Fachkräftemangel im Bau: Mit Strategie und digitaler Technologie abfedern

Das Schweizer Baugewerbe sieht sich einem zunehmenden Dilemma gegenüber: dem Fachkräftemangel. Diese Herausforderung ist nicht nur ein lokales Anliegen. Es manifestiert sich als kritischer Engpass für die gesamte Wirtschaft. Die wachsende Nachfrage nach Bauprojekten in der wachsenden Schweizer Wirtschaft steht im starken Kontrast zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im Bau. Dies gefährdet die zeitgerechte Fertigstellung von Projekten und hat potenzielle Auswirkungen auf die langfristige wirtschaftliche Entwicklung des Landes. In diesem Blogartikel zeigen wir auf, mit welchen Strategien und Technologien der Fachkräftemangel abfedern lässt.

Wie ist die Lage im Bau bezüglich Fachkräftemangel?

Die aktuelle Lage auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt für qualifizierte Arbeitskräfte ist von einem deutlichen Mangel geprägt. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich, zu denen der demografische Wandel, ein Rückgang des Interesses an handwerklichen Berufen und bürokratischen Hürden für ausländische Fachkräfte zählen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, offene Stellen zeitnah besetzen zu müssen. Das führt zu Verzögerungen in Bauprojekten und einem erhöhten Wettbewerbsdruck. Zudem steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften mit technischem Know-how, was die Rekrutierung weiter erschwert.

Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Baubranche

Der Personalengpass im Handwerk und im Speziellen in der Baubranche hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen. Er führt zu Verzögerungen bei Bauprojekten, Qualitätsproblemen und erhöhten Sicherheitsrisiken. Die unbesetzten Stellen haben eine Überlastung verfügbarer Arbeitskräfte zur Folge, was die Aufmerksamkeit für präzise Arbeit und Sicherheitsprotokolle beeinträchtigt. Diese Qualitätsprobleme können darüber hinaus langfristige Folgen für die Reputation von Baufirmen haben.

Fachkräftemangel im Handwerk führt zu erhöhten Kosten im Bau

Die Fachkräfteknappheit führt zu erhöhten Kosten für die Unternehmen im Bau. Die Konkurrenz um verfügbare Fachkräfte verschärft den Wettbewerb und treibt die Lohnkosten in die Höhe. Dies wiederum führt zu Preissteigerungen bei Bauprojekten, was Unternehmen einen unvorteilhaften Wettbewerbsnachteil bringt. Insgesamt beeinträchtigt die Fachkräfteknappheit die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Baubranche in der Schweiz und stellt eine zentrale Herausforderung für die nachhaltige Entwicklung der Branche dar.

Handlungsempfehlungen: Personalnotstand bewältigen
1. Investition in Aus- und Weiterbildung

Unternehmen können langfristig Fachkräfte finden, indem sie in Ausbildungsprogramme investieren und ihre bestehenden Mitarbeiter durch gezielte Schulungen und Weiterbildungen fördern. Dies trägt zur internen Talententwicklung bei und erhöht die Attraktivität des Unternehmens für potenzielle Fachkräfte.

2. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen

Durch enge Kooperationen mit Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten können Unternehmen sicherstellen, dass die Ausbildungsgänge den Bedürfnissen der Branche entsprechen. Praktika, Lehrstellen und duale Studiengänge können dazu beitragen, frühzeitig fehlende Fachkräfte zu gewinnen.

3. Internationales Recruitment

Unternehmen sollten ihre Rekrutierungsbemühungen international ausweiten, um dem Facharbeitermangel entgegenzuwirken und qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuziehen. Die Vereinfachung von Visa- und Arbeitsgenehmigungsverfahren kann dabei unterstützen.

4. Förderung der Digitalisierung und Technologisierung

Die Einführung innovativer Technologien und digitaler Prozesse steigert die Effizienz und reduziert den Bedarf an manueller Arbeit. Dies ermöglicht es Unternehmen, auch mit einem begrenzten Arbeitskräftepool den Herausforderungen des Arbeitsmarkts zu begegnen und produktiv zu bleiben.

5. Attraktivere Arbeitsbedingungen und Benefits

Unternehmen sollten darauf abzielen, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Dies umfasst wettbewerbsfähige Gehälter, flexible Arbeitszeiten, gute Aufstiegschancen und zusätzliche Benefits wie betriebliche Altersvorsorge oder Gesundheitsleistungen. So sind Sie in der Lage, auf dem Arbeitsmarkt qualifizierte Arbeitskräfte für sich zu gewinnen und einem Personalengpass im Bau entgegenzuwirken.

