlage erfolgt etappiert. Im Dezember 2023 begann der Bau der Annahmestelle. Im ersten Quartal 2025 wurden die Annahmeboxen für Typ-A-Materialien auf dem östlichen Areal erstmals in Betrieb genommen. Die tragenden Bodenplatten im mittleren Areal sind erstellt und dienen künftig als Umschlag- und Zwischenlagerfläche. Parallel dazu schreitet die Altlastensanierung im westlichen Teil des Geländes voran, wo die zentrale Prozesslinie errichtet wird. Der Vollbetrieb ist auf das Jahr 2028 angesetzt. Im Endausbau wird die Anlage eine Jahreskapazität von mehreren hunderttausend Tonnen erreichen.

Das Projekt in Birsfelden wird bei seiner Fertigstellung neue Massstäbe im Bereich Baustoffrecycling in der Schweiz setzen. Es vereint ökologische Notwendigkeit mit technischer Innovation und zeigt, wie geschlossene Stoffkreisläufe im Bauwesen auch im grossindustriellen Massstab erfolgreich umgesetzt werden können.

 

Autor: Werner Schüepp

 

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Schweizerischer Baumeisterverband

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