«Wir wollen einer der top-fünf Verbände bleiben»

125 Jahre SBV: Statt zurückzublicken, schaut SBV-Zentralpräsident Gian-Luca Lardi lieber nach vorne. Schliesslich lautet das Motto des SBV: «Wir gestalten die Zukunft». Im Interview erläutert er, was den SBV stark macht und worauf er stolz ist.

 

Der SBV feiert 125 Jahre. Welche Erfolge hat der SBV in seiner Geschichte erzielt?

Es wäre vermessen, einzelne Erfolge aufzulisten, weil das Risiko zu gross ist, dass man nur auf die jüngere Vergangenheit zurückschaut. Hingegen ist das Jubiläum an sich ein grosser Erfolg: Wir haben nicht nur «überlebt», sondern befinden uns trotz des stolzen Alters von 125 Jahren in einer Blütezeit, wir haben uns immer wieder neu erfunden. Der Verband wird national wahrgenommen, obwohl der Beitrag der Bauwirtschaft an die Gesamtwirtschaft geschrumpft ist:. Vor einigen Jahrzehnten steuerte die Bauwirtschaft noch 20 Prozent des BIP herbei, heute leistet sie etwa noch die Hälfte davon. Der SBV ist nichtsdestotrotz stärker und präsenter denn je, denn er ist sehr gut aufgestellt.

 

Wo steht der SBV heute?

Auf dem politischen Parkett haben wir uns eine gehörte, zuverlässige und pragmatische Stimme erarbeitet;, diese setzen wir zu Gunsten unserer Mitglieder ein. Als Sozialpartner bieten wir europaweit die höchsten Löhne in Handwerkerberufen sowie eine Lösung für die Frühpensionierung an. Aus heutiger Sicht war man bei der Einführung des flexiblen Altersrücktritts zu optimistisch. Es wurden Standards eingeführt, deren Nachhaltigkeit heute in Frage gestellt ist, weil damals die Demografie ausgeblendet wurde. Das stellt für die Sozialpartner eine grosse Herausforderung dar, aber dieser stellen wir uns selbstverständlich. Neben den älteren, verdienten Mitarbeitenden müssen wir aber die jungen im Fokus haben. Als Bildungsverantwortliche und OdA (Organisation der Arbeitswelt) bilden wir unsere Mitarbeitenden aus und legen mit dem Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» die Grundsteine für die Transformation unserer Branche auf der Bildungsseite. Die Digitalisierung und die Automatisierung sind auch in der Baubranche ein grosses Thema – was das betrifft, beschreitet der Campus Sursee ja innovative und moderne Wege. Und zwar sowohl im Erarbeiten der entsprechenden Lerninhalte als auch bei der Wissensvermittlung.

 

Was ist die Stärke des SBV?

Seine föderalistische Organisation, das heisst, die Zusammenarbeit zwischen den kantonalen Sektionen, den Fachverbänden und dem nationalen Verband. Sie ermöglichen landesweite Initiativen mit lokaler Präsenz. Egal ob klein oder gross: Bauen ist und bleibt ein lokales Geschäft! Ein weiterer Pluspunkt ist die Solidarität, unser starker Zusammenhalt, den kleine Scharmützeln, zu denen es natürlicher hin und wieder kommt, noch stärken. Wir Baumeister halten zusammen! Und last but not least möchte ich unsere Geschäftsstelle erwähnen mit den vielen, engagierten Spezialisten, die unserem Verband Durchschlagskraft geben.

 

Wo soll der SBV im Jahre 2030 stehen?

Der SBV soll im Jahre 2030 weiterhin einen breiten Teil der Bauwirtschaft abdecken und einer der top-fünf Branchenverbände bleiben. Das erreicht man, indem man stets die Bedürfnisse unserer Mitglieder in den Vordergrund stellt, kompromisslos und in allem, was man tut.

 

Campus Sursee feiert 50 Jahre. Welche Bedeutung hat der Campus Sursee für den SBV?

Ich gratuliere dem Campus und bin stolz auf das, was aus diesen 50 Jahren geworden ist!. Ohne den SBV gäbe es den Campus in der heutigen Form nicht, und ohne den Campus wäre der SBV nicht das, was er heute ist. Wir gehören zusammen und brauchen einander, eine win-win Situation, welche allerdings auch von beiden Seiten Kompromissbereitschaft und Solidarität erfordert.

 

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktorin

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