Mobilität: wenn die Lösung im Untergrund liegt

In Zeiten anhaltend wachsender Mobilitätsbedürfnisse und zunehmender Platznot drängt sich der Untergrund immer häufiger als Lösung für den Bau leistungsfähiger Infrastrukturen auf, wie sie von der Bevölkerung benötigt werden, ohne zusätzlichen Boden verbrauchen zu müssen. 

 

Tag für Tag befahren – und verstopfen – rund 10 000 Fahrzeuge den historischen Ortskern von Bad Zurzach, des einzigen Aargauer Marktfleckens, der im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung aufgeführt ist. Ab 2023 werden die meisten dieser Fahrzeuge die derzeit im Bau befindliche Ostumfahrung benützen. Mehr als die Hälfte der 75 Millionen teuren und 990 Meter langen neuen Umfahrungsstrasse verläuft unterirdisch. Konkret handelt es sich um eine neue Kantonsstrasse, von der 530 Meter durch einen Tunnel führen. Der Aushub erfolgte von beiden Seiten her und wurde im August fristgerecht abgeschlossen. Die Bauarbeiten gehen jedoch weiter und die neue Umfahrungsstrasse dürfte im Frühling 2023 betriebsbereit sein.

Bedürfnisse erfüllen und gleichzeitig Boden an der Oberfläche sparen 

Diese neue Umfahrungsstrasse wird nicht nur eine Verkehrsentlastung bringen, sondern dank der Nutzung des Untergrunds auch die Umweltbelastung reduzieren und Boden an der Oberfläche erhalten. Die Schweiz verfügt im Tunnelbau über ein gut ausgewiesenes Know-how. Für den Infrastrukturbau im Untergrund besitzt sie jedoch keine eigene Gesetzgebung. Für das Projekt Cargo Souterrain beispielsweise musste im Bundesparlament ein besonderes Verfahren durchgeführt werden, obwohl dadurch der Güterverkehr in den Städten mittelfristig um bis zu 30% und die CO₂-Emissionen pro Tonne transportierter Güter um 80% verringert werden können.

Die Ostumfahrung Bad Zurzach ist zwar um einiges kleiner, zeigt jedoch, dass die Nutzung des Untergrunds sehr konkrete Antworten auf Mobilitätsprobleme ermöglicht. So lag es bereits bei der Eröffnung der Nordumfahrung Bad Zurzach zur Entlastung der Ost-West-Achse im Jahr 1989 auf der Hand, dass einst auch eine Lösung zur Entlastung der Nord-Süd-Achse nötig sein würde. Benutzer und Anrainer mussten somit 30 Jahre warten, bis sie jetzt mit dem Bau der Ostumfahrung und dem Tunnel als Kernelement verwirklicht wird. Diese grösstenteils unterirdische Konzeption kam der Akzeptanz für das Projekt zweifellos zugute, obwohl der Bau mit Einsprachen bis zum Bundesgericht verzögert wurde, unter anderem denjenigen des VCS Aargau.

Die Nutzung des Untergrunds dank pragmatischer Rahmenbedingungen begünstigen 

Während der Boden und allgemein der verfügbare Raum immer knapper werden, drängt sich der unterirdische Bau zunehmend als Notwendigkeit auf. Es geht nämlich nicht nur darum, Ackerfläche auf dem Land zu erhalten, sondern auch um die Lebensqualität in den Städten und Agglomerationen, wo bereits 85% der Schweizer Bevölkerung leben.

Bis in 20 Jahren wird die Bevölkerung unseres Landes mehr als 10 Millionen Einwohner erreichen (heute 8,6 Millionen). Dementsprechend werden auch die Bedürfnisse wachsen, insbesondere im Mobilitätsbereich. Die Verkehrsinfrastrukturen eignen sich ausgesprochen gut für einen Bau im Untergrund, zumal dort der nötige Raum vorhanden ist. Rahmenbedingungen, die den Infrastrukturbau im Untergrund begünstigen, könnten die Situation an der Oberfläche entspannen und auch die wachsenden Bedürfnisse einer laufend wachsenden Bevölkerung erfüllen. Und um die Realisierung neuer Verkehrslösungen im Untergrund zu ermöglichen, müssen die Rahmenbedingungen genügend flexibel und pragmatisch sein, um der Realität vor Ort gerecht zu werden. Dogmen und Überregulierungen, die letztlich oft die Umsetzung von nachhaltigen Projekten mit einem echten Nutzen für die Öffentlichkeit verhindern, sind hier fehl am Platz.

Über den Autor

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Corine Fiechter

Mediensprecherin / Spezialistin Kommunikation

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