6. Netzwerkaufbau und Branchenkontakte

Eine aktive Beteiligung an Branchenverbänden, Messen und Networking-Veranstaltungen ermöglicht es Unternehmen in der Bauindustrie, potenzielle Fachkräfte zu finden, sich mit ihnen zu vernetzen und ihre Sichtbarkeit in der Branche zu erhöhen.

7. Förderung der Vielfalt

Unternehmen sollten eine diversitätsorientierte Einstellungspraxis fördern, um einen breiteren Pool von Talenten anzusprechen. Unterrepräsentierte Gruppen können so besser in die Baubranche integriert werden.

8. Attraktivität der Baubranche allgemein erhöhen

Ein Problem ist, dass viele Bauunternehmen keine Lehrlinge mehr finden, weil alle in die IT wollen. Auch der SBV hat sich zu diesem Thema bereits geäussert, denn die Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen sind vielfältig im Bau in der Schweiz.

Personalmangel im Bau mit IT-Technologie

Digitale IT-Technologien spielen eine entscheidende Rolle dabei, den Fachkräftemangel in Handwerk und Baugewerbe zu mildern. Die Integration digitaler Technologien kann dazu beitragen, die Produktivität im Bau zu steigern und die Branche insgesamt effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten. Hier sind einige Wege, wie digitale Technologien wie Softwares dazu beitragen können:

  1. Automatisierung von Arbeitsprozessen: Durch die Implementierung automatisierter Bauprozesse steigern Unternehmen ihre Effizienz und reduzieren die Abhängigkeit von manueller Arbeit. So lassen sich auch mit begrenztem Personal der Arbeitskräftebedarf decken und mehr Projekte durchzuführen.
  2. Bauinformatik und digitale Planungstools: Der Einsatz von digitalen Planungstools und Bauinformatik erleichtert die Projektverwaltung und -koordination. Dies ermöglicht ein präziseres Ressourcen-Management und minimiert potenzielle Engpässe, die durch den Fachkräftemangel verursacht werden.
  3. BIM (Building Information Modeling): BIM ermöglicht eine umfassende digitale Darstellung von Bauprojekten, von der Planung bis zur Ausführung. Das verbessert die Zusammenarbeit, reduziert Fehler und ermöglicht eine effizientere Nutzung der verfügbaren Arbeitskräfte.
  4. Fernüberwachung und -steuerung: Mit Hilfe von Sensoren und IoT-Technologien können Baustellen fernüberwacht und gesteuert werden. So kann man den Bedarf an physischer Präsenz vor Ort reduzieren und dennoch die Qualität und Sicherheit der Arbeiten gewährleisten.
  5. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR): Diese Technologien ermöglichen virtuelle Schulungen und Simulationen für Bauarbeiter, wodurch sie ihre Fähigkeiten verbessern können, ohne physisch anwesend zu sein. Dies ist besonders nützlich für die Ausbildung neuer Mitarbeiter.
  6. Robotik im Bauwesen: Der Einsatz von Baurobotern für bestimmte Aufgaben, wie das Setzen von Mauersteinen oder das Schweissen von Stahl, kann den Bedarf an hochspezialisierten Fachkräften reduzieren und gleichzeitig die Produktivität steigern.
  7. Mobile Anwendungen und Cloud-Lösungen: Durch den Einsatz von mobilen Anwendungen und Cloud-Lösungen können Bauprojekte effektiver verwaltet werden. Das erleichtert die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Teams, unabhängig von ihrem Standort.
Fachkräftemangel abfedern: Wie SORBA unterstützen kann

  • Integration digitaler Technologien: Mit der Implementierung von digitalen Technologien wie der Bau-Gesamtlösung mySORBA in bestehende IT-Systeme erhöhen Unternehmen ihre Effizienz und ermöglichen eine produktivere Nutzung vorhandener Ressourcen.

  • Schulungsprogramme: Mit der Durchführung von Schulungsprogrammen lernen Nutzer den routinierten Umgang mit der mySORBA-Software. Durch die Nutzung dieser Software ist es möglich, den Fachkräftemangel im Bau durch effiziente Bauplanung und -durchführung abzumildern.
Integration digitaler Technologien gegen Personalmangel

Die Herausforderung des Fachkräftemangels im Schweizer Baugewerbe ist nicht nur lokal, sondern hat weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Verzögerungen in Bauprojekten, Qualitätsprobleme und steigende Kosten sind nur einige der spürbaren Konsequenzen. In diesem Kontext ist die Integration digitaler Technologien und die Umsetzung strategischer Massnahmen, wie Aus- und Weiterbildungsprogramme, internationale Rekrutierung und die Förderung von Vielfalt, entscheidend, um diese Herausforderung anzugehen und die Branche langfristig zu stärken.

Über den Autor

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Séverine Gremper

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