«Die föderalistische Struktur ist eine unserer Stärken»

Im Jubiläumsjahr «125 Jahre SBV» steht die Baubranche gut da und ist wichtig für die Gesamtwirtschaft, wie Gian-Luca Lardi im Interview betont. Der Verband konnte sich im Laufe seiner Geschichte eine starke Position aufbauen. Weiter verrät Lardi, worauf er sich bei den Jubiläumsfeierlichkeiten am meisten freut.  

 

Jedes Jahr hat grosse und kleine Erfolge. Welches Ereignis bleibt Ihnen im Rückblick auf 2021 besonders in Erinnerung? 

Der wichtigste Erfolg kam für mich kurz vor Jahresende mit der Reform der Altersvorsorge. Mit dem von uns mitlancierten Mittelweg ist endlich ein grosser Schritt zur Revision der 2. Säule gelungen. In enger Abstimmung mit anderen Branchenverbänden konnten wir auf oberster politischer Ebene ein zentrales Thema in unserem Sinne beeinflussen. Nach dem BöB ist das ein zweiter Grosserfolg in Bundesbern. Beide Beispiele zeigen, was möglich ist, wenn man partnerschaftlich zusammenarbeitet: alle für einen, einer für alle. So schaffen wir Mehrwert für unsere Mitglieder und für alle Arbeitgeber.

 

Nun zeigen sich die Erfolge auf der gesetzgeberischen Ebene meist erst später. Wie hilft der Verband den Bauunternehmenumeistern im Alltag? 

Tatsächlich ist die politische Arbeit vor allem langfristig ausgelegt. Für den Alltag auf der Baustelle bieten wir eine Vielzahl von Dienstleistungen für technische und betriebswirtschaftliche Fragen. Auch unser Rechtsdienst unterstützt Mitglieder in ihrer täglichen Arbeit. Und vergessen wir nicht: In den ersten Monaten der Pandemie ist es uns gelungen, mit Bauherren pragmatische Lösungen zum Offenhalten der Baustellen zu finden. Das hat den Bauunternehmern enorm geholfen.

 

Interessant, dass Sie Corona erst jetzt erwähnt haben… 

In der Pandemie haben wir gezeigt, zu was die Baubranche im Stande ist. Unter schwierigen Rahmenbedingungen haben die Bauunternehmen Topleistungen erbracht. Natürlich profitieren wir jetzt auch von einem Corona-bedingten Nachholbedarf. Wir freuen uns an der guten Auslastung, gleichzeitig sind unsere Ressourcen knapp. Diese Ausgangslage sollten wir nun endlich als Chance nutzen, um den Nachfrageüberhang in höhere Preise umzumünzen.

 

Wie hat sich der SBV als Verband entwickelt? 

Die Geschäftsstelle hat auch 2021 an Effizienz und Effektivität weiter zugelegt. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Entwicklung wie auch mit der Zusammenarbeit mit den meisten Sektionen und Regionen. Die föderalistische Struktur des SBV ist eine unserer Stärken. Offene Baustellen haben wir bei einzelnen angeschlossenen Institutionen. Hier erwarte ich, dass die uns in Aussicht gestellten Verbesserungen auf operativer Ebene erfolgreich umgesetzt werden.

 

Der SBV hat sich auch letztes Jahr stark für die Nachhaltigkeit eingesetzt. Warum? 

Es ist unbestritten, dass wir uns auch auf dem Bau mit dem Klimawandel beschäftigen müssen. Mit der Modernisierung des Gebäudeparks und der Verdichtung im urbanen Umfeld haben wir schon vor Jahren Lösungen aufgezeigt. Innovative Firmen entwickeln neue Technologien und Produkte zur Reduktion des Fussabdrucks. Die Kreislaufwirtschaft steht aber im Mittelpunkt; die grösste Herausforderung ist die CO2-Reduktion im Beton. Als Macher wissen Bauunternehmerinnen und Bauunternehmer, dass ein Festhalten an der Vergangenheit selten ein Problem gelöst hat, sondern ein fokussierter Blick nach vorne nötig ist.

 

Wie stellen Sie sich zur Digitalisierung? Auch eine grosse Herausforderung für den Bau?  

Trotz Digitalisierung und Automatisierung benötigt der Bau auch auf lange Frist hochqualifizierte wie auch niedrigqualifizierte Arbeitskräfte. Das unterstreicht die Bedeutung unserer Branche für die Gesamtwirtschaft. Die Anforderungen an unsere Mitarbeitenden ändern sich, was neue Fähigkeiten und damit ein modernes Aus- und Weiterbildungskonzept bedingt. Ich bin zuversichtlich, dass unser Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» innerhalb der zeitlichen Vorgaben umgesetzt werden kann. Wir sind auf Kurs!

 

Was steht im laufenden Jahr an?

Die unmittelbarste Herausforderung ist der LMV 2023+. Wir wollen einen Gesamtarbeitsvertrag, jedoch nicht um jeden Preis. Wir fordern mehr Flexibilität und weniger Bürokratie. Nur so lassen sich die attraktiven Arbeitsplätze auf dem Bau erhalten. Für den Erfolg der Verhandlungen brauchen wir auch verbandsintern Kompromissbereitschaft und Solidarität.

 

Zuerst allerdings wird anfangs Mai das 125-jährige Jubiläum gefeiert …

Richtig, die Feierlichkeiten möchte ich zum gestärkten Blick nach vorne nutzen. Es ist sehr wichtig, dass sich die Baufachleute nach zwei Jahren wieder physisch treffen und wir einen grossen Netzwerkanlass durchführen können. So freue ich mich auf möglichst viele Begegnungen an diesem besonderen Fest.

Den SBV-Jahresbericht finden Sie hier.

 

Über den Autor

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Thomas Staffelbach

Chefredaktor

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