Ein Tag für die Sicherheit

Lernende lernen Grundlagen zur Arbeitssicherheit

Der Arbeitsalltag auf dem Bau ist nicht ungefährlich. Sicherheit hat daher für Arbeitgeber und Arbeitnehmer höchsten Stellenwert. Um die Anzahl Berufsunfälle weiter zu reduzieren und besonders Lernende für Gefahren zu sensibilisieren, fand in der Maurerlehrhalle Gossau im Kanton St.Gallen ein «Sicherheitstag» statt.

Alle zwei Minuten passiert in der Schweiz ein Berufsunfall. Bis du diesen Blog-Beitrag gelesen hast, sind drei weitere Menschen an ihrem Arbeitsplatz verunfallt. Während die meisten Unfälle nicht am Arbeitsplatz, sondern in der Freizeit geschehen, zeigt ein Blick auf die Berufsunfall-Statistik, dass die Gefahr auch im Bauwesen nicht zu unterschätzen ist.

Dabei sind insbesondere Lernende Gefahren ausgesetzt. Manchmal sitzen Abläufe und Handgriffe noch nicht genügend, manchmal herrscht Verunsicherung. «Lernende haben ein 1,5x höheres Risiko als Ausgelernte», sagt Nicola Fonseca, Präventionsberater bei der Suva in St. Gallen.

 

 

Bauarbeit wird sicherer

Wer etwa die Zahlen von 1997 mit denen von heute vergleicht, stellt fest: Bauberufe werden immer sicherer. Wurden vor 25 Jahren noch rund 250 Unfälle auf 1000 Beschäftigte registriert, sind es heute noch rund 150 Unfälle. Zur Erhöhung der Berufssicherheit haben Meilensteine wie die Einführung der Helmpflicht geführt.

 

Wann ist ein Unfall ein (Berufs-)Unfall?

Unfälle werden registriert, sobald ärztliche Unterstützung hinzugezogen wird. Dazu gehören Bagatellunfälle wie etwa ein Schnitt in den Finger bis hin zu schweren Verletzungen. Ereignet sich ein Unfall auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsplatz, wird dieser als Berufsunfall gewertet. In der Schweiz gibt es jährlich 850’000 Unfälle. Zwei Drittel sind Nichtberufsunfälle, ein Drittel Berufsunfälle.

Roman Pfister ist zu 50 % Bauführer und zu 50 % Sicherheitsbeauftragter beim Ostschweizer Bauunternehmen Hastag St.Gallen Bau AG und befasst sich eingehend mit der Thematik. «Es gibt zahlreiche Gefahren, aber man kann etwas dagegen tun», sagt er. Er möchte den Lernenden im Bauwesen die Grundlagen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz vermitteln. Und die Lernenden dafür sensibilisieren, dass «man auch Stopp sagen darf, wenn es gefährlich wird.»

Um diese Botschaft besonders effektiv vermitteln zu können, kontaktierten Roman Pfister und sein Unternehmen Hastag St.Gallen Bau AG gemeinsam mit SUVA St.Gallen den Baumeisterverband Kanton St.Gallen, um einen «Sicherheitstag» zu konzipieren.

Vielversprechende Erfahrung

Nun fand der erste Sicherheits-Tag im Rahmen des regulären überbetrieblichen Kurses statt. Statt in Kursblöcken auf vier oder fünf Tage verteilt, gibt es beim Sicherheitstag einen Tag lang konzentriert Input.

Berufsunfälle haben vielfältige Ursachen. Manchmal ist viel Pech dabei, aber viele Unfälle wären ohne Stress und Zeitdruck vermeidbar gewesen. Der Klassiker: Man möchte Zeit und Kosten sparen, macht schnell etwas und schon ist der Unfall passiert. «Geld spart man, wenn es nicht zu einem Unfall kommt. Das muss man von verschiedenen Seiten hören», bringt es Roman Pfister auf den Punkt. Ob auf der Baustelle, vom Arbeitgeber, zuhause oder unter Kollegen. Ob es nun um den Bauhelm, den Velo-, Ski- oder Skaterhelm geht. «Die Botschaft bleibt die gleiche: Schütze deinen Kopf.»

Nicola Fonseca pflichtet bei. «Die Lernenden sollen auch in ihrer Freizeit sicher unterwegs sein», sagt er. Was am Sicherheitstag vermittelt wird, geht weit über das Berufsleben hinaus, das Bewusstsein für Gefahren wird allgemein geschärft.

Die Lernenden als Vorbild

Unter den 30 Teilnehmenden sind auch Cederic Raschle und Tobias Wälle, beide im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung zum Maurer EFZ. In ihrer erst einige Wochen langen Lehrzeit sind sie noch nicht in gefährliche Situationen geraten. Aufmerksam folgen sie dem Kursinhalt und prägen sich gewisse Posten genau ein. «Der Input zur persönlichen Schutzausrüstung war besonders nützlich für mich», sagt Tobias Wälle, der bei der J. Schneider AG in St. Peterzell im Einsatz ist. Auch für Cederic Raschle ist klar geworden: «Man sollte sich in mehrerer Hinsicht schützen – dazu gehören Schutzbrille, Handschuhe, Helm und auch der Gehörschutz.»

Wichtige Inputs erhalten sie auch von Sicherheits- oder Lehrlingsverantwortlichen auf der Baustelle selbst. «Wenn ich nicht sicher bin, frage ich den Vorgesetzten», sagt Cederic.

Ein Sicherheitstag für alle Lernenden

Doch es wird auch vorkommen, dass die Lernenden am Arbeitsplatz selbst die Rolle eines Vorbilds einnehmen können, nachdem im Kurs ihre Aufmerksamkeit auf die Arbeitssicherheit gelenkt worden ist, ist Roman Pfister überzeugt.

Am Sicherheitstag zeigt sich auch: Nicht nur für Firmen ist das Thema Sicherheit wichtig. Auch gut 25 Elternteile haben sich angemeldet, um am Nachmittag dabei zu sein und sich mit dem Organisationsteam auszutauschen. «Das Interesse der Eltern ist ein gutes Zeichen», stellt René Engetschwiler vom Baumeisterverband Kanton St.Gallen erfreut fest.

Nach der Durchführung des Sicherheitstags werden die Hastag St.Gallen Bau AG, die Suva und der Baumeisterverband Kanton St.Gallen den Event evaluieren. «Wir möchten schweizweit einen solchen Tag für alle Lernenden in der Baubranche etablieren», sagt Nicola Fonseca. «Dann könnten wir auch Menschen erreichen, die in kleineren Betrieben tätig sind.»

Über den Autor

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Petra Stocker

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