«Bei uns geht es auch im Teilzeitpensum»

Sandra Salvador-Ziegler leitet als CEO in vierter Generation die Ziegler AG. Sie denkt, dass Diversität der Baubranche gut tut.

 

Der Einstieg von Sandra Salvador-Ziegler ins Familienunternehmen Ziegler AG wurde quasi zu Hause am Küchentisch entschieden. Im Unternehmen wurde der Personalverantwortliche pensioniert, und Salvador-Ziegler hatte eine Weiterbildung als Personalfachfrau. Also fragte sie der Vater an, ob sie es sich vorstellen könne, für das Unternehmen, das ihr Urgrossvater mitgegründet hatte, zu arbeiten. Salvador-Ziegler wollte. «Ich bin dem Unternehmen schon immer sehr verbunden gewesen», erzählt sie, «auch weil ich eine enge Bindung zu meinen Eltern habe. Allerdings war mir im jugendlichen Alter nicht klar gewesen, dass ich einmal in den Familienbetrieb einsteigen würde. Darum habe ich damals eine kaufmännische Ausbildung gewählt und keine Lehre auf dem Bau.»

 

Kontinuität war wichtig

Als Personalverantwortliche hatte sie viel Kontakt mit den Mitarbeitenden. «Daher kenne ich sie auch heute noch alle. Das ist ein Vorteil», sagt Salvador-Ziegler. Für das Team sei es wichtig gewesen, dass die vierte Generation in das Unternehmen einsteigt, weil das für Kontinuität sorgt. «Daher haben sich die Mitarbeitenden gefreut, als ich gekommen bin. Ihren Respekt musste ich mir aber erarbeiten. Aber das ist nicht abhängig vom Geschlecht.» Schon ihrem Grossvater seien die Mitarbeitenden sehr wichtig gewesen, erzählt sie. «Mein Urgrossvater verstarb bereits im Gründungsjahr, daher kann ich über ihn nicht viel erzählen. Aber mein Grossvater legte grossen Wert auf die Nachhaltigkeit, auf die Umwelt, aber auch um die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden. Diese Philosophie prägt uns noch heute.»

Salvador-Ziegler hat sich sehr gezielt Bauwissen angeeignet und sich entsprechend weitergebildet. Weil die Ziegler AG eine grosse Logistikabteilung führt, hat sie sogar den Führerschein für LKWs absolviert. Das hat die Mitarbeitenden beeindruckt.

Führen Frauen anders als Männer? Das könne man so nicht sagen, meint Salvador-Ziegler. «Jeder hat einen eigenen Führungsstil. Das ist auch von der Persönlichkeit abhängig.»

Für Salvador-Ziegler ist eine gute Durchmischung in einem Betrieb wichtig. «Daher braucht es Frauen auf dem Bau.» Allerdings müsste sich dafür organisatorisch einiges ändern. «Ich selbst bin Mutter von zwei kleinen Kindern, daher arbeite ich 80 Prozent. Aber das ist kein frauenspezifisches Phänomen. Auch Männer wollen immer mehr Teilzeit arbeiten, um die Kinder mitbetreuen zu können und weil ihre Partnerinnen erwerbstätig sind. Die heutigen Frauen sind sehr gut ausgebildet, sie wollen daher mehr als nur 40 Prozent arbeiten. Da muss der Partner mitziehen.» Salvador-Ziegler denkt, dass dies aber schlussendlich der Wirtschaft nützt, weil sie so auf mehr qualifizierte Fachkräfte zählen kann. Wichtig sei, dass die Firmen mitzögen. «Wir haben in unserem Unternehmen dafür gesorgt, dass alle Stellen auch in einem Teilzeitpensum bewältigt werden können. Das ist ein organisatorischer Mehraufwand, es ist aber die Zukunft. Daher lohnt es sich, Teilzeitstellen anzubieten – nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.»

Salvador-Ziegler räumt ein, dass ihre Tätigkeit einen grossen Spagat von ihr verlangt. «Mein Mann und meine Familie unterstützen mich sehr. Das ist sehr schön.»

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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