Dumme Fragen sind nur die, die keiner stellt

Viele Regulierungen erweisen sich in der Praxis als zu wenig tauglich oder sind trotz detaillierter Beschreibungen unvollständig. In solchen Fällen helfen SBV-Mitglieder einander.

Viele Regulierungen erweisen sich in der Praxis als zu wenig tauglich oder sind trotz detaillierter Beschreibungen unvollständig. In solchen Fällen helfen SBV-Mitglieder einander.

Seit vielen Jahrzehnten tauschen sich Mitglieder des SBV in Erfahrungsgruppen aus. Aktuell machen über 200 Firmen in 21 themenspezifischen Gruppen mit. Diese funktionieren wie Foren: Ein Mitglied stellt eine Frage und erhält von anderen Teilnehmern Antwort. So profitiert jeder vom Wissen der anderen. Manchmal ist die Materie zu komplex, dann holen die Moderatoren direkt Rat bei den Fachbereichen des SBV. Denn oft ist es „nicht so einfach“.

Neben technischen Fragen sind es vor allem Personalthemen, die ganz oben auf der Liste stehen, erklärt Sales Affentranger. „Der LMV ist ein sehr kompliziertes Werk, das vieles bis ins Detail regelt und doch zu wenig klärt. Oft sind die Texte schwer verständlich oder bilden die Praxis nicht ab“, erklärt der Leiter der Erfa-Gruppen, der selber zwei Personalgruppen moderiert. „Die Baumeister wollen alles richtig machen, kommen aber regelmässig an Grenzen. Dann können sie sich an die Erfa-Gruppen wenden.“ Hier gilt laut Affentranger der Grundsatz, dass es keine dummen Fragen gibt, lediglich solche, die man nicht zu stellen getraut. Voraussetzung dafür sind die Vertraulichkeit und die Zuversicht, mit scheinbar unlösbaren Fragen nicht alleine zu sein.

Welchen Lohn erhält beispielsweise ein Baupraktiker EBA, der nach seiner zweijährigen Anlehre eine Lehre als Maurer EBZ anfängt? Solche Antworten findet man nicht im LMV, aber in der Praxis. Wer vor ähnlichen Fragen stand, gibt in der Erfa-Gruppe Auskunft und zeigt Lösungen auf. Im Fall des genannten Lehrlings: Er erhält direkt den Lohn des 3. Lehrjahres. Zusätzlich wird eine Ausbildungsvereinbarung abgeschlossen.

„LMV-Themen werden auch mit dem neuen Vertrag bleiben“, schätzt Affentranger. „Daneben werden sich Baumeister zunehmend mit dem Generationenwechsel auseinandersetzen müssen. Das fängt bei der Lehrlingssuche an. Nicht mehr die Jungen müssen sich bewerben, sondern die Firmen.“ Die Erfa-Gruppen bieten auch dazu die perfekte Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrung.

Über den Autor

pic

Thomas Staffelbach

Chefredaktor

[email protected]

Artikel teilen