Werkzeug für zukunftsfähiges Bauen

Im Zentrum der SIA-Fachtagung «Planen und Bauen in Projektallianzen» vom 26. September 2023 stand das Merkblatt «SIA 2065», das noch bis zum 16. Oktober 2023 in der Vernehmlassung ist.

 

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) habe sich in die Erarbeitung des Merkblattes «SIA 2065» zum Planen und Bauen in Projektallianzen stark eingebracht, erklärte Gian-Luca Lardi, SBV-Zentralpräsident, an der Tagung. Die Schweiz stehe vor grossen Herausforderungen, zum Beispiel bei der Schaffung von zukunftsfähigem Wohnraum. Um die Bodenressourcen zu schonen, werde Bauen im Bestand immer wichtiger. Das bedinge innovative Lösungen, die gemeinsam von den Projektpartnern erarbeitet werden sollen. Lardi zeigte sich überzeugt, dass so Auseinandersetzungen zwischen den Bauherren und den -unternehmern vermieden werden können, was die Freude am Bauen steigere. «Der SBV setzt sich seit Jahren dafür ein, zurück zu einer Vertrauenskultur zu finden», so Lardi. Weiter wehrte sich Lardi gegen Überregulierungen im Bau. Diese seien hinderlich. Es gehe, betonte Lardi, primär um die Zusammenarbeit und sekundär um die Verträge. Man müsse das richtige Mindset zur Zusammenarbeit erlangen, und erst wenn dieses stimme, Verträge aufsetzen. Wie Lardi waren auch andere Referenten oder Podiumsteilnehmende der Fachtagung überzeugt, dass Projektallianzen es der Schweizer Bauwirtschaft ermöglichen, komplexe Bauprojekte effizient und qualitativ hochstehend abzuwickeln, um so der Schweiz die benötigte Infrastruktur, etwa zur Energiegewinnung, bereitzustellen. Auch wenn Projektallianzen insbesondere bei grösseren Bauprojekten zum Zug kämen, seien sie auch für Bau-KMU ein Thema, wurde an der Fachtagung betont. Sie sollen ein zirkuläres, ressourcenschonendes und emissionsarmes Bauen erleichtern, weil es neue Abläufe gibt. Bei einer Projektallianz werden die Risiken gemeinsam getragen, und es gibt eine anreizbasierte Vergütung nach Projekterfolg. Projektallianzen aus dem Ausland basieren teilweise auf einer anderen Gesetzgebung als der schweizerischen und können darum hier nicht 1:1 umgesetzt werden. Darum braucht es ein Schweizer Modell einer Projektallianz.

Grundsätzlich gilt bei Projektallianzen eine Einstimmigkeit, wobei das Merkblatt der Bauherrschaft die Möglichkeit gibt, einige wenige Entscheide allein zu fällen, etwa den Abbruch der Übung. Innerhalb von ermittelten Zielkosten werden alle nachgewiesenen Kosten bezahlt. Der Mehraufwand wird von allen getragen. Nur für grobfahrlässige Fehler haftet der Bauunternehmer, ansonsten wird nicht der Schuldige gesucht, sondern die Lösung des Problems. Weil für die Mängelbehebung auch Zielkosten festgelegt werden, können Nachtragskredite vermieden werden. Bauherr und -unternehmer definieren den Leistungsumfang gemeinsam, wie auch das Projekt gemeinsam erarbeitet wird. Der Bauunternehmer ist so schon in einer frühen Phase des Projekts mit von der Partie. Die Fachtagung in Bern zeigte das grosse Interesse der Branche an Projektallianzen. Es kam immer wieder zu interessanten Diskussionen.

Die Inkraftsetzung des Merkblattes «SIA 2065» ist für den August 2024 vorgesehen. Auf dieses Datum hin sollen auch Musterverträge ausgearbeitet werden.

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin / Spezialistin Kommunikation

